logout
TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (970)

Liebes Brautpaar! Eine Trauung ist eine der schönsten und erfreulichsten Aufgaben für mich als Standesbeamtin und es ist mir jedes Mal eine persönliche Freude an einem so bedeutenden Ereignis im Leben zweier Menschen mitwirken zu dürfen. Bevor wir zur eigentlichen Trauungszeremonie kommen, möchte ich Ihnen noch ein paar Worte mit auf den Weg geben, den Sie nun gemeinsam einschlagen. Da wir uns nicht näher kennen, ist für mich Ihr Beruf lieber Bräutigam der einzige Anknüpfungspunkt, um meine kleine Ansprache etwas persönlicher zu gestalten. Nun hat natürlich die Tätigkeit eines Kfz-Mechanikers mit einer Ehe nicht viel zu tun. Es ist etwas anderes, mit Dingen umzugehen als mit Menschen; und die Herstellung und Wartung von Kraftfahrzeugen hat wenig damit gemein eine Beziehung anzufangen und zu pflegen. Doch bei jeder Berufsausübung sind bestimmte Fertigkeiten und Haltungen gefragt, die auch in anderen Bereichen von Nutzen sind. Und viele Bezeichnungen für das, was in der Arbeitswelt getan oder gebraucht wird - von der Computersprache mal abgesehen -, viele dieser Begriffe benutzen wir auch, wenn wir über den zwischenmenschlichen Bereich, wenn wir über enge Beziehungen reden. Deshalb möchte ich das, was in einer funktionierenden Ehe eine Rolle spielt, heute in folgende Worte fassen: In einer guten Ehe haben beide den Schlüssel zum anderen gefunden. In einer glücklichen Ehe ist es gelungen, aus zwei Individuen ein Paar zusammenzuschweißen, das in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhält. Wenn zwei Menschen sich kennenlernen und sich näherkommen wollen, dann brauchen sie einen Schlüssel füreinander. Denn sie wollen ja wissen wie der andere ist, wofür er sich interessiert oder was er sich vom Leben erwartet. Sie möchten offen miteinander reden; sie möchten, dass der andere sich ihnen öffnet. Denn nur so können sie sich verstehen und Vertrauen zueinander entwickeln. Und auch später, wenn beide sich schon gut kennen, werden sie immer mal wieder einen Schlüssel füreinander brauchen. Denn Missverständnisse oder Auseinandersetzungen bleiben in den wenigsten Ehen aus, und im Laufe des Zusammenlebens wird jeder auch neue Interessen entwickeln oder sich verändern. Und dann geht es wieder darum aufeinander zuzugehen und sich neu zu verständigen. Denn im Zusammenleben kommt es darauf an, einen gemeinsamen Weg zu finden. Das bedeutet am Anfang, sich erst mal zusammenzuraufen und herauszufinden, wie beide am besten miteinander klarkommen. Dafür brauchen beide etwas Geduld und Fingerspitzengefühl, um den anderen nicht zu überfahren, sowie die Bereitschaft, Kompromisse zu schließen. So zimmern sie sich ein gemeinsames Leben zurecht und schmieden dadurch eine feste Beziehung zusammen, die auch dann hält, wenn es mal zu Belastungen kommt. Zu einer engen Verbindung zwischen zwei Menschen gehört es, dass beide etwas füreinander tun und an ihrer Beziehung feilen. Dass man sein Auto oder sein Haus instand hält, ist jedem klar - doch auch eine Ehe funktioniert nur gut, wenn beide darauf achten, dass alles rund läuft. Denn so selten, wie ein Meister vom Himmel fällt, so selten fällt eine gute Ehe vom Himmel. Wenn beide sich am Hochzeitstag wie im siebten Himmel fühlen, dann ist das zwar eine gute Voraussetzung, aber noch keine Garantie für ein langes Eheglück. Und auch der Trauschein ist kein Meisterbrief zum Führen einer Ehe. Aber wenn zwei Menschen sich ihr Jawort geben, dann zeigen sie, dass sie es ernst miteinander meinen und dass ihnen ihre Verbindung wichtig ist. Und auch das ist eine gute Voraussetzung für eine glückliche Ehe. Denn wenn beide den jeweils anderen und ihre Ehe wichtig nehmen, dann werden sie auch etwas tun, wenn etwas mal nicht funktioniert. Dann werden sie den Schaden reparieren oder ein Ziel, das sich als Auslaufmodell erwiesen hat, durch ein neues ersetzen. Schließlich bietet das Leben immer neue Herausforderungen. Zur Wartung der Ehe gehören auch ein bisschen Schmieröl und ab und an ein paar Extras. Kleine Aufmerksamkeiten oder Gesten zeigen dem anderen, dass er einem noch viel bedeutet. Und ein paar schöne Stunden zu zweit heben sich vom Alltags-einerlei ab. Indem beide aufeinander zugehen und aufeinander eingehen, werden sie viel miteinander erleben und erfahren. Dadurch werden sie eine Verbindung zusammenmontieren, in der beide sich aufeinander verlassen können und alles miteinander teilen. Sowohl die schönen wie die traurigen Stunden, die das Leben so mit sich bringt. Sie werden sich ein gemeinsames Leben aufbauen, das ihnen Erfolg und Glück verspricht. Mögen alle Wünsche und Hoffnungen, die Sie selbst mit dem heutigen Tag verbinden in Erfüllung gehen. Um die Trauung zu vollziehen, darf ich Sie bitten mit mir kurz aufzustehen.
 
zurück zur Übersicht