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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (1.010)

Sehr geehrte Hochzeitsgäste! Als Standesbeamtin ist es mir heute eine ganz besondere Freude, heute dieses Amt auszuüben. Man ist ja immer wieder gefordert , einen geeigneten Inhalt für eine Trauungsansprache zu finden. Bei der Suche bin ich auf ein Zitat von Albert Schweitzer gestoßen, das mit im Zusammenhang mit eurer Eheschließung sehr gut gefällt. Es lautet: „Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt!“ Somit begrüße ich alle recht herzlich am Standesamt XXX. Mein besonderer Gruß gilt natürlich dem Brautpaar. Daher heiße ich dich liebe XXX und dich lieber XXX, sowie die Trauzeugen XXX aufs herzlichste willkommen. Heute ist für alle Anwesenden ein ganz besonderer Tag, denn eine Eheschließung ist nichts Alltägliches, sondern etwas zum Feiern. Die Eheschließung ist zweifelsohne eines der wichtigsten und weitreichendsten Ereignisse im Leben eines Menschen. Sie betrifft und verändert aber nicht nur euer Leben allein. Eure Hochzeit ist ein familiäres Ereignis, über das sich besonders eure Eltern, die Verwandten, eure Freunde aber euch eure beiden Söhne XXX freuen. Es liegt in der Natur der Sache, dass besonders eure Eltern gefühlsmäßig am meisten mit euch verbunden sind. Oft empfinden Eltern die Heirat eines Kindes als Verlust. Als Trost kann man dazu nur sagen, dass eine Hochzeit nicht als Verlust des eigenen Kindes sondern als Gewinn einer Tochter oder eines Sohnes betrachtet werden soll. Über die Ehe gibt es viele Sprüche, die sich mit dem Problem des Zusammenlebens der Ehepartner beschäftigen. Ein amerikanische Schauspieler hat jedoch die Ehe in einer sehr humorvollen Betrachtungsweise wie folgt charakterisiert: „Das Geheimnis einer glücklichen Ehe besteht darin, alle Katastrophen als Zwischenfälle und keine Zwischenfälle als Katastrophen zu behandeln!“ Damit wird aufgezeigt, dass die Eheschließung zwar in erster Linie den Schritt ins große Glück bedeutet, dieser Schritt aber, bei ehrlicher Einschätzung in der weiteren Folge auch einmal mit dem einen oder anderen Problem verbunden sein kann. Ihr seht eurem Eheleben mit Optimismus entgegen und habt sicher schon überlegt, wie ihr eure Partnerschaft gestalten wollt. Eure gemeinsamen Ziele kann ich natürlich nur vermuten, allgemein werdet ihr vielleicht folgende Erwartungen in eure Ehe setzen. Ihr erhofft euch Sicherheit, ihr möchtet euch aufeinander verlassen können. Ihr wollt euch gegenseitig unterstützen und gemeinsam viel erleben. Ihr erwartet euch einen verantwortungsvollen Partner, eine harmonische Beziehung und vieles mehr. All diese Gedanken sind in einem Gedicht sehr treffend zusammengefasst: „Es wäre dumm, ein Herz und eine Seele zu werden, wenn wir miteinander doch 2 von jedem haben können“. Ich wünsche euch: Werden 2 Herzen und 2 Seelen in einer glücklichen Ehe Euch ist jedoch bewusst, nicht alle Vorsätze können erreicht werden. Einerseits ist es nicht sinnvoll, beim ersten Fehlschlag die Flinte gleich ins Korn zu werfen, andererseits soll sich eure Beziehung entwickeln und an neuen Zielen orientieren können. Gerade in der heutigen Zeit wird häufig gesagt, dass heiraten nicht zeitgemäß ist. Viele Menschen halten die Ehe für ein überholtes Relikt und halten es für altmodisch sich öffentlich zu binden. Trotz aller sich rasch wandelnder menschlicher Lebensformen sind und bleiben die Ehe und die Familie dennoch die kleinste und bedeutendste Zelle der Gemeinschaft. Über die Bedeutung dieses Tages, insbesondere in rechtlicher Hinsicht, bedarf es wohl keiner großen Ausführungen mehr. Denn Ihr seid heute zum Standesamt gekommen, die Ehe zu schließen und Ihr wisst, was Ihr damit tut. Ich freue mich, dass ich diejenige sein darf, die heute öffentlich feststellen und beurkunden wird, dass ihr mit dem JA-Wort rechtlich verbundene Ehegatten seid. Ihr sagt bewusst JA zum Partner, d.h. ihr erklärt euch bereit, ihn so anzunehmen wie er ist, mit allen seinen Fehlern und Schwächen, aber auch seinen Talenten und Stärken. Keine leichte Aufgabe, eher eine große Herausforderung. Gemeinsam alt zu werden, kann bedeuten, dass ihr 50 oder mehr Jahre Partnerschaft vor euch haben könnt. Dies ist eine lange Zeit. Ihr werdet die Höhen und Tiefen genauso wie den ganz normalen Alltag zusammen verbringen. Nach außen hin wird sich nicht viel ändern oder für andere erkennbar werden. Ihr habt bereits eure gemeinsames Haus bezogen. Ein Haus kann man mit der Ehe vergleichen. Zu Beginn muss ein Fundament errichtet werden – eine Grundlage auf die man aufbauen kann. Diese Grundlage habt ihr bereits geschaffen. Ein Haus hat verschiedene Räume. Jeder Raum ist individuell. Es gibt Räume, die Ruhe ausstrahlen und welche, die voller Energie sind. Die Fenster stehen für die Wirkung nach außen. Denn nicht nur das Zusammen ist wichtig, auch