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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (984)

„Einen Menschen zu finden, der mit uns fühlt und empfindet, der Zeit für einen hat, das ist wohl das schönste Glück auf Erden“ Mit diesem Spruch begrüße ich euch liebes Brautpaar, werte Trauzeugen und Hochzeitsgäste sehr herzlich. Es freut mich sehr, dass ich diesen – für euch sicherlich ganz besonderen Tag – mit euch gemeinsam feiern darf. Liebe xxx! Lieber xxxx! Ihr beide wollt heute ganz offiziell beurkunden, dass ihr euren Lebensweg gemeinsam fortsetzen möchtet. Ihr seid schon ein Stück Weg gemeinsam gegangen, seid ihr euch kennen und schätzen gelernt habt und wollt auf diesem Weg weiter voranschreiten. Ihr wollt dem was kommen mag, gemeinsam begegnen beziehungsweise miteinander dahin wirken, dem Leben die schönen Seiten abzugewinnen. Ihr macht euch zusammen auf den Weg. Und dieser Weg ist gleichzeitig euer Ziel, denn in einer Ehe ist der gemeinsame Weg das, worauf es ankommt. Heute wollt ihr beide euch das Jawort geben und damit gemeinsam einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Mit diesem offiziellen Bekenntnis zueinander liegt wieder ein neuer Weg vor euch, so wie damals, als ihr euch näher gekommen seid und ihr euch füreinander entschieden und damit eurem Leben eine Wendung gegeben habt. Ihr seid aufeinander zugegangen und habt euch gefunden. Und heute sagt ihr nicht nur „JA“ zueinander, sondern bekundet gleichzeitig, dass ihr zueinander steht. Der Entschluss, das Leben miteinander zu teilen, ist ein Aufbruch zu neuen Ufern, ein Schritt ins Glück, aber auch ins Ungewisse. Denn was das Leben ganz allgemein und auch das gemeinsame Leben für einen bereithält, das weiß vorher niemand so genau. Doch nur wer sich und auch dem Partner beziehungsweise der Partnerin etwas zutraut, kann auch das gemeinsame Glück schmieden. Nur derjenige, der etwas wagt, kann auch gewinnen. Und wer sich auf Liebe und Ehe einlässt, hat schließlich viel zu gewinnen. Ihr beide lasst euch aufeinander ein, gebt einander Zuwendung und Unterstützung. Ihr bringt Verständnis für den anderen auf und wisst, dass ihr einander vertrauen könnt. Ihr braucht die Kälte und Stürme, die das Leben so mit sich bringen kann, nicht allein auszuhalten, sondern könnt ihnen gemeinsam begegnen. Ihr werdet euch Halt geben und euch aufmuntern, ihr werdet gemeinsam nach Lösungen für die Probleme und Konflikte suchen, die euch begegnen. Ihr wisst, dass ihr euch aufeinander verlassen könnt und dass ihr zusammenhaltet, ganz gleich, was kommen mag, in allen Tiefen und Höhen des Lebens. Denn auch in den glücklichen Momenten ist es ja schön, wenn jemand die Freude mit einem teilt. So wie sich auch jeder wünscht, gemeinsam mit dem Partner beziehungsweise der Partnerin etwas zu erreichen oder sich sein Glück zurechtzuzimmern. Mit der heutigen Eheschließung schließt ihr den innigsten Bund, den zwei Menschen schließen können. Nach außen hin wird sich nach diesem Tag nicht viel ändern oder für andere erkennbar werden. Ihr wohnt bereits gemeinsam unter einem Dach, habt euch in den Jahren des Zusammenlebens geprüft und die Vorzüge aber auch die kleinen Schwächen voneinander kennen gelernt. Ihr habt sicherlich Meinungsverschiedenheiten ausgetragen und euch wieder versöhnt. Somit habt ihr also schon genossen was sicherlich auch zum Wesen einer Ehe gehört. Heute macht ihr noch den letzten Schritt, der zu einer echten ehelichen Gemeinschaft gehört – ihr gebt euch das Eheversprechen durch euer Ja-Wort. Es gibt meist viele Gründe, eine Ehe einzugehen. Doch eine wesentliche Rolle spielt immer, dass 2 Menschen sich ihr Leben gemeinsam aufbauen wollen. Ich habe einen Satz gefunden, der ein schönes Bild für die Ehe abgibt: Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, die geben uns den Halt im Leben. Dieser Spruch zeigt, dass in einer Beziehung zwischen zwei Menschen nichts einseitig ist. Halt geben und Halt bekommen ist eins. Jeder Partner schenkt dem anderen etwas von sich und wird von diesem in gleichem Maß wieder beschenkt. Der Satz ist auch deshalb so ein schönes Bild, weil er anspricht, was eine Ehe und eine Familie so wertvoll macht: Die Familienmitglieder stehen zueinander und sind füreinander da. Sie geben sich gegenseitig Wärme, Kraft und Geborgenheit. Wenn Menschen, die zusammengehören, sich auf diese Weise gegenseitig eine Stütze sind, dann ist die Familie der Ort, an dem sich jeder wohl fühlt und zu Hause ist. Natürlich muss ein Paar nicht verheiratet sein, um eine glückliche Beziehung zu führen. Und man muss auch nicht verheiratet sein, um seinen Kindern ein Heim mit Geborgenheit und Wärme zu schenken. Ihr beide lebt schon ein paar Jahre zusammen und habt 2 gemeinsame Kinder. Mit xxx und xxx zusammen seid ihr