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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (1.060)

Liebes Brautpaar, geschätzte Eltern und Verwandte, sehr geehrte Gäste, mein Name ist …… und als Standesbeamtin hier in der Gemeinde M. möchte ich euch sehr herzlich in unserem Trauungssaal begrüßen. Eine Eheschließung ist neben den sonstigen Aufgaben, die ich zu erfüllen habe, etwas ganz Besonderes, und deshalb freut es mich auch sehr, wenn ich zwei Menschen bei ihrem ersten Schritt in ein gemeinsames Leben begleiten darf. Liebe A, lieber S., der heutige ……… – euer Hochzeitstag ist für euch sicher ein ganz besonderer Tag. Es ist ein Tag, auf den ihr euch sehr gefreut habt, aber auch ein Tag, für den sehr viele Vorbereitungen und Planungen notwendig waren. Neben der Organisation eurer Hochzeit hattet ihr so ganz nebenbei in den letzten Wochen auch noch einen Umzug zu bewältigen – ihr seid ja von A. wieder nach M. umgezogen - und A. hat darüber hinaus auch noch mit einer neuen Arbeit begonnen. Ihr wohnt jetzt in einer neuen Umgebung – in einer neuen Wohnung. A. hat einen neuen Job - und zur Krönung des ganzen wollt ihr heute auch noch einen ganz neuen Lebensabschnitt beginnen. Ihr wollt euch heute in aller Öffentlichkeit versprechen, dass ihr zusammenbleiben und euer Leben miteinander teilen wollt. Ihr gebt euch das Eheversprechen durch das „Ja-Wort“. Über die Bedeutung der Ehe, insbesondere in rechtlicher Hinsicht, bedarf es wohl keiner großen Ausführungen mehr. Der Staat sieht darin einen Vertrag, der nach rechtlichen Formen verlangt und eine Reihe von Rechtsverbindlichkeiten mit sich bringt. Aber nicht nur rechtlich führt euch dieser Tag zu einem Wendepunkt in eurem Leben, ihr macht damit auch nach außen hin erkennbar, dass ihr zusammen gehört, denn ihr werdet einen gemeinsamen Namen und nach der kirchlichen Trauung auch Ringe tragen. Damit schließt ihr den innigsten Bund, den zwei Menschen schließen können. Liebe A, lieber S. gesucht und gefunden – in Liebe verbunden – mit diesem prägnanten Satz leitet ihr eure Hochzeitseinladung ein. Ich meine dazu: Einen Menschen gefunden zu haben, mit dem man sein Leben teilen möchte, gehört zu den schönsten Erfahrungen, die wir im Leben machen, genauso wie die Entscheidung, gerade mit diesem Menschen ein gemeinsames Leben aufzubauen, zu den wichtigsten Entscheidungen gehört, die wir im Leben treffen. Der Entscheidung euer Leben gemeinsam zu verbringen, sind ja schon gut zwei gemeinsame Jahre vorausgegangen. Kennen gelernt – so habt ihr mir mitgeteilt - habt ihr beide euch ja auf eine nicht ganz alltägliche Art und Weise, Bekanntschaft geschlossen habt ihr nämlich über das Internet. Dabei hat es ja am Anfang so ausgesehen, als ob aus euren Treffen nichts wird, denn das erste Date hat A. abgesagt und auch aus dem zweiten Treffen ist nichts geworden, dieses hat nämlich der S. abgesagt. Aber alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei und so hat‘s beim dritten Anlauf schließlich doch geklappt und ihr habt euch kennengelernt und irgendwie dürfte der Funke übergesprungen sein, denn schon am nächsten Tag habt ihr euch gleich wieder verabredet und so seid ihr euch dann auch näher gekommen. Schon nach zwei Wochen habt ihr gemeinsam eine Wohnung in München bewohnt und obwohl S. auch seine eigene gehabt hätte, habt ihr euch doch so zueinander hingezogen gefühlt, dass ihr den beengten Raum einer 1-Zimmer-Wohnung in Kauf genommen habt, um zusammen sein zu können. In München – so habt ihr mir erzählt – habt ihr dann gemeinsam einen Freundeskreis aufgebaut. Ich kann mir vorstellen, dass dies sicherlich eine sehr schöne Zeit für euch war, denn es gibt einem auch persönlich sehr viel, wenn man seine Freude mit anderen Menschen teilen kann. Ca. ein ¾ Jahr habt ihr zu zweit in einer 1-Zimmer-Wohnung gelebt, bevor ihr Ende 2013 schließlich nach A. umgezogen seid. Letztes Jahr zu deinem Geburtstag A. ist dann etwas Besonderes passiert. Eigentlich hat es ja einen kleinen Streit zwischen euch gegeben, weil S. nach einer längeren Partynacht zu spät zu deiner Geburtstagsfeier gekommen ist. Als Entschuldigung hatte der S. einen Blumenstrauß dabei. Du A.hat insgeheim schon so eine gewisse Vorahnung gehabt und hast