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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: Sehr geehrtes Brautpaar, Trauzeugen, Eltern und Gäste des Brautpaares! Ich darf sie hier bei der Eheschließung von Anita und Gerhard recht herzlich begrüßen. Musterort ist eine sehr schöne Metapher um den Bund des Lebens zu schließen – denn Musterort ist dort, wo zwei Flüsse zusammenfließen und sich zu einem vereinen. Aber auch das Schloss Musterort ist ein wunderschöner Ort um eine Ehe zu schließen und Sie beide haben sich diesen besonderen Ort ausgesucht, um einem besonderen Ereignis, nämlich Ihrer Hochzeit, einen entsprechenden Rahmen zu geben. Sie haben für den großen Augenblick, in dem Sie „Ja“ zueinander sagen, eine ansprechende Umgebung gesucht, eine Stätte, die stimmungsvoller wirkt, als ein Raum in einem Verwaltungsgebäude und die im Gedächtnis haften bleibt. Und immerhin hat hier auch ihre Liebesbeziehung einen Anfang gefunden, denn sie beide haben sich hier kennen gelernt. Heute ist für alle ein außergewöhnlicher Tag, auch für mich. Eine Eheschließung ist neben den sonstigen Aufgaben, die ich zu erfüllen habe, immer etwas Besonderes, auf das ich mich immer freue und bis heute ist es für mich noch nicht zu einer x-beliebigen Routineaufgabe geworden. Jede Eheschließung stellt für mich eine neue Situation dar. Es stehen immer wieder andere Hochzeitsgesellschaften vor mir. Jedes Brautpaar bringt seine eigene Geschichte mit. Manche kennen sich schon sehr lange und wollen nach reiflicher Überlegung nun eine Bindung mit Trauschein eingehen. Andere kennen sich nur kurze Zeit, aber auch diese wissen, oder spüren es, ich habe den richtigen Partner, die richtige Partnerin gefunden. Viele, die vor mir stehen, haben schon einmal zusammengelebt und ihre Partnerschaft getestet. Andere sind schnell entschlossen und die Flitterwochen werden der erste gemeinsame Urlaub sein. Was aber alle Paare betrifft, ob sie sich nun lang oder kurz kennen, sie haben einen Entschluss gefasst, einen Entschluss, der im Wesentlichen auf Gefühlen basiert. Der Verstand allein kann nicht entscheiden, ob man einen bestimmten Partner stets an seiner Seite haben will. Die Sympathie, die Zuneigung, ja die Liebe entscheidet in erster Linie darüber. So wird das Thema zu einer Herzensentscheidung. Sie begründen in Kürze eine Lebensgemeinschaft. Das bedeutet auch, dass Sie in Zukunft viele Entscheidungen gemeinsam treffen werden. Die richtige Abwägung im Alltag zu treffen, heißt auch auf die Bedürfnisse des anderen Rücksicht zu nehmen und manchmal seine eigenen Interessen hintenanzustellen. In einer guten Partnerschaft wird es ein Wechselspiel sein, mal gibt der eine nach, mal der andere, oder man trifft sich in der Mitte, schließt einen Kompromiss, dem beide gleichermaßen zustimmen können. Ich möchte heute keine 1.000 Eheratschläge geben, das steht mir in meiner Funktion als Standesbeamter auch gar nicht zu. Doch ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen in Ihrer Ehe immer gelingen möge, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Große Entscheidungen, Ihre gemeinsamen Zukunftspläne, werden Sie zusammen treffen. Manche weniger bedeutenden mag manchmal auch einer alleine treffen. Doch dies geht nur gut mit einem Auge auf die Partnerschaft. Möge Ihre Zuneigung zueinander bei jeder Entscheidungsfindung großes Gewicht haben. Sie sind sich gewiss, ich habe den richtigen Partner fürs Leben gefunden, mit dem Sie gerne alt werden wollen. Sie schlagen damit einen gemeinsamen Weg ein, der manche Weggabelung hat, an der Sie vor der Frage stehen, welche Richtung Ihr Leben nehmen soll. Ich wünsche Ihnen stets eine glückliche Hand, die richtigen Entscheidungen zu treffen, sodass Sie im Alter auf ein erfülltes gemeinsames Leben zurückblicken können. Liebes Brautpaar! Sie werden sich nun in wenigen Minuten das Ja-Wort geben. Noch sehe ich Ihnen die Aufregung der vergangenen Stunden an, aber ich spüre auch Ihre Freude über die nun folgenden Augenblicke. Was bis vor wenigen