die eigenen Bedürfnisse dürfen nicht übersehen werden, wie der Kontakt zu Freunden oder Hobbies, die man nicht gemeinsam teilt. Ein weiterer Bestandteil des Hauses ist das Dach. Es steht für all das, was euch zwei verbindet. Sich gegenseitig verzeihen können ist für eine funktionierende Partnerschaft auch sehr wichtig. Wir kennen es doch alle, dass man gerade jene Menschen oft am meisten verletzt, die man am meisten liebt. Dann zu sagen es tut mir leid und zu verzeihen – daraus wächst die Kraft für eine gelingende Beziehung. Dazu möchte ich ein paar Zeilen von Jochen Mariss vortragen: Die Liebe…. … ist ein Haus aus GEFÜHLEN. Wollt ihr dort wohnen, so schafft euch Räume der BEGEGNUNG, mit Türen aus zärtlichen Flüstern. Und richtet Räume des Rückzugs ein, mit Türen aus achtsamen Schweigen. Erschafft Räume der KLÄRUNG, mit Türen aus LIEBEVOLLEM VERSTÄNDNIS Und vor allem: Schafft viele, viele Spielräume ohne jede Tür, Räume voll lebendigem CHAOS, die immer wieder neu einladen einander neu zu entdecken ……. Auch Kinder können eine Partnerschaft beeinflussen. Vermutlich wird es euch auch so ergehen und eure Beziehung zueinander wird sich zum Beispiel durch die zusätzliche Verantwortung verändern. Hinzu kommen auch Sorgen über die Gesundheit des Nachwuchses, über die Zukunft und Erziehung, aber auch darüber, für die Partnerin bzw. den Partner nicht mehr genügend Zeit zu haben. Weit mehr wird eure Partnerschaft jedoch positiv bereichert, indem ihr euch über die Entwicklung von XXX und XXX freut und das harmonische Familienleben genießt. In vielen Bereichen kann man das Zusammenleben der Partner mit einem Schachbrett vergleichen Ein Schachzug kann nicht mehr rückgängig gemacht werden und beeinflusst unweigerlich die nächsten Züge und das ganze Spiel. Genauso wird der Umgang, den ihr miteinander pflegt, euer Leben beeinflussen. Zum Abschluss meiner kleinen Ansprache wünsche ich euch, dass ihr stehts füreinander Zeit findet. Für gute Gespräche über Kleinigkeiten aber auch über große Dinge, die euch bewegen, dann bin ich sicher werdet ihr immer zueinander sagen: Keiner liebt dich so wie ich! Das kleine Wörtchen JA, das schon so oft in unbedeutender Weise gesprochen wurde, wird nun euer Leben verändern. Somit wende ich mich den gesetzlichen Bestimmungen zu: Ich darf euch und die Trauzeugen nun ersuchen, aufzustehen. Ich stelle fest, dass ihr alle Voraussetzungen für das Zustandekommen einer rechtsgültigen Ehe erfüllt habt. Ich frage dich, XXX, willst du aus eigenem und freiem Willen die Ehe mit XXX eingehen, dann antworte bitte mit JA. Ebenso frage ich dich, XXX, willst du aus eigenem und freiem Willen die Ehe mit XXX eingehen, dann antworte bitte mit Ja. Nachdem ihr nun vor euren Zeugen erklärt habt, die Ehe miteinander eingehen zu wollen, spreche ich aus, dass ihr von nun an rechtmäßig verbundene Eheleute seid. Ihr habt heute zwei Eheringe mitgebracht. Ihr wisst, dass der Ring ein altes Symbol für die Liebe und die Partnerschaft. Auch dazu gbit es ein Gedicht, das den Titel „Gedanken beim Betrachten eines Eheringes“ trägt und lautet: Manchmal ringen miteinander Manchmal ge-ring-schätzen Manchmal um den Finger wickeln Niemals aber aneinander ein Ende finden. Bitte nehmt nun den Ringwechsel vor. Ihr könnt Euch wieder setzen Sehr geehrtes Ehepaar XXX! Nun habt ihr ein entscheidendes Wort gesprochen. In eurem Wort JA liegt euer gemeinsamer Lebensweg. Mögen alle eure Wünsche, die ihr in eurem Herzen tragt, durch euer gemeinsames Streben in Erfüllung gehen. Wenn ihr auch heute froh und glücklich seid, so vergesst nicht, dass dieser Festtag vorüber und das Leben weitergeht. Es wird euch neben vielen frohen Stunden auch traurige Stunden bringen, neben Freude und Glück auch so manches Leid. Da muss sich dann eure Liebe bewähren und es muss wahr werden, dass ihr nicht glücklich sein, sondern euch vielmehr glücklich machen wollt. Bewahrt Euch Eure Fröhlichkeit, Euren Humor und die Geselligkeit, kurz: bleibt einfach so, wie ihr seid. Da ihr eine Hochzeitskerze mitgebracht habt, möchte ich euch zum Abschluss ein kleines Gedicht über die Bedeutung der Kerze vorlesen Nun zum Abschluss ein kleines Gedicht, dass ein bisschen zum Nachdenken anregen soll. Nachdem wir uns nun schon relativ lange kennen, fällt es mir schwer, die Wünsche zu Eurem künftigen Eheleben zu formulieren. Und was macht jemand, dem die richtigen Worte fehlen? Er zitiert einen klugen Menschen. Dies möchte auch ich tun, nämlich aus dem kleinen Buch der Zuneigung: Ich will jeden Tag ein Stück mit dir gehen, etwas dir geben dir sagen, wie froh es mich macht, an deiner Seite zu leben; deine Zuneigung, dein Verständnis und deine Stärke spüren. Und nun freue ich mich darüber, dass ich die erste sein darf, die euch alles Gute und viel Glück auf eurem gemeinsamen Lebensweg wünscht.
 
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