geglaubt, der Simon macht dir nun einen Heiratsantrag in der Öffentlichkeit auf dem Frühlingsfest in München. Vor allen Leuten ist der Heiratsantrag nicht gekommen, gemacht hat ihn S aber doch. An ihrem Geburtstag im vergangenen Jahr hast du S., A. schließlich gefragt, ob sie dich heiraten möchte und du, A., hast „Ja“ gesagt. Und dieses Ja ist der Grund, dass wir heute hier zusammen sitzen und mit einem Ja zueinander werdet ihr beide eure Verbindung zueinander auch heute noch einmal besiegeln. Manche Menschen mögen so eine Internetbekanntschaft vielleicht als etwas ungewöhnlich empfinden. Ich meine aber, dass es eigentlich doch ganz egal ist, wo der Funke gelegt wird, der das Feuer entfacht. Ob das beim Fortgehen ist, beim Einkaufen oder am Arbeitsplatz – oder eben im Internet. Wenn sich zwei Menschen treffen, und sich zum ersten Mal beim Sprechen gegenseitig in die Augen sehen können und sich dann noch sympathisch finden, ist der Grundstein gelegt. Wenn sich abzeichnet, dass der andere Mensch nicht nur beim ersten sondern auch beim Dritten Date noch interessant ist, dann stehen die Chancen gut, dass sich daraus eine echte Beziehung entwickelt. Wie wir gehört haben, lebt ihr beide nun ja schon eine geraume Zeit miteinander, und das in der Vergangenheit mitunter auf engstem Raum – in einer 1-Zimmer-Wohnung. In dieser Zeit seid ihr euch immer mehr vertraut geworden und ihr habt das Wesen des anderen mit all seinen kleineren oder größeren Fehlern und Schwächen kennen gelernt. Wahrscheinlich habt ihr festgestellt, dass jeder auch seine Ecken und Kanten hat. Victor Hugo hat einmal gesagt: „Es gibt nichts Schöneres, als geliebt zu werden, geliebt um seiner selbst willen oder vielmehr: trotz seiner selbst. Ich wünsche euch, dass ihr immer mit Respekt aufeinander zugeht und euch gern habt, auch trotz euer Fehler und Schwächen. Denn genau die kleinen Eigenheiten sind es ja, die jeden Menschen zu etwas Besonderem machen. Und oftmals ist am besten, diese Eigenheiten, ja diese Ecken und Kanten des anderen einfach mit Humor zu nehmen, denn nichts verbindet zwei Menschen so sehr wie ein gemeinsames Lachen. Glücklich ist eine Ehe dann, wenn jeder der beiden so unvollkommen sein darf wie er ist und sich dennoch so sehr geliebt und angenommen weiß, als wäre er vollkommen. In den Jahren, die ihr gemeinsam verbracht habt, habt ihr ja auch schon einige Veränderungen durchlebt. Und so wird es auch in Zukunft sein, dass sich im Laufe der Zeit manches verändert. Neue Ziele eröffnen sich, und Schwerpunkte verlagern sich. Ihr werdet nicht jeden Tag genau der gleichen Meinung sein, aber unterschiedliche Ansichten machen ein Miteinander oft erst spannend. Harmonie bedeutet nicht Gleichklang, sondern Zusammenklang. Das Geheimnis einer glücklichen Beziehung liegt auch in der Gabe, offen über alles reden zu können und Meinungen auszutauschen, ohne den anderen zu verletzen, denn Auseinandersetzungen beschädigen eure Liebe nicht, sie geben ihr eine neue Tiefe. Jede Partnerschaft hat ihren Alltag, mit seinen Herausforderungen. Diese gilt es, gemeinsam zu meistern. Damit euch das gelingt, ist es wichtig, dass ihr einander zuhört und ein offenes Ohr und ein offenes Herz für die Argumente eures Partners habt. Denn Vertrauen zueinander und Achtung voreinander machen die Basis einer gelungenen Ehe und einer glücklichen Beziehung aus. Das wichtigste aber, das, was eine Ehe erst wirklich gedeihen lässt, was einer Ehe erst wirklich Kraft verleiht – das ist die Liebe. Die Liebe sorgt am Anfang einer Beziehung für das berühmte Kribbeln im Bauch, sie schenkt ein Gefühl der Geborgenheit, und sie entwickelt sich im Laufe der Jahre zu einer Empfindung tiefer Zusammengehörigkeit. Die Liebe gibt beiden die Gewissheit, stets füreinander da zu sein. Wer sich liebt, ist bereit, in allen Phasen des Lebens zueinander zu halten sowie Freude und Leid miteinander zu teilen. In schönen Zeiten spürt man die Liebe ohnehin, in traurigen Zeiten hingegen fühlt man sich leicht missverstanden oder gar verloren. Doch gerade dann reicht oftmals schon eine kleine Geste, ein liebevoller Blick, eine Umarmung, um dem Partner oder der Partnerin zu zeigen: Ich halte zu dir, du kannst dich auf mich verlassen. Lieben heißt