schon lange eine Familie. Und dass ihr eine glückliche Familie seid, zeigt euer Wunsch zu heiraten. Ich möchte bitte, dass ihr zurück denkt – an die Zeit, als ihr das erste Mal aufeinander getroffen seid. Auf unterschiedlichen Lebenswegen seid ihr eines Tages, aufeinander getroffen. War es Vorbestimmung – Schicksal – Zufall – ein Glücksfall? Ihr seid stehen geblieben und erkanntet, dass ihr zusammengehört und dass ihr von nun an euren Weg gemeinsam gehen wollt. Bis jetzt habt ihr bereits verschiedene Höhen und Tiefen des Lebens gemeinsam durchlebt. Habt euch in dieser Zeit geprüft und schließlich den Entschluss gefasst, die Ehe miteinander einzugehen. Doch bevor ihr beide diesen Entschluss gefasst habt, stellte sich für euch sicherlich die Frage, was gefällt mir so besonders an meinem Partner/an meiner Partnerin? Was mag ich an ihm bzw. an ihr? Bestimmt fallen euch unbeschreiblich viele Eigenschaften, Gesten, Dinge und Sachen ein, was deine Partnerin – deinen Partner so einzigartig macht. Es gibt ein Lied von Konstantin Wecker mit dem Titel „Was ich an dir mag“ Dieses Lied beantwortet die Frage auf eine wunderschöne Art: Was ich an dir mag, ist unbeschreibbar, ist ein ungeschriebenes Gedicht. Besser ich beschränke mich aufs Staunen, mag dich weiter und erklär’ dich nicht. Ist es deine Stimme, sind es deine Hände, ach dein ganzes Wesen fesselt mich. Um dich zu beschreiben, bräucht’ es Bände, besser sag ich schlicht: Ich liebe dich. Und diese Liebe, die ihr füreinander empfindet ist euch sicher nicht in den Schoß gefallen – sie ist gewachsen. Am Anfang war es Sympathie – dann Zuneigung – dann Verliebtheit – und schließlich die Liebe die euch heute hierher geführt hat. Dieser Moment ist in Hollywood-Filmen immer der, in dem Geigen erklingen und die Wörter „Happy-End“ erscheinen. Doch eigentlich fängt es in diesem Moment erst richtig an. Denn das Einander-Finden ist ja nur die Vorstufe einer glücklichen Beziehung. Jetzt kommt es auf das Miteinander-Leben an. Der Sinn der Ehe liegt nicht in einer Heiratskunde sondern darin, dass sich hier 2 Menschen zusammengefunden haben, die zueinander gehören – ja mehr, die sich ergänzen und vor allem respektieren und die bereit sind, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Zu einer glücklichen und harmonischen Ehe gehören eine Reihe von Voraussetzungen, spielt doch der zwischenmenschliche Bereich eine ganz entscheidende Rolle. Aber insbesondere Geborgenheit und Glück durch die Liebe zueinander, werden in euch die Erfüllung bringen, die ihr euch von ihr erwartet. Clemens von Bretano hat das natürlich viel schöner formuliert als ich: „Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.“ Aber der Reichtum der Ehe ist nicht in materiellen Dingen zu finden, sondern in den Gefühlen: Sich loslassen zu können und doch getragen zu sein Fehler machen zu können und diese verziehen zu bekommen Halt zu geben und Halt zu finden Trost zu suchen und Verständnis zu erfahren – aber besonders Liebe zu schenken und diese selbst zu spüren! „Man sieht nur mit den Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ Die Hochzeit ist in erster Linie eine Herzensangelegenheit. Die Liebe zwischen euch ist für die Augen unsichtbar. Ihr habt euch gegenseitig vertraut gemacht, der Partner ist einzig geworden, so wichtig, dass ihr euch nun das JA-Wort geben wollt. Das Wort JA schließt aber noch mehr ein. Albert Camus sagt: Einen Menschen lieben, heißt einwilligen mit ihm alt zu werden. Ich glaube, euch ist bewusst, das ihr euch zusammen entwickeln wachsen und reifen müsst. Jeder verändert sich durch seine Erfahrungen auf gewisse Weise weiter. Für eine gute Beziehung ist es wichtig, den anderen teilhaben zu lassen. Frägt man Paare, die schon sehr lange verheiratet sind nach ihrem Patentrezept für eine dauerhafte Ehe, sagen viele: „Wir haben sehr viel miteinander geredet.“ Das heißt, sie haben den anderen teilhaben lassen am eigenen Leben. Dies wiederum heißt, sie haben sich Zeit füreinander genommen. Nur einen Augenblick Zeit haben Für ein Gespräch Für einen Händedruck Für ein Lächeln. Nur einen Augenblick Zeit haben Für den Anderen Für seine Gedanken Für seine Ängste Für seine Freude Der Sinn einer jeden Trauungsrede ist, dass man über den Inhalt nachdenkt und ihn sich etwas zu Herzen nimmt, aber ich wünsche mir auch, dass ihr zwischendurch gerne einmal an euer Herz denkt, das füreinander schlägt, an eure Augen, die dem Ehepartner liebevoll zuzwinkern, an eure Ohren, die ihr füreinander offen haltet, an eure Hände, die stets gerne den anderen spüren und an eure Beine, die einen gemeinsamen Lebensweg eingeschlagen haben. Mit diesen Worten möchte ich nun zum rechtlichen Teil übergehen und bitte euch dazu aufzustehen.
 
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