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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (1.009)

Lieber M, liebe D., liebe Trauzeugen, Verwandte, Bekannte und Freunde des Brautpaares. Ich freue mich aufrichtig, dass Ihr alle hier seid und dabei seid, wenn sich heute M. und D. das JA-Wort geben. Schon Pythagoras von Samos sagte: „Die kürzesten Wörter, nämlich ja und nein, erfordern das meiste Nachdenken.“ Und bin sicher, dass Ihr gründlich darüber nachgedacht habt und Ihr Euch der Bedeutung dieses „JA-Wortes“ bewusst seid. Das kleine Wort „JA“ ist für Euch die gemeinsame Zukunft, die Freude, das Glück, die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben, damit jeder von Euch den weiteren Lebensweg nicht alleine gehen muss. ***************** Wie schon bei Deinen Eltern G. und V. vor einiger Zeit und auch bei M. und K. 2014 darf ich kurz auf die Bedeutung der Ehe aus standesamtlicher Sicht hinweisen und einige wichtige Punkte anführen: Der Staat als Hüter der Gemeinschaft lässt der Ehe seinen besonderen Schutz zukommen. Er möchte die Gemeinschaft, das Miteinander stärken. Durch die Vorschriften, durch die Gesetze ist ganz genau geregelt, wie eine Ehe geschlossen werden kann, wie das vor sich geht und welche rechtlichen Wirkungen sich daraus ergeben. Nach dem ABGB ist die Ehe ein Vertrag von zwei Personen verschiedenen Geschlechts bzw. seit 2010 auch von Partnerschaften, in dem erklärt wird, in unzertrennlicher Gemeinschaft zu leben und sich gegenseitig Beistand zu leisten. Beide Ehegatten haben gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Ein wichtiges Thema bei einer Eheschließung ist die Namensführung. Nunmehr ist praktisch jede namensrechtliche Bestimmung möglich, Ihr habt Euch für den Familiennamen des Mannes als gemeinsamen Ehenamen entschieden. In den allgemeinen Ehevorschriften heißt es weiter, dass die Ehe dadurch geschlossen wird, dass die Verlobten vor dem Standesbeamten persönlich u. bei gleichzeitiger Anwesenheit erklären, die Ehe miteinander eingehen zu wollen. An dieser Erklärung kann keine Bedingung oder Zeitdauer geknüpft werden. Außerdem ist die Eheschließung von Euch, von Euren Trauzeugen und von mir anschließend zu unterschreiben. Erst vorgestern habe ich etwas über Paare gelesen: Geh nicht vor mir her, denn ich könnte dir nicht folgen. Geh nicht hinter mir, ich könnte dich verlieren. Geh nicht unter mir, ich könnte auf dich pinkeln. Geh nicht über mir, denn ich könnte dich als Last empfinden. Geh an meiner Seite, denn wir sind einander ebenbürtig. Ich weiß, die Formulierung ist für eine Eheschließung vielleicht etwas direkt, aber auf der anderen Seite muss auch in dieser Stunde ein Blick auf die Realität möglich sein und bei genauer Betrachtung dieser Zeilen meine ich, dass das Wesen einer Ehe hier sehr gut beschrieben wird: Man muss erkennen, dass niemand den Weg an deiner Stelle gehen kann. Und ebenso wichtig ist es zu wissen, dass es viel ergiebiger ist, wenn man den Weg zu zweit zurücklegt. Entscheidend ist der letzte Satz: Geh an meiner Seite, denn wir sind einander ebenbürtig. Ebenbürtig im Sinne von möglichst gleichen Interessen, Vorstellungen und Wünschen, auch von Zielen und ganz besonders von Träumen und nicht von Fadheit, Eintönigkeit, Interesselosigkeit. Gemeinsame Ziele, Wünsche und Träume sind der Antrieb für eine lebenslange, glückliche Verbindung, basierend auf das Fundament der Liebe. Ohne die Liebe wird die Ehe nicht funktionieren, ohne die Liebe wird das Zusammensein zur Pflicht, zur Routine. Die