auch, Fehler zu verzeihen, den anderen so zu akzeptieren wie er ist, ohne ihn ändern zu wollen. Lieben heißt, die Wünsche und Bedürfnisse des anderen zu erkennen und ihnen entgegen zu kommen. Der argentinische Autor Jorge Bucay hat in einem seiner schönsten Texte - „Ich will“ - die ideale Einstellung zur Liebe folgendermaßen formuliert: Ich will, dass Du mir zuhörst, ohne über mich zu urteilen; Ich will, dass Du mir Deine Meinung sagst, ohne mir Ratschläge zu erteilen; Ich will, dass Du mir vertraust, ohne etwas zu erwarten; Ich will, dass Du mir hilfst, ohne für mich zu entscheiden; Ich will, dass Du für mich sorgst, ohne mich zu erdrücken; Ich will, dass Du mich siehst, ohne Dich in mir zu sehen; Ich will, dass Du mich umarmst, ohne mir den Atem zu rauben; Ich will, dass Du mir Mut machst, ohne mich zu bedrängen; Ich will, dass Du mich hältst, ohne mich festzuhalten; Ich will, dass Du mich beschützt, aufrichtig; Ich will, dass Du Dich näherst, doch nicht als Eindringling; Ich will, dass Du all das kennst, was Dir an mir mißfällt, dass Du es akzeptierst, versuch es nicht zu ändern; Ich will, dass Du weißt, dass Du heute auf mich zählen kannst. Liebe A., lieber S., gesucht und gefunden – in Liebe verbunden, so heißt es auf eurer Hochzeitseinladung Ich wünsche euch, dass das Band der Ehe euch beide so untrennbar verbindet, dass ihr alles Schwere zusammen tragt, alles Schöne miteinander teilt, und dass ihr die Liebe zueinander nie aus euren Herzen verliert. Bevor wir nun die staatliche Trauung vornehmen, ersuche ich euch beide und die Trauzeugen aufzustehen. Nach dem geltenden Ehegesetz kommt in Österreich eine rechtswirksame Ehe nur zustande, wenn die Eheschließung vor einem Standesbeamten oder einer Standesbeamtin stattfindet. Die Ehe wird dadurch geschlossen, dass die Verlobten vor dem Standesbeamten oder der Standesbeamtin persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit erklären, dass sie miteinander die Ehe eingehen wollen. Die Erklärung darf nicht unter einer Bedingung oder Zeitbestimmung abgegeben werden. Da dem Standesamt Mehrnbach keine Ehehindernisse bekannt wurden, darf ich euch nun unter Anwesenheit zweier Zeugen fragen: Herr S., ist es dein freier Entschluss, mit der hier anwesenden Braut A. die Ehe zu schließen, dann antworte deutlich mit „JA“. Nun frage ich dich Frau A., ist es dein freier Entschluss, mit dem hier anwesenden Bräutigam S. die Ehe zu schließen, dann antworte deutlich mit „JA“. Aufgrund des freigesprochenen JA-Wortes, darf ich als Standesbeamtin der Gemeinde M. diese Ehe für geschlossen erklären. Ihr seid ab dieser Stunde rechtmäßig verbundene Eheleute. Ich denke, jetzt darf auch ein Hochzeitskuss nicht fehlen. Verlesung des Eheschließungsniederschrift, unterschreiben, Übergabe Urkunden Zum Abschluss der standesamtlichen Trauung möchte ich Euch noch ein kurzes Gedicht mit auf den Weg geben: Bei diesem Gedicht geht es um die Empfindung, die überhaupt Das Gedicht heißt: Eine Liebeserklärung an die Liebe und stammt von Renate Eggert-Schwarten Eine Liebeserklärung an die Liebe Wenn zwei sich lieben, wenn zwei sich finden, wenn zwei bereit sind sich ewig zu binden, dann nennen die einen solch Liebe blind, weil sie selbst voller Zweifel und Misstrauen sind. Andere Menschen aber sehen darin Hingabe, Mut und Lebenssinn. Zu dieser Sorte gehört offenbar das vor uns stehende glückliche Paar. Ihr habt Euch entschieden, Ihr habt Euch vermählt, Ihr habt unter vielen einander erwählt. Ihr gabt Euch die Hand, Ihr gabt Euer Wort, Euer „Ja“ klingt noch nach wie ein schöner Akkord. Möge der Himmel, der heut voller Geigen hängt, auch in Zukunft sich strahlend zeigen, möge das Leben gemeinsam gelingen, möge Euer Akkord noch lange erklingen! Renate Eggert-Schwarten Liebe A., lieber S., In diesem Sinne schließe ich nun eure Trauung, erinnert Euch immer wieder gerne an Euer heutiges Versprechen, nehmt die frohe Stimmung und die gute Laune des heutigen Tages mit auf euren gemeinsamen Lebensweg und beginnt mit dieser Stunde eine gute, harmonische und vor allem glückliche Ehegemeinschaft. Dazu möchte ich euch alles Gute wünschen und meine herzlichsten Glückwünsche aussprechen. Verabschiedung !!
 
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