Minuten noch Bestandteil eines Gedankenganges war wird jetzt Wirklichkeit. Die Antwort, die Sie mir beide bald geben werden, steht in keinem Drehbuch. Kein Regisseur lenkt die Emotionen, die jetzt folgen. Was Sie liebe X und Sie lieber X am heutigen Tag erleben ist ein Traum und doch für Sie beide wahr. Sie schreiben das erste Kapitel einer Liebesgeschichte, deren Ende Sie nicht kennen, jeder neue Tag wird eine weitere Seite Erfahrung bringen und Stück für Stück die Geschichte vollkommener machen. Sie werden kämpfen um jede Seite Ihrer Liebesgeschichte, denn der Philosoph Giregrad hat einmal gesagt: Wenn es keinen Kampf in der Liebe gibt, dann hat sie aufgehört. Also kämpfen Sie miteinander und wenn es sein muss, auch einmal gegeneinander, aber vergessen Sie nie das Geheimnis Ihrer Geschichte - ihre Liebe zueinander. Heute öffnen Sie ein Buch mit vielen leeren Seiten. Es ist nun an Ihnen, alle Seiten mit Leben und Liebe zu füllen. Obwohl eigentlich so leer ist ihr gemeinsames Buch gar nicht mehr, denn auf den ersten Seiten können wir schon ihre gemeinsame Tochter Ella Marie finden. Ich möchte Ihnen von Herzen gratulieren zu Ihrem mutigen Entschluss, jetzt gleich die Ehe einzugehen. Aber vergessen Sie nicht: Wenn zwei Menschen zusammen Mut haben, so ist das weit mehr als nur zweimal Mut. Das ist eine außerordentlich große und gewaltige Durchschlagskraft. Und diese Kraft, oder zumindest einen Teil von dieser Kraft, wünsche ich Ihnen für Ihr gemeinsames Leben. Ich möchte jetzt noch einmal zurückkommen auf dieses kleine Wort „Ja“, denn so kurz das Wort auch ist, so groß sind die Veränderungen, die es herbeiführen kann, und so groß ist das Versprechen auf Glück, das es in sich trägt. Ihr \"Ja\" zur Ehe, das sie sich heute geben, ist somit eine feste Entscheidung für den Partner und dafür, die kommenden guten und manchmal auch schlechten Zeiten gemeinsam zu bewältigen. Und in diesem Sinne will ich nun an Sie, sehr geehrte Frau X und an Sie Herr X, eine kleine, aber im Leben doch sehr bedeutungsvolle Frage stellen. Zu diesem Anlass darf ich Sie und die beiden Trauzeugen bitten, sich von den Sitzen zu erheben. Das Brautpaar reicht sich bitte die rechte Hand. In der Gegenwart der beiden Trauzeugen stelle ich dem Bräutigam Herrn X die Frage: Sind Sie ernstlich gewillt, mit Ihrer Braut Frau X die Ehe zu schließen, in Liebe und in Treue miteinander zu leben, die Freuden in Ihrem Leben gemeinsam zu teilen, das Leid miteinander zu tragen und selbes vor dem Gesetz zu bekräftigen. Wenn Sie diesen ernsten und auch aufrichtigen freien Willen haben, darf ich Sie bitten, dazu mit einem deutlichen \"Ja, ich will\" zu antworten. Und nun richte ich an die Braut Frau X die gleiche Frage. Sind auch Sie ernstlich gewillt, mit Ihrem Bräutigam Herrn X die Ehe zu schließen, gleichfalls auch in Liebe und in Treue miteinander zu leben, die Freuden in Ihrem Leben gemeinsam zu teilen, das Leid auch miteinander zu tragen und selbes gleichfalls vor dem Gesetz zu bekräftigen. Wenn auch Sie diesen aufrichtigen freien und ernsten Willen haben, darf ich Sie bitten, dazu ebenfalls mit einem deutlichen \"Ja, ich will\" zu antworten. Auf Grund Ihres nun soeben frei ausgesprochenen Ja-Wortes haben Sie nach den Vorschriften des Gesetzes Ihre Ehe geschlossen. Durch diese freie Willenserklärung sind Sie nun Mann und Frau geworden. Die Liebe glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles - die Liebe hört niemals auf. So wie diese beiden Ringe – sie haben keinen Anfang und kein Ende. Sie sind Symbol für die Ewigkeit. Möge ihre Liebe sein wie diese beiden Ringe, die sie sich heute als Zeichen ihrer Liebe schenken dürfen. Ringwechsel Ich darf Sie beide sowie die beiden Trauzeugen bitten, die Plätze wieder einzunehmen. Zur Bekräftigung dieses Aktes wurde Ihr Gelöbnis, das Sie in feierlicher Form hier abgegeben haben, in das Ehebuch eingetragen. Die hierüber errichtete Urkunde, werde ich nunmehr kurz vorlesen und bitte Sie, anschließend Ihre Unterschrift darunter zu setzen. Ehebuch Ich möchte Sie jetzt bitten, wie bereits vorher erwähnt, zur Unterfertigung an meinen Tisch zu kommen und Ihre Unterschrift zu leisten. Im Anschluss daran ersuche ich dann die Trauzeugen um Ihre Unterschrift, um den soeben geschlossenen Bund zu bekräftigen. Liebes Brautpaar X! Sie beide haben nun die Ehe geschlossen. Ich persönlich finde den Begriff \"schließen\" im Zusammenhang mit der Ehe gar nicht so passend. Das klingt nach \"abgeschlossen\", \"fertig\", \"da braucht man nichts mehr dazu beitragen!