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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (1.024)

Liebes Brautpaar, Ich möchte Sie mit einigen Zeilen von Harald Petersen begrüßen: Wer weiß, wie es hier wohl weitergeht? Nicht gefegt, nicht beschildert, nicht ausgebaut, nicht bewandert... Aber wer nur auf breiten Straßen geht, verpasst das Schönste, steckt im Stau, sieht nur, was alle sehen, kommt nicht überall hin. Hier gibt es noch was zu entdecken. Hier ist nicht alles vorgeplant. Hier hat keiner reserviert. Hier können Sie mitentscheiden. Hier ist Leben. Ebenfalls begrüße ich Ihre Gäste ganz herzlich hier in unserem Standesamt und freue mich, dass ich Sie ein kurzes Stück aus Ihrem bisherigen Leben hinaus in ein neues Leben als Eheleute begleiten darf. Sie sind heute hier erschienen, um Ihrer Entscheidung, die Ehe miteinander zu schließen, einen rechtlich gesicherten Rahmen zu geben. Heute ist ein ganz besonderer Tag in Ihrer Partnerschaft. Sie wollen heute mit dem kleinen unscheinbaren Wörtchen „Ja“ einen „neuen Lebensabschnitt„ beginnen. Dieses Wörtchen ist am heutigen Tag von sehr großer Bedeutung. Es steht für Liebe und Zuneigung. Sie sagen bewusst „Ja“ zu Ihrem Partner, erklären sich bereit einander gegenseitig so anzunehmen wie Sie sind, mit all Ihren Fehlern und Schwächen, aber auch mit Ihren Talenten und Stärken. Sie werden die Höhen und Tiefen Ihres gemeinsamen Alltags miteinander teilen und sich gegenseitig unterstützen. Sie werden Weggefährten, Partner, ein Team, das sich auf einen gemeinsamen Weg macht. Vielleicht stellen Sie Überlegungen an. Was braucht der Mensch um ein gutes Leben zu führen? Was suchen wir? Was machen wir aus unserer Ehe? Beziehungen sind harte Arbeit; Möbelgemeinschaft ist keine Ehe. Manche Ehe ist in einem baufälligen Zustand. Sie ist nicht in Stand gehalten worden. Soll eine Beziehung, eine Ehe gut verlaufen, dann darf man es sich nicht bequem machen. Wenn man es sich bequem macht, gerät man nur ins Hintertreffen. Sie sind füreinander da und das soll auch so bleiben. Sie sollten sich immer wieder Zeit füreinander nehmen, damit sich Ihre Gefühle nicht abkühlen. Zeit, in der Sie einander zuhören – wobei Sie nicht nur auf die Obertöne, sondern auch auf die immer wieder vielsagenden Zwischen- und Untertöne achten sollten. Zeit, in der Sie sich wirklich ineinander vertiefen. Zeit, in der Sie zusammen durch Ihre Jahreszeiten irren. Zeit, in der Sie auch miteinander still sind.   An Ihrer Beziehung, an Ihrer Ehe müssen Sie immer wieder arbeiten. Trotz allem, was Sie ansonsten zu tun haben, sollten Sie sich gegenseitig immer wieder den Vorrang geben. Nicht so stark beschäftigt sein, dass Sie unerreichbar werden. Nach wie vor zugänglich und aufmerksam sein. Auch wenn Sie vielleicht einen vollen Terminkalender haben; wenn es wichtig ist, sollte immer eine extra Verabredung möglich sein. Nehmen Sie sich immer die Zeit füreinander, die Sie brauchen, denn die Zeit, die Sie füreinander haben, die macht Sie einander so wichtig. Betrachten Sie ihren Ehepartner auch als guten Freund, der ein starker Schutz ist, dem man sich anvertrauen kann, dem man alles erzählen kann und auf den man sich auch in schweren