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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (90)
Sehr geehrtes Brautpaar,
nachdem wir nunmehr die zur standesamtlichen Eheschließung gehörenden Formalitäten hinter uns gebracht haben, beginnend mit der vor einiger Zeit erfolgten Anmeldung, schließend mit Ihrer Erklärung über die künftige Namensführung, kommen wir nun zur eigentlichen Eheschließung, also dem berühmten Ja-Wort.

Oder, wie man auch sagt, dem kleinen Wort mit der großen Bedeutung, und dies trifft ja heute in besonderem Maße zu.

Bevor Sie beide sich nun gleich das Ja-Wort geben und die Ehe miteinander eingehen, möchte ich als Standesbeamter zuvor noch einige Worte an Sie beide richten.

Durch das Eingehen der Ehe miteinander geben Sie beide ab heute Ihrer bereits bestehenden, erprobten Beziehung eine ganz neue Qualität. Juristisch gesehen schließen Sie heute einen Vertrag miteinander, einen wichtigen Vertrag mit weitreichenden Folgen, der daher auch der Beurkundung im Standesamt bedarf, und dieser Vertrag regelt ab heute Ihre gegenseitigen Rechtsverhältnisse nach den Vorschriften des bürgerlichen Rechts, er begründet eine freiwillige, rechtlich gesicherte und auf Dauer angelegte Bindung zwischen Ihnen beiden, und er stellt Sie unter den besonderen Schutz des Staates, denn Ehe und Familie sind in Art. 6 unseres Grundgesetzes mit einer besonderen Stellung fest verankert.

Neben diese wichtigen juristischen Folgen stehen aber natürlich die eigentlich noch bedeutenderen persönlichen Aspekte dieser Eheschließung. Nach reiflicher Überlegung haben Sie beide beschlossen, die Ehe miteinander einzugehen, weil Sie in jeder Hinsicht JA zueinander sagen und künftig in einer rechtlich gesicherten, nach außen dokumentierten Partnerschaft miteinander leben wollen.

Und in diesem Moment blicken Sie vielleicht zurück in die Geschichte Ihrer Beziehung, erinnern sich an die erste Begegnung, das miteinander -vertraut werden, das Wachsen von Zuneigung und Liebe und schließlich an den Moment, in dem klar wurde, dass Sie beide zusammengehören und dies durch die Ehe besiegeln wollen.

Ich denke, Sie beide haben sich auch schon Gedanken darüber gemacht, was sich denn heute ändern wird, was Sie von der Ehe erwarten und wie Sie Ihre Ehe gestalten werden, denn dass ist ab heute allein Ihre Aufgabe. Und neben dem festen Willen, einander zu heiraten, bringen Sie sicher ein ganzes Bündel an Hoffnungen und Erwartungen mit, die Sie heute zu Recht an die gemeinsame Zukunft richten.

Eigene Gedanken und Vorstellungen sind wichtig, denn Patentrezepte für eine gute Ehe gibt es nicht, die kann auch der Standesbeamte nicht anbieten; jede Ehe ist genauso individuell wie die Menschen, die sie tragen und gestalten.
Die Ehe allein als rechtlicher Rahmen einer Beziehung ist auch noch keine Garantie für Glück, denn das Glück lässt sich nicht einfach erzwingen; es will jeden Tag immer wieder aufs neue erarbeitet werden, gerade in der Ehe, und das ist ab heute Ihre schönste und vornehmste Aufgabe.
Die Ehe ist dabei eine Form der Partnerschaft, die sich durch ein besonderes Maß an Verantwortungsbewusstsein und ein ganz bewusstes Aneinanderbinden mit allen Konsequenzen auszeichnet, und daher gebührt Ihrer Entscheidung zur Ehe auch Respekt.

Nun benötigt jede Ehe, auch die Ihre, ein solides persönliches Fundament, auf dem sie sicher ruhen und wachsen kann, und so sollte Ihre Ehe von drei starken Säulen getragen werden, nämlich der Liebe, die Sie füreinander empfinden, dem Vertrauen, das Sie einander schenken, und der Treue, die Sie einander halten. Auf einem solchen sicheren Fundament wird Ihre Beziehung weiter wachsen, wird sich auch weiterhin vertiefen und damit immer unanfechtbarer werden.


Und wenn es Ihnen auch weiterhin, auch in der Ehe gelingt, sich einerseits gegenseitig durchaus gewisse Freiräume und eine gewisse Individualität zuzugestehen, andererseits immer ein möglichst hohes Maß an Gemeinschaft und Gemeinsamkeit zu finden, wenn Sie diesen nicht immer einfachen Balanceakt weiterhin erfolgreich meistern, so werden Sie in Ihrer Ehe das Glück finden, das Sie sich heute erhoffen und das wir alle, die wir Sie heute bei diesem wichtigen Schritt begleiten dürfen, Ihnen von ganzem Herzen wünschen.

Und wenn ich Ihnen auch keine echten "Patentrezepte" anbieten kann, so erlaube ich mir doch, Ihnen ein paar handfeste Tipps mit auf Ihren Weg zu geben:

1. Nehmen Sie wichtiges in Ihrer Ehe stets gebührend ernst.
2. Machen Sie aus Nebensächlichkeiten bitte niemals Schicksalsfragen.
3. Und bewahren Sie sich immer eine gute Portion Humor und Gelassenheit - dann kann nichts schief gehen!

Ich hoffe, dass Sie den heutigen Tag stets in guter und glücklicher Erinnerung behalten, dass Sie auch in vielen Jahren immer noch gern daran zurückdenken und Ihnen die Erinnerung hin und wieder einen Anstoß im Alltag geben kann, und ich wünsche Ihrer Ehe einen dauerhaft glücklichen, harmonischen Verlauf.

Und damit darf ich Sie, liebes Brautpaar, und auch die anderen Anwesenden bitten, sich zur eigentlichen Eheschließung einmal zu erheben.

 
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