\" Sie beide wissen es sicher besser, und vor allem all jene, die heute mitgekommen sind und selbst verheiratet sind, werden das bestätigen können: Nämlich, es ist genau umgekehrt! Man muss ständig an der Partnerschaft arbeiten und immer etwas dazu beitragen! Deshalb meine ich, dass sie heute ihre Ehe \"eröffnet\" haben! Und wenn heute zahlreiche Geschwister, Eltern, Verwandte und Freunde mit ihnen zusammen diesen Festtag begehen, so möge dieser Kreis, aus dem sie heute heraustreten, ihnen künftig auch immer wieder eine Heimat bedeuten, und möge das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu ihren Familien sie lehren, dass wir nie für uns allein leben, sondern eng verwachsen sind mit allen anderen, die unser Schicksal teilen. Möge so in ihnen die Kraft erwachsen, eine Ehe zu führen, die ihnen eine gesunde Zukunft, Glück und Zufriedenheit sichert. Ich bin der Ansicht, es gibt nur wenige Dinge im Leben, die eine gefestigte Partnerschaft so beeinflussen können, wie Kinder. Vermutlich ist es ihnen auch so ergangen und ihre Beziehung zueinander hat sich durch die zusätzliche Verantwortung, die sie mit ihrem Kind X übernommen haben, verändern. Hinzu kommen noch die Sorgen über die Gesundheit des Nachwuchses, über die Zukunft und Erziehung, aber auch darüber, für die Partnerin bzw. den Partner nicht mehr genügend Zeit zu haben. Aber weit mehr wird ihre Partnerschaft dann positiv bereichert, indem Sie sich über die Entwicklung ihres Kindes freuen können und das Familienleben genießen. Das Faszinierende bei Kindern ist ihre Natürlichkeit und Ehrlichkeit, sie verstellen sich nicht und kennen keine Falschheit. Ihre Spontanität überrascht uns immer wieder, und es ist erstaunlich, wie schnell sie sich auch für unwichtige Dinge begeistern können. Ich glaube, wir Erwachsenen sollten einmal darüber nachdenken, wie unsere Gesellschaft aussehen würde, wenn wir uns etwa beim Umgang mit den Mitmenschen von der ungezwungenen, spontanen und natürlichen Art der Kinder stärker beeinflussen lassen würden. Ich möchte heute zum Abschluss eine kurze Geschichte vorlesen, die ihnen ein paar Gedanken für den gemeinsamen Lebensweg mitgeben soll: Am Vorabend ihrer Trauung stand eine junge Frau mit ihrer Mutter am Strand. Sie betrachteten die Sonne, die langsam im Meer versank. Da fragte die junge Frau ihre Mutter: Mutter, mein Vater liebt dich und er ist dir immer treu geblieben. Was muss ich tun, damit mein Mann mich immer liebt? Die Mutter schwieg und dachte nach. Dann bückte sie sich und füllte ihre Hände voll Sand. So stand sie bei der Tochter. Ohne etwas zu sagen, streckte sie eine Hand aus und presste ihre Finger immer fester zusammen. Der Sand begann aus ihrer Hand zu rieseln. Je krampfhafter sie ihre Hand zusammenballte, desto schneller rieselte der Sand heraus. Als sie schließlich ihre Hand öffnete klebten nur noch ein paar feuchte Sandkörner an ihren Handballen und ihren Fingern. Aber die andere Hand hatte die Mutter offen gelassen, wie eine kleine Schale. Darin blieben die Sandkörner liegen. Sie glänzten im Licht der sinkenden Sonne. Das ist meine Antwort, sagte die Mutter leise! In diesem Sinne schließe ich nun ihre Trauung. Erinnern sie sich immer wieder gerne an ihr heutiges Versprechen, nehmen die frohe Stimmung und die gute Laune des heutigen Tages mit auf ihren gemeinsamen Lebensweg und beginnen sie mit dieser Stunde eine gute, harmonische und vor allem glückliche Ehegemeinschaft! Das wünscht ihnen ihre Standesbeamtin!
 
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