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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (996)

Liebes Brautpaar, verehrte Gäste, ich heiße Sie ganz herzlich im Standesamt der Stadt ... zur standesamtlichen Trauung von Frau … und Herrn …willkommen. Mein Name ist .... und ich bin heute Ihre zuständige Standesbeamtin. (Sind alle Handys ausgeschalten?) Ich möchte Sie mit einem Zitat von Pythagoras begrüßen, dass da heißt: „Die kürzesten Aussagen, nämlich JA und NEIN, erfordern auch das meiste Nachdenken.“ Und wenn nun dieses kleine unscheinbare Wörtchen „JA“ zum richtigen Zeitpunkt und an der richtigen Stelle 2 x ausgesprochen wird, ist das immer wieder ein bedeutungsvoller Moment verbunden mit einer wichtigen Entscheidung. Und die Bedeutung dieser beiden Buchstaben soll nun auch Sie beide auf Ihrem weiteren Lebensweg begleiten. Um im Zusammenhang mit dem feierlichen Rahmen auch die rechtliche Bedeutung des heutigen Anlasses zu würdigen, muss ich Sie zunächst noch über ein paar Formalien informieren. Vor einiger Zeit haben Sie Ihre Eheschließung (hier) angemeldet. Sie bestätigten mir vorhin, dass sich in Ihren persönlichen Verhältnissen seit dem nichts geändert hat. Bei der Prüfung Ihrer Unterlagen sind weder Ehehindernisse noch Eheverbote bekannt geworden, sodass Ihrer Eheschließung heute auch nichts im Wege steht. Die Ehe wird nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch dadurch geschlossen, dass Sie beide vor dem Standesbeamten erklären, die Ehe miteinander eingehen zu wollen. Diese Erklärungen sind von jedem persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit abzugeben und dürfen weder einer Bedingung noch einer Zeitbestimmung unterliegen. Meine Aufgabe als Standesbeamtin ist es dann, Ihre ganz persönliche Entscheidung öffentlich z. Kt. zu nehmen und zu beurkunden. Der Förmlichkeiten soll es nun aber erst einmal genug sein. Bevor wir zu dem rechtlichen und damit wesentlichsten Teil des heutigen Anlasses kommen, möchte ich Ihnen gern noch ein paar persönliche Worte mit auf Ihren gemeinsamen Weg geben. Ein Rezept für eine glückliche Ehe kann ich Ihnen leider nicht geben. Und es wäre auch gar nicht gut, wenn es ein solches Rezept gäbe, denn jeder Mensch und jedes Paar ist anders und Sie beide wissen sicher am besten selbst, was Sie glücklich macht. Da möchte ich mich auch gar nicht einmischen. Aber wenn Ihnen doch einmal die Ideen ausgehen sollten, kann ich Ihnen ein Rezept für glückliche Momente im Alltag empfehlen; Vielleicht hilft es Ihnen ja irgendwann einmal weiter... Man nimmt zwölf Monate, putzt sie sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst. Man zerlegt jeden Monat in 30 oder 31 Teile, sodass der Vorrat genau für einen Tag reicht. Jeder Tag wird dann einzeln zubereitet, aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor. Man fügt drei gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, einen Teelöffel Toleranz, ein Körnchen Ironie und eine Prise Takt. Die ganze Masse wird dann sanft vermengt, mit reichlich Liebe übergossen und sollte mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten garniert und täglich mit Heiterkeit serviert werden. Ich wünsche Ihnen ganz viele glückliche Momente in Ihrer Ehe und auch immer ein glückliches Händchen für die richtige Mischung der Zutaten. Dass uns das Leben nicht nur glückliche Momente beschert, wissen Sie sicher bereits aus eigener Erfahrung. Aber wenn es die weniger glücklichen Momente nicht gäbe, könnten wir sie von den glücklichen gar nicht unterscheiden; es gehört also alles irgendwie zusammen. Und das JA-Wort, das Sie sich gleich geben werden, ist auch kein Zauberwort, welches Ihnen fortan einfach so doppeltes Glück garantiert. „Beziehungen und Freundschaften wollen gepflegt sein“; und so ist es auch in einer guten Ehe. Wenn Sie nunmehr für das Eheversprechen bereit sind, bitte ich Sie (und Ihre Trauzeugen), mit mir aufzustehen.

 
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