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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (989)

Liebes Brautpaar! Verehrte, versammelte Hochzeitsgesellschaft! Euch beiden, liebe Name, lieber Name, genügt es nicht mehr nur zusammen zu sein, befreundet und liiert zu sein, sondern ihr wollt einen festen Lebensbund schließen, eine Ehe begründen. Ich heiße euch dazu herzlich willkommen hier am Standesamt. Besonders begrüße ich auch eure Trauzeugen und eure Familien. Ihr seid soeben über zwei Stockwerke und daher über nicht wenige Stufen hier in unseren Trauungssaal gelangt. Betrachten wir unser Leben als Leiter oder als Stiege, die wir Stufe für Stufe erklimmen. Dann und wann wird der Weg durch eine Plattform unterbrochen, wo man verschnaufen und einen wunderbaren Ausblick genießen kann, bevor es weiter hinauf geht. Ein Tag, in dem wir einen solchen Aussichtspunkt erreichen, ist ein besonderer Tag. Ihn gilt es zu feiern und zu genießen. Ausgeruht und gestärkt kann es dann bald auf der Lebensleiter weitergehen, immer dem nächsten Etappenziel entgegen, das erneut mit einer freudigen Überraschung auf uns wartet. Wie viele solcher Punkte wir anstreben, bestimmt jeder von uns selbst. Doch je mehr Ziele wir uns setzen, desto öfter kann man sich über seine Erfolge freuen. Heute habt ihr, liebes Brautpaar, ein ganz wichtiges und einschneidendes Etappenziel erreicht. Ihr seid GEMEINSAM auf einer Plattform gelandet. Von heute an geht ihr festen Schrittes gemeinsam die Stufen voran. Zwar hat es das auch schon vorher gegeben (ihr habt euch ja nicht erst heute auf dieser Plattform getroffen), doch wird das Weitermarschieren von nun an ein noch Verbundeneres, ja auch ein noch Sicheres sein. Ihr zwei, liebes Brautpaar, habt den Schlüssel zum Herz eures jeweiligen Partners gefunden und könnt von nun an gemeinsam die Türen zu euren weiteren Lebensetappen und Lebenszielen aufsperren. „Der Schlüssel zum Herzen“ – ein romantischer, ja schon fast altmodischer Gedanke. Ich möchte diese Metapher heute ein wenig näher betrachten, denn Schlüssel spielen in unserem Leben eine nicht unwesentliche Rolle: Jeder, der schon einmal seine Schlüssel verlegt hat, weiß das. Schlüssel öffnen uns Wohnungen und Büros, Autos und Schließfächer; sie ermöglichen uns den Zugang zu unseren Zielen. Doch nicht nur Türen sind aufgeschlossen oder verschlossen – auch Menschen sind es. Menschen ziehen sich vor anderen zurück, wenn sie frustriert oder unsicher sind, wenn man ihnen mit Kritik oder Misstrauen begegnet. Und sie öffnen sich, wenn sie sich wohl fühlen, wenn sie Sympathie empfinden und spüren. Verschlossene Türen kann man notfalls mit Gewalt öffnen, doch der Zugang zu einem anderen Menschen lässt sich nicht erzwingen. Hier hilft nur, den richtigen Schlüssel zu finden. Und so ein Schlüssel besteht daraus, auf den anderen zuzugehen, er besteht aus Achtung und Wertschätzung sowie aus Geduld und Hilfsbereitschaft. Am Anfang, wenn zwei Menschen sich ineinander verlieben oder füreinander interessieren, dann bekommen sie schnell den Schlüssel zum anderen in die Hand. Denn sie versuchen, dem anderen nah zu sein und viel über ihn zu erfahren. Beide öffnen sich. Das ist allerdings kein einmaliger Vorgang mit einem endgültigen Ergebnis: denn einen Generalschlüssel für alle Lebenslagen gibt es