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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (1.044)

Persönliche Ansprache zur Eheschließung Bevor wir gleich zum nächsten gesetzlichen Teil kommen, in dem Ich Ihnen die Frage aller Fragen stellen darf, möchte ich noch einige persönliche Worte an Sie richten: Bei unserem Gespräch vor 2 Wochen haben Sie mir erzählt, dass Sie sich seit 4 Jahren kennen und seit 1 ½ Jahren ein Paar sind. Kennengelernt haben Sie sich in XXX in der Bar „Musterbar“. Im letzten Sommer haben Sie einen „Ausflug“ in die Natur, in den Wald gemacht, wo Sie, Herr XXX mit Kerzen, Musik und einer Wildrose einen romantischen Heiratsantrag gemacht haben. Dieser Heiratsantrag hatte Erfolg, sonst säßen Sie jetzt nicht vor mir. Als ich Sie nach Ihren Gemeinsamkeiten gefragt habe, erzählten Sie, dass Sie beide neben der Malerei, eine Leidenschaft für eine bestimmt Art von Waffen haben und außerdem die Natur lieben. Wenn Sie sich in der Natur aufhalten und Sie nicht nur Augen für einander haben, haben Sie vielleicht mal auf einer Bergkuppe zwei Bäume gesehen – zwei nebeneinander stehende Bäume. Diese Bäume stehen so dicht nebeneinander, dass sich ihre Äste ineinander verzweigen. Beide schauen prächtig aus. Die Stämme sind mächtig und halten jeden Sturm aus. Jeder Baum hat genug frisches Laub für die Photosynthese. Die Äste sind dicht beieinander aber stören sich trotzdem nicht gegenseitig. Jeder Baum hat genug Freiraum, sich zu entfalten. Beide scheinen zu wissen, dass sie auch dem anderen Platz lassen müssen. Die Wurzeln sind fest im Boden verankert. Beide Bäume können reichlich Wasser aus der Tiefe zu saugen. Doch keiner kommt zu kurz, die Nährstoffe reichen für beide. Man sieht keinem Baum einen Mangel an. Würde man sich die Jahresringe ansehen, könnte man Rückschlüsse auf gute und weniger gute Zeiten ziehen. Denn natürlich spielen auch die äußeren Einflüsse eine entscheidende Rolle. Am Holz lassen sich zum Beispiel harte und milde Winter, trockene und feuchte Sommer erkennen. Wenn man das Baumpaar aus der Ferne betrachtet, hat man den Eindruck, dass ein einziger, ganz gewaltiger Baumriese auf der Kuppe steht. Wenn man allerdings näher hinschaut, sieht man, dass jeder Baum eigenständig ist und trotzdem zu einem harmonischen Gesamtbild beiträgt. Sie werden sich jetzt fragen, warum ich an Ihrem Hochzeitstag so ausführlich über zwei Bäume spreche. Ich würde mir wünschen, dass Sie sich vielleicht das ein oder andere mal an das Bild von den beiden Bäumen erinnern. Denn da gibt es einige Parallelen: Sie könnten sich z.B. an den beiden Bäumen ein Beispiel nehmen. Beide ziehen Wasser und Nährstoffe aus der gleichen Erde. Sie teilen es sich, so dass keiner neben dem anderen verkümmern muss. So sollte es auch in einer guten Ehe sein: keiner sollte sich mehr Rechte herausnehmen, es sollte gleichberechtigt zugehen. Ein Wunderwerk der Natur ist auch die in sich verästelte Baumkrone, die die Bäume von Weitem wie ein Baum aussehen lässt. Die Bäume scheinen kein Problem zu haben mit Nähe und Distanz, und mit Toleranz gegenüber dem anderen. Das Ergebnis ist sichtbare Harmonie in Form von scheinbar nur einer Baumkrone. Menschen haben es da schwerer. Es läuft nicht immer so harmonisch. Es gibt durchaus auch Missverständnisse, Unstimmigkeiten, jeder hat seine Fehler und Schwächen. Obwohl es diese Missverständnisse, Unstimmigkeiten und auch die „Macken“ des anderen gibt, gelingt es, diese Harmonie beizubehalten oder wieder herzustellen. Wodurch gelingt das? Durch Ihre Liebe zueinander. Ein sich liebendes Paar strahlt diese Harmonie und Zusammengehörigkeit