Liebe ist das Wichtigste, mit der alles machbar, erreichbar ist. Sie ist die stärkste Kraft auf Erden, das Zauberwort gegen die Stürme des Lebens, gegen den Alltagstrott, gegen unsere Schwächen. Eine Flut, die Dämme bricht, ein Wunder, das Ihr spüren sollt! Liebe D., lieber M. damit dies alles für Euch Wirklichkeit werden kann, werde ich Euch nunmehr fragen, ob Ihr die Ehe miteinander eingehen wollt und dazu bitte ich Euch aufzustehen: Ich frage Dich, M., ist es Dein freier Wille und Entschluss, mit der hier anwesenden D. die Ehe miteinander einzugehen, dann antworte mit einem JA. Es freut mich aussprechen zu dürfen, dass Ihr nunmehr rechtmäßig verbundene Eheleute seid. Als äußeres Zeichen Eurer inneren Verbindung ersuche ich Euch jetzt die Eheringe anzustecken. Unterschriften ***************************************** Liebe D., lieber M., als rechtmäßig miteinander verbundenes Ehepaar wird es Euch in Zukunft noch leichter gelingen, die Wünsche, Gedanken, Vorstellungen – aber auch die Sorgen und Ängste– noch besser zu erkennen und zu bestimmen, um damit eine glückliche Verbindung zu schaffen. Aber da denke ich, wird es bei Euch keine Probleme geben, Ihr beide ergänzt Euch sehr gut: M. als geselliger, lustiger Mensch, als hervorragender Musikant auf der einen Seite und D. als diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester, die genau weiß, wie Menschen geführt und zu behandeln sind. In Deinem Beruf – und in der Ehe – ist es ähnlich. Ich möchte nur einige Punkte hervorheben: • Erhebung des Pflegebedarfes In der Ehe gibt es keinen Pflegebedarf, aber es gibt einen Bedarf an gegenseitiger Zuneigung, Zuwendung und Zärtlichkeit. Und nicht jeder Tag ist gleich, nicht immer müssen „Riesengefühle“ das Zusammenleben bestimmen. • Pflegeplanung In der Betreuung von Menschen ist die Planung ein absolut wichtiger Punkt, ohne Planung das Chaos. Auch die Ehe braucht eine Planung, einen geregelten Ablauf in vielen Dinge, gewisse Rituale, beim Aufstehen, Frühstück, Arbeit, Freizeitgestaltung, Urlaub. Auf keinen Fall meine ich Monotonie oder Langeweile. Selbstverständlich gehören auch Überraschungen, spontane Ideen, ab und zu kleine Geschenke, dazu. • Verabreichung von Medikamenten und Infusionen Auch in der besten Ehe können, ja werden Verstimmungen, unterschiedliche Ansichten und Meinungen auftreten. Im Gegensatz zur Medizin gibt es in der Ehe ein absolutes Allheilmittel, das Wundermittel der „Liebe“. Ich habe eingangs schon darüber gesprochen und darf die „Kraft der Liebe“ auch am Ende meiner Wort nochmals besonders hervorheben und in einem Gedicht zusammenfassen: Ich möchte einfach da sein Ich möchte einfach da sein, wenn du einige Worte sagen möchtest und auch, wenn du ein Fest feierst. Ich möchte einfach da sein, wenn du Langeweile hast und auch, wenn du keinen Weg vor dir siehst. Ich möchte einfach da sein, wenn du weinen möchtest und dir die Worte den Hals zuschnüren, und auch, wenn du singen kannst, vor lauter Freude. Ich möchte einfach da sein, wenn du Streit hast und einen Ausweg suchst und auch, wenn du die Welt umarmen möchtest. Ich möchte einfach da sein, wenn du niedergedrückt jeden Schritt zählst und auch, wenn du Hürden laufen möchtest. Ich möchte einfach da sein, wenn du mich brauchst. Das wünsche ich Euch für Eure Zukunft und bitte gleichzeitig alle Anwesenden, das junge Brautpaar dabei zu unterstützen, Hilfe zu geben und auf Wunsch mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen. Gratulation!

 
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