nicht! Vielmehr wird sich dieser Vorgang im Lauf eurer Beziehung und eurer Ehe immer mal wiederholen. Denn es wird durchaus vorkommen, dass sich mal der eine, mal der andere wieder in sich selbst zurückzieht. Weil beide im Beruf oder zuhause Stress und Frustrationen erleben; weil sie mit einem Problem nicht zurechtkommen; weil sie sich über etwas Sorgen machen, mit dem sie den anderen nicht behelligen wollen. Oder ganz einfach, weil sie unterschiedlicher Meinung sind. Dann wird es darum gehen, wieder aufeinander zuzugehen und den jetzt passenden Schlüssel zu entdecken. Doch wenn beide sich mögen und gut kennen, wenn sie schon viele Schlüssel füreinander gefunden haben, werden sie auch ein Gespür dafür haben, was für den anderen, die Beziehung und für die Familie jetzt gerade am besten ist. Welcher Schlüssel auch passen mag, er wird dazu dienen, das Verständnis füreinander und das Vertrauen zueinander zu vertiefen. Der Schlüssel zum anderen schafft die Basis dafür, das Leben miteinander zu teilen und zusammen das Beste daraus machen zu können. Die gemeinsam bewältigten Probleme festigen eine Beziehung genauso wie das gemeinsam erlebte Glück. Diese Erfahrungen werden dann zu den „Schlüsselerlebnissen“ der Ehe. Sie sind die Erfahrungen, an denen sich das gegenseitige Verständnis und Vertrauen festmacht; an ihnen zeigt sich, wie stark eure gegenseitige Bindung ist. Möge es viele positive Schlüsselerlebnisse in eurer Ehe geben – das wünsche ich euch. EHEVERSPRECHEN RINGWECHSEL Das äußere Zeichen der Eheschließung ist der Ring. Ein Ring hat weder Anfang noch Ende: Er verweist dadurch auf Ewiges: auf ewige Liebe, Treue und Glück. In diesem Sinne nehmt bitte nun den Ringwechsel vor. KUSS ABSCHLUSS Liebes frisch getrautes Brautpaar! Der Hochzeitstag ist ein Tag, an dem man als Brautpaar Glückwünsche entgegennimmt, genauso wie zu Neujahr, zum Geburtstag, oder zur Geburt eines Kindes. Doch was ist Glück überhaupt? Sicherlich kein vierblättriges Kleeblatt, „denn dieses gibt es viel zu selten und es ist nicht immer ein gutes Zeichen, schon gar nicht, wenn es neben einem Atomkraftwerk steht“ – um den bekannten Kabarettisten und Mediziner Eckhart von Hirschhausen zu zitieren. Ich habe sein Buch „Glück kommt selten allein“ mit großem Interesse gelesen. Als Standesbeamtin bin ich begeistert über seine ehrliche Sicht von Glück und Liebe, sodass ich euch abschließend noch gerne ein paar weitere Glücksgedanken von ihm mitgegeben möchte: Eckhart von Hirschhausen beschreibt das - eigentlich viel zu sehr strapazierte - Wort GLÜCK sehr pointiert so: „Das Glück des Momentes. Der Genuss. Wer nicht genießt, wird ungenießbar. Aber wenn etwas gut ist, mehr davon ist nicht unbedingt besser. Genuss wird durch Intensität gesteigert, nicht durch Menge. Ein Glas Rotwein am Abend ist herrlich, drei Tetrapak über den Tag nicht. Ein Stück Schokolade genossen ist schöner als eine ganze Torte verschlungen. Ein Wellness-Wochenende ist besser als drei Wochen nur Massage.“ „Glück ist jetzt und Glück kommt selten allein. Glück kommt nicht mit Hufeisen und Schornsteinfegern, sondern mit Freunden, Sinnlichkeit und Sinn im Leben. Ein gutes Zeichen ist, gar nicht ständig glücklich sein zu wollen. Denn Glück muss vorbeigehen, um Platz zu schaffen für Neues.“
 
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