auch für andere sichtbar aus. Sie möchten durch Ihr heutiges Ja-Wort ebenfalls Ihre Zusammengehörigkeit nach Außen zeigen. Sie sagten während unserem Gespräch, dass das u.a. für Sie die Ehe ausmacht. Wir Menschen erleben, auch während der Ehe, gute und weniger gute Zeiten. So wie die Bäume auf der Bergkuppe die unterschiedlichen Jahreszeiten, mit Wind und Wetter durchmachen. Würde man sich jeden einzelnen Baum näher ansehen, könnte man Rückschlüsse auf schlechte und gute Zeiten ziehen. Denn natürlich spielen auch die äußeren Einflüsse eine entscheidende Rolle. Wir Menschen sind ja ebenfalls äußeren Einflüssen ausgesetzt die einen formen. Durch diese Einflüsse bilden sich manchmal „harte Schalen“ unter denen sich ein „weicher, liebevoller Kern“ verbirgt. Diese liebevolle Art und der gefestigte Charakter von Herrn XXX sind Eigenschaften, die Sie, Frau YYY an ihm mögen. Auf die Frage, was Sie, Herr XXX an Ihr schätzen, antworteten Sie, dass es ihre sanftmütige, geduldige Art ist und ihre Leidenschaft für etwas zu kämpfen. Heute beginnen Sie Ihre Ehe und für die lohnt es sich ebenfalls zu kämpfen. Auch dann, wenn die Zeiten mal nicht so gut sind, ist dieser gemeinsame Weg mit dem Gefühl gepflastert, sich aufeinander verlassen zu können, für den anderen da zu sein und natürlich mit ganz viel Liebe. Sie erzählten mir, dass Sie Instrumente spielen, somit die Musik lieben.... Manche Musikstücke können mitten ins Herz treffen. So wie die Liebe auch – wenn sie trifft, dann mitten ins Herz. Liebe ist Musik, die bei den Menschen neue Töne zum Klingen bringt. Liebe lässt bei den Menschen, die sich lieben, dieselben Saiten anschlagen. Sie beide, liebes Brautpaar, hat die Liebe dazu bewogen, Ihr künftiges Leben als Ehepaar zu führen. Dabei werden Sie sowohl harmonische Tage erleben als auch Stunden, in denen Dissonanzen ertönen. Doch so wie in der Musik die Melodien wieder zueinander finden, so wird sich auch in Ihrer Ehe durch Ihre Liebe immer wieder ein neuer Gleichklang finden lassen. Liebe ist der Grund, eine Ehe einzugehen, und sie ist das Fundament, das eine Ehe, auch über alle Dissonanzen hinweg, sicher trägt. Liebe bedeutet auch, die Wünsche des anderen wichtig zu nehmen und füreinander da zu sein; Liebe bedeutet, zuzuhören, Anteil zu nehmen, zu trösten, zu beschenken – und noch vieles mehr. Erinnern Sie sich noch an die Bäume auf der Bergkuppe? Ich möchte nochmal auf diese Beiden zu sprechen kommen: Wir bewundern alte Bäume mit vielen Jahresringen, wir bewundern auch Ehen, die lange halten. Vielleicht wird Ihnen dieses Bild von den beiden Bäumen auf der Bergkuppe, die wie ein Baum aussehen und sich perfekt ergänzen und ein Leben lang nebeneinander stehen, ein wenig in Erinnerung bleiben. So wie sich die Jahresringe der Bäume harmonisch um ihren Holzkern legen, wünsche ich Ihnen, dass zahlreiche glückliche Ehejahre aufeinander folgen. Um nun Ihr JA zum Beginn Ihres gemeinsamen Lebensweges laut und deutlich von Ihnen zu hören, bitte ich Sie, sich von Ihren Plätzen zu erheben. Nun frage ich Sie, Herr XXX, wollen Sie mit der hier anwesenden Frau YYY die Ehe schließen, dann antworten Sie mit „Ja“. Ich richte meine Frage nun an Sie, Frau YYY, ist es auch Ihr freier Wille, mit dem hier anwesenden Herrn XXX die Ehe einzugehen, dann antworten Sie ebenfalls mit „Ja“. Da Sie beide meine Frage übereinstimmend mit „Ja“ beantwortet haben, stelle ich fest, dass Sie nun kraft Gesetzes rechtlich verbundene Eheleute sind. Als sichtbares Symbol für Verbundenheit, Liebe und Beständigkeit dürfen Sie nun Ihre Eheringe tauschen.
 
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