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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (1.072)

(Vorher: Frage nach „Ringwechsel“) Sehr geehrte Frau X! Sehr geehrter Herr Y! Wie vereinbart, sind Sie heute ins Rathaus gekommen und ich freue mich mit Ihnen über diesen – I h r e n - besonderen Tag. Auch für mich ist es heute ein ganz besonderer Tag, denn ich führe heute zum ersten Mal eine standesamtliche Trauung durch und ich hoffe Sie haben Verständnis, wenn ich noch etwas aufgeregt und nervös wirke. Wie ich sehe, haben Sie auch Gäste mitgebracht - (und) – Ihre Trauzeugen- , die mit mir zusammen für die rechtliche Begleitung Ihrer Eheschließung sorgen. Sie alle begrüße ich recht herzlich. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir bei der Anmeldung der Eheschließung überprüft, ob die rechtlichen Voraussetzungen für Ihre heute vorgesehene Eheschließung gegeben sind. Hier gab es keine Zweifel. Ich muss jedoch noch einmal nachfragen, ob sich seit diesem Tag irgend etwas in ihren persönlichen Verhältnissen verändert hat Nein - Gut. Dann kann ich fortfahren und möchte hiermit nur noch einmal das Thema „künftige Namensführung“ ansprechen. Bei der Anmeldung der Eheschließung wurden Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten der Namensführung besprochen. Sie haben sich bereits entschieden, den Namen „X“ als Ehenamen zu führen. Ist es bei diesem Entschluss geblieben? Liebes Brautpaar! An Ihrem Hochzeitstag soll es nun nicht so bürokratisch zugehen. Ich werde, bevor ich zum wesentlichen Teil der Eheschließung komme, ein paar persönliche Worte an Sie richten. Es ist für mich nicht ganz leicht, für Menschen, die ich nicht näher kenne, die passenden Worte zu finden. Es soll ein kleiner „Versuch“ sein. Doch Sie werden hier von mir kein Patentrezept für eine gute Ehe erhalten, und sicher haben Sie dies auch gar nicht erwartet. Wir haben uns heute hier eingefunden, weil Sie beide - liebes Brautpaar - zueinander gefunden haben. Sie haben zusammen eine neue Phase in Ihrem Leben begonnen und wollen dies heute mit Ihrem Jawort besiegeln. Für Ihren Hochzeitstermin haben Sie sich eine besonders schöne Jahreszeit ausgesucht: Den Frühling. Die Natur lebt auf, alles grünt und blüht, die Sonnenstrahlen haben wieder eine wärmende Kraft. Und auch die Menschen fühlen sich wie neu belebt. Kein Wunder also, dass der Frühling schon seit langem als Zeit der Liebe angesehen wird und glückliche Paare gern zu diesem Zeitpunkt heiraten. Sie möchten die Ehe, die ihnen viel bedeutet und von der sie sich viel versprechen, auch in einer schönen Jahreszeit beginnen. Denn ein guter Anfang ist das halbe Glück. Und für einen guten Anfang steht (nicht nur ein strahlender Sonnentag wie der heutige, sondern auch) eine Jahreszeit, in der die Menschen zuversichtlich nach vorn schauen. Wenn im Frühling alles grünt und blüht, dann glaubt jeder an einen neuen Anfang, dann hat jeder das Gefühl, dass sich nun alles zum Besseren wendet. Jeder sieht hoffnungsfroh in die Zukunft und ist voller Tatendrang, etwas Großes zu leisten. Wir sehen dann lauter sonnige Tage vor uns, sind voller Hoffnung für die gemeinsame Zukunft, und es drängt uns, das Leben gemeinsam anzupacken und viel aus ihm zu machen. Heute steht nun eine ganz wichtige Entscheidung in Ihrem Leben an. Sie leben bereits eine Weile zusammen mit X und ihrem gemeinsamen Sohn, dem X, und wollen nun auch vor dem Gesetz als Paar gelten und nach außen eindeutig dokumentieren, dass Sie als Paar verbunden sind und dass Sie und Ihre Kinder zusammengehören. Diese Entscheidung hat sicher etwas mit einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl zu tun. Denn in unserer Zeit ist es ja nicht unbedingt nötig, zu heiraten. Auch wenn es noch ein paar Erleichterungen durch die Eheschließung geben mag, so steht hinter dem Heiratswillen doch der Wunsch, nach außen hin - und auch durch einen gemeinsamen Namen - zu dokumentieren, dass man als Paar und Familie zusammengehört. Sie kennen sich ja nun schon eine Zeit, haben bereits einiges miteinander erlebt und dabei erfahren, dass sie gut miteinander auskommen. Sie sind sich ihrer Gefühle sicher, sie wissen, dass sie zusammenbleiben wollen. Doch weitreichender ist die tiefe Überzeugung, die dahinter steht: Die Überzeugung, miteinander durch dick und dünn gehen zu wollen - und zu können- , die Überzeugung, sich umeinander zu kümmern und füreinander einzutreten. Diese Gewissheit