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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (987)

Liebe Angelika, lieber Alexander, euch führt heute ein bedeutsamer und feierlicher Anlass in das Standesamt unserer Gemeinde. Ihr habt euch entschlossen, euren gemeinsamen Lebensweg durch das Eheversprechen zu besiegeln. Ich habe mich sehr gefreut, als ihr mich fragtet, ob ich euch trauen würde. Und wie ihr habe mich auf heute gefreut und bin auch ein bisschen aufgeregt. Nach so vielen Jahren, wo ich Euch schon kenne, ist es mir fast so, als würden meine Kinder heiraten. So ist es also dann gekommen, dass ich Euch heute als Eure Standesbeamtin und viele Menschen, die euch wichtig sind, hier herzlich willkommen heißen darf. Ihr werdet jetzt also getraut! Das klingt so passiv, so, als ob ihr etwas über euch ergehen lassen müsstet. „Sich trauen“ klingt zu einem schöner und sagt doch auch so viel mehr über eure Absicht aus. Wenn ihr beiden nun gemeinsam mit mir und euren Trauzeugen hier an diesem Tisch sitzt und das Eheversprechen eingeht, weiß ich ganz genau, dass heute hier zwei Menschen heiraten, die dies aus tiefstem Herzen tun, und die sich auch der Tragweite dieser Entscheidung gewiss sind. „Ihr traut euch“, weil ihr es euch zutraut im Sinne von „sich wagen“, im Sinne von mutig einen neuen gemeinsamen Lebensabschnitt auch ganz formal zu beginnen. Denn, und das ist heute ja für viele nicht mehr selbstverständlich, die Ehe ist ein Bund fürs Leben. In unserer Rechtsgrundlage, dem BGB, steht hierzu ganz nüchtern: „Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen. Die Ehegatten sind einander zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet; sie tragen füreinander Verantwortung.“ Wie viel leichter ist es, ganz unverbindlich mal Ja und bei ersten kleinen Problemen dann Nein zu einem „Lebensabschnittspartner“ zu sagen, das passt sicher gut in unsere schnelllebige, oftmals oberflächliche Zeit. Ihr habt euch bewusst für den schwierigeren Weg entschieden, weil ihr einander vertraut, weil ihr darauf vertrauen dürft, dass eure Liebe so reich vorhanden ist, dass sie für ein langes gemeinsames Leben reicht. Nehmt den anderen wie er ist! Oftmals denkt man, na ja die kleinen Macken und Besonderheiten werde ich ihm/ihr noch abgewöhnen mit der Zeit und man glaubt, sie oder ihn in der Ehe dann so zu erziehen, wie es dem eigenen Idealbild entspricht. Tut dies nicht! Versucht nicht die Ecken und Kanten glatt zu feilen. Denn dann ist das plötzlich ein ganz anderer Mensch und nicht mehr der, in den ihr euch verliebt habt, der doch der Richtige war. Habt Geduld und Ausdauer, Verständnis und auch Achtung vor der Persönlichkeit des Anderen. Das heißt auch, Freiräume zu gewähren und den anderen nicht einzuengen. Auch wenn dies vielleicht bedeutet, sich selbst ein Stück zurück zu nehmen, weil z. B. das Hobby des anderen manchmal wichtiger scheint. Du Angelika, kennst das, da geht der Piepser auf und egal, was und wann ihr gerade gemeinsam macht, die Feuerwehr ist für Alexander jetzt wichtiger! Damit kann man hadern – oder es einfach akzeptieren. Liebe Angelika, lieber Alexander, der Tag der Eheschließung stellt mit Sicherheit einen besonderen Höhepunkt im Leben der Menschen dar; es ist der Tag, an dem sich zwei Menschen aus Liebe ihr Ja-Wort geben. Dieses Ja gilt aber nicht nur für freundliche, schöne und harmonische Tage und Zeitabschnitte, dieses Ja muss auch Bestand haben, wenn einmal schwere Zeiten eine Ehe belasten oder überschatten. Es wird nicht immer eitel Sonnenschein sein, das eine oder andere Wölkchen wird sich einschleichen, ab und zu auch ein Gewitter. Seid euch bewusst, dass ihr für das Wetter in eurer Ehe selbst verantwortlich seid. Und wenn sich trotz sorgfältigem Bemühen ein Gewitter nicht so leicht vertreiben lässt, dann denkt an Heute und Morgen und an das Herzklopfen und die Vorfreude auf eure schönsten Tage und wie wunderbar diese Tage waren, trotz aller Hektik und Arbeit der Vorbereitungen. Manchmal hilft es auch, sich „Wolkenschieber“ zu holen, eure Trauzeugen zum Beispiel, die ihr mitgebracht habt und die das eine oder andere Auge auf eure Ehe haben. Lieber Alexander, schwimmen gelernt hast du bei mir, freigeschwommen in dein eigenes Leben mit der Angelika hast du dich längst. Heute bin ich nur dazu da, mit euch den rechtlichen Grundstein für eure Verbindung zu legen. Aus dem losen Band der Freundschaft knüpfe ich mit euch ein festes Band der Ehe, ich bin sozusagen der Knoten in eurem Leben. Und nachdem ihr alle rechtlichen Voraussetzungen für die Ehe erfüllt habt, bin ich jetzt bereit, euer Ja-Wort entgegen zu nehmen. Ich möchte nun von euch das schönste und lauteste Ja hören, das ihr je zu eurem Partner gesagt habt. Ihr habt so viele liebe Menschen mitgebracht, die alle nur dabei sind, um dieses eine Wort von euch zu hören, also, lasst euer Herz sprechen! Und damit alle hier es gut hören können, bitte ich das Brautpaar und die Trauzeugen mit mir aufzustehen. Alexander Mustermann, ich frage dich, ist es dein eigener und freier Entschluss, mit der hier anwesenden Angelika Musterfrau die Ehe einzugehen, so antworte mit Ja… Angelika Musterfrau, ich frage auch dich, ist es dein eigener und freier Entschluss, mit dem hier anwesenden Alexander Mustermann die Ehe einzugehen, so antworte mit Ja. Nachdem ihr nun beide meine Frage mit JA beantwortet habt, erkläre ich euch nunmehr kraft Gesetzes zu rechtmäßig verbundenen Eheleuten. Ihr dürft euch jetzt gegenseitig die Ringe anstecken und euch küssen.
 
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