Zeiten verlassen kann. Man kann ihn jederzeit zu Hilfe rufen; er ist immer für einen da. Ihre Liebe wird in Ihrer Ehe weiter wachsen und stabil und widerstandfähig werden. In der Liebe geht es nicht darum, Recht zu behalten oder sich durchzusetzen. Es geht darum, einander anzunehmen. Die Liebe kämpft nicht, um zu siegen. Die Liebe siegt, indem sie das Kämpfchen aufgibt. Sammeln Sie in der Ehe nicht Jahre mit Gewohnheiten und Langeweile, sondern sammeln Sie Verständnis füreinander. Versuchen Sie nicht nur durch Ihre Augen zu sehen, durch Ihre Ohren zu hören, durch Ihre Seele zu fühlen, sondern durch die Augen des anderen zu sehen, durch die Ohren des anderen zu hören, durch die Seele des anderen zu fühlen. Dann werden Sie immer Verständnis füreinander haben. Machen Sie sich an die gemeinsame Arbeit und beginnen Sie ihre Träume von Ehe und Glück in die Realität umzusetzen. Trauen Sie sich einander zu trauen und vor allem vertrauen Sie sich. Auf Ihrem zukünftigen Weg binden Sie sich unzertrennlich und auf Dauer aneinander; Sie steigen sozusagen von einem Fahrrad auf ein Tandem um. Sie fahren gemeinsam durch das Leben, auf einem Rad mit zwei Rädern und zwei Sitzen. Beide treten Sie in die Pedale und vereinen dadurch Ihre Kraft. Gleichzeitig entlasten Sie sich; wenn der eine müde wird, übernimmt der andere die größere Anstrengung. Von Zeit zu Zeit wechseln Sie die Plätze auf dem Tandem, so dass jeder von Ihnen im Wechsel die Richtung und das Tempo bestimmen kann. Das Tandem bindet und verbindet Sie, gemeinsam leisten Sie Unvorstellbares, was jeder Einzelne nicht zu leisten vermag. Das gemeinsame Erleben begeistert Sie, die gemeinsame Erfahrung ermuntert Sie für die weitere gemeinsame Fahrt mit Ihrem Tandem namens Ehe. Das Tandem bindet Sie aneinander. Sie entscheiden selbst, ob Ihre Fahrt auf dem Tandem gerade verläuft, oder vielleicht auch einmal etwas kurvig. Ganz allein Sie beide legen den Weg und das Ziel fest. Am besten beginnen Sie gleich mit der Planung Ihrer Reiseroute; setzen Sie sich ein Ziel, das gemeinsam Alt werden heißt. Ich möchte Ihnen hierzu ein kurzes Gedicht von Peter-T. Schulz vorlesen: Es waren mal zwei Schuhe, die waren aus demselben Leder, das sah jeder. Sie gingen dieselben Wege und machten zur selben Zeit halt. So wurden sie gemeinsam alt. Schließlich fanden sie auf einem Speicher zusammen ihre Ruhe. Noch mancher erinnert sich heute, das war mal ein gutes Paar Schuhe. Nach diesem Motto sollten auch Sie sich mit Ihrem Tandem namens Ehe auf den Weg machen. Erschrecken Sie nicht, wenn sich Kurven und Schlaglöcher auf Ihrem Weg auftun, die symbolisch für kleinere Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten stehen, sondern „umradeln“ Sie diese einfach. Mit kleinen Zugeständnissen können Sie auch dieses Teilstück auf Ihrem Weg meistern – und die Reise kann weitergehen. Kein Berg kann Ihnen zu steil sein, wenn Sie gemeinsam auf Ihrem Tandem namens Ehe fahren. Wenn Sie erst verheiratet sind, sind Sie Ihrem Ziel etwas näher gekommen. Aber das Glück pflanzt sich nie automatisch fort. Glück ist eine Gabe, die zu gleicher Zeit auch eine Aufgabe bedeutet. Trauformel
 
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