verbindet zunächst zwei Menschen, die sich ineinander verlieben und gut miteinander auskommen. Dann weitet sich dieses Gefühl von Verantwortung auch auf ihre Kinder aus. Kinder haben ja ein noch stärkeres Bedürfnis nach Verlässlichkeit als Erwachsene. Sie brauchen einen verbindlichen Tagesablauf und klare Regeln. Sie brauchen Eltern, die Zeit und Verständnis für sie haben, die mit ihnen spielen und Ausflüge machen, die ihre Sorgen und Nöte anhören und ihnen bei der Lösung ihrer Probleme helfen. Nun geht es in Ehe und Familie natürlich nicht immer ganz harmonisch zu. Doch Streit gehört eben auch zum Zusammenleben, und Auseinandersetzungen zwischen den Generationen können gar nicht ausbleiben. Es geht nicht darum, immer ein Herz und eine Seele zu sein – was ja auch gar nicht machbar ist. Sondern es geht darum, das Gefühl zu vermitteln, zusammenzugehören, egal was kommt. Dieses Gefühl von Verlässlichkeit gibt Stärke, Kraft und innere Ruhe. Es hilft uns Stress oder Hektik im normalen Alltag zu verkraften und Konflikte zu bewältigen. Es vermittelt Kindern eine positive Grundeinstellung zum Leben, es gibt ihnen den Rückhalt, von dem aus sie die Welt gefahrlos entdecken können. Das harmonische Zuhause wird zu einem Ort, an dem alle auftanken und an den sich alle gern zurückziehen. Wenn Sie dazu Ihr heute schon vorhandenes Vertrauen in Ihrer Ehe aus-bauen, es vertiefen und verbreitern, bestehen Sie noch so schlimm- und aussichtslos erscheinende Situationen. Diese wohl wesentlichste Grundlage für eine Ehe gewinnt man so nach und nach - man muss sie sich vielleicht auch ein bisschen erarbeiten. Die abstumpfende Gewohnheit macht uns unempfindlich für die hohen Werte, die uns einst begeisterten. Der ständige Kampf um die alltäglichen Dinge des Lebens trüben mit der Zeit den Blick für all das Schöne, das uns umgibt. Es trübt auch oft den Blick für die Sorgen und Nöte des anderen, und wir sollten es nie vergessen, uns von Zeit zu Zeit wachzurütteln, uns zurückzuversetzen in die Zeit des ersten „Sichkennenlernens“, in der wir so gerne bereit waren, jeden Fehler zu verzeihen. In der wir Anteil nahmen an allen Dingen im Leben des anderen. Wenn zwei Menschen wissen, was sie wollen und erwarten können, haben sie die Basis für ein gutes Zusammenleben. Wenn jeder weiß, dass es Enttäuschungen geben kann, und die Ehe trotzdem wunderbar findet, sind die Voraussetzungen für eine glückliche Ehe gegeben. Ich möchte heute nicht so viele Eheratschläge geben, das steht mir in meiner Funktion als Standesbeamtin auch gar nicht zu - und ich wäre zudem nicht in der Lage, sie mit der nötigen Überzeugungskraft vorzutragen! Doch ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen in Ihrer Ehe immer gelingen möge, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Den Kurs Ihres „Eheschiffes“, um diesen Vergleich zu nennen, bestimmen Sie selbst. • Fahren Sie munter los, bei kräftiger Brise und schönem Wetter • Suchen Sie eine schützende Bucht bei Unwetter und Sturm • Steuern Sie behutsam durch Untiefen • und lassen Sie sich bei ruhiger See treiben. Ich wünsche Ihnen stets eine glückliche Hand, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Liebes Brautpaar! Das Startsignal für Ihre gemeinsame Zukunft geben Sie beide selbst. Ihre Ehe wird rechtsgültig dadurch geschlossen, indem Sie beide mir Ihr Hochzeitsversprechen abgeben. Der Bedeutung dieses Schrittes entsprechend möchte ich Sie und Ihre Trau-zeugen jetzt bitten, sich von Ihren Plätzen zu erheben. Trauformel Evtl. !!! Sie können sich nun Ihre Ringe anstecken, die auch heute immer noch ein Symbol dafür sind, dass Sie nunmehr fest verbundene Ehegatten sind. Sie dürfen nun wieder Platz nehmen. Ihr gegenseitiges Versprechen wollen wir nun urkundlich festhalten. Ich habe folgende Niederschrift vorbereitet, welche ich Ihnen noch einmal vorlesen möchte. Hören Sie gut zu, ob ich alle Angaben auch richtig eingetragen habe. Niederschrift über die Eheschließung Wenn alles so stimmt darf ich Sie bitten diesen Heiratseintrag zu unterschreiben. Liebe Frau X, lieber Herr Y, Sie sind nun ab heute ein Ehepaar, aber Sie sind zugleich auch eine kleine Familie. Ich wünsche Ihnen persönlich für Ihre Zukunft alles Gute und überbringe Ihnen hiermit auch gleichzeitig die Glückwünsche unseres Bürgermeisters. Seien Sie sich gute und verlässliche Partner auf Ihrem nun gemeinsamen Weg. Herzlichen Glückwunsch!
 
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