logout
TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (1.074)

Liebes Brautpaar, lassen Sie mich heute Ihre Traurede mit einer kleinen Geschichte beginnen. Es war einmal ein Gärtner. Der konnte sich nicht entscheiden, ob er die Frau, die er liebte, nun heiraten sollte oder nicht. Eigentlich sprach nichts dagegen. Er fühlte sich in ihrer Nähe wohl, konnte mit ihr sowohl ernsthafte Gespräche führen, als auch lachen, war für gemeinsame Kinder offen und wollte mit ihr zusammen alt werden. Aber natürlich beinhaltete ein lebenslanges „JA“ auch gewisse Risiken. Jeder kam aus einem anderen Elternhaus und würde manches in die Ehe einbringen, das zu einem Streit führen konnte. Auch änderten sich viele Menschen im Laufe der Zeit. Was wäre, wenn sie sich auseinander lebten ? Würde ihre Liebe diesen Belastungsproben standhalten können ? Grübelnd stand der junge Gärtner beim Rosenbeet und kam zu keiner befriedigenden Antwort. Da näherte sich ein alter Mann, der für seine Frau einen Rosenstock kaufen wollte. Der Gärtner wusste, dass dieser Mann seit vielen Jahren glücklich verheiratet war. Also bat er ihn um Rat. Doch der alte Mann war so mit dem Aussuchen des Rosenstockes beschäftigt, dass es so wirkte, als habe er die Frage überhört. Er betrachtete jede Pflanze, roch an den Rosenblüten, begutachtete die Stacheln, zählte sogar die vorhandenen Knospen und blieb schließlich vor einem Rosenstock mit unzähligen dunkelroten Blüten stehen. Der Gärtner beglückwünschte den alten Mann. „Sie haben eine gute Wahl getroffen. Dieser Rosenstock ist wirklich etwas ganz Besonderes. Der alte Mann blieb jedoch unsicher und entgegnete: Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich ihn nehmen soll. Oberflächlich betrachtet ist diese Pflanze makellos. Aber wer weiß, was sie für Wurzeln hat. Schauen Sie die kräftigen Blüten und die dicken Blätter an sagte der Gärtner. Der Rosenstock muss einen gesunden Wurzelstock haben, sonst wäre er nicht so schön gewachsen. Ja das mag stimmen, meinte der alte Mann, aber wer garantiert mir, dass der Rosenstock im nächsten Jahr auch so wunderbar wächst und blüht ? Im Moment deutet alles darauf hin, erwiderte der Gärtner. Aber das weitere Wohlergehen des Rosenstocks hängt natürlich auch von Ihnen ab. Da lächelte der alte Mann und sagte: Ebenso verhält es sich auch mit dem Partner, den man heiraten möchte. Er bezahlte den Rosenstock und ließ einen nachdenklichen Gärtner zurück, der schon bald eine wichtige Entscheidung fällen sollte. Sie beide, so wie Sie heute vor mir sitzen, haben auch diese – im Leben doch sehr wichtige - Entscheidung getroffen. Sie sind heute zusammen mit Ihrer Familie und Ihren Freunden hierher gekommen, um sich das Ja-Wort zu geben. Ob Sie sich Ihre heutige Entscheidung auch so schwer gemacht haben wie der junge Gärtner weiß ich nicht. Gedanken haben Sie beide sich jedoch sehr wohl gemacht. Gedanken wie Ihre Liebe und Ihre Ehe aussehen soll, welche Entwicklung Sie nehmen soll. Gedanken, ob sie beide zusammen passen, gut harmonieren und ob Ihre gemeinsame Liebe für den Rest des Lebens ausreichend sein wird. Grundvoraussetzung für eine Ehe ist die Liebe. Weitere Voraussetzungen, die gleichfalls sehr wichtig sind, sind Vertrauen, gemeinsame Interessen, gemeinsame Ziele und Wertvorstellungen und gemeinsame Träume. Dies sind die besten Voraussetzungen, dass ihre Ehe gelingen mag. Ich glaube, dass Sie beide diese Voraussetzungen mitbringen. Aber genau wie der alte Mann es dem jungen Gärtner erklärt hat, sind sie beide für ihr beider Wohlergehen verantwortlich. Sie beide müssen dafür sorgen, dass Ihre gemeinsam Liebe nicht zum erliegen kommt, dass Ihnen beiden nicht die Worte ausgehen und sie nicht verstummen. Denn das Leben besteht ja nicht nur aus schönen Tagen, sondern hält auch oftmals negative Überraschungen für uns bereit, die uns manchmal ganz eiskalt erwischen und uns auf eine Bewährungsprobe stellen. Diese schwierigen Zeiten kann man jedoch mit einem Partner an seiner Seite überstehen. Mit einem Partner, von dem man weiß, dass man sich auf ihn verlassen kann. Der für einen da ist, wenn es einem schlecht geht, der einem zuhört und mit einem spricht oder einen einfach nur in den Arm nimmt und tröstet. Im alltäglichen Leben ist es nicht immer einfach, sich Zeiten zu nehmen, um die Liebe zu pflegen. Ich wünsche Ihnen jedoch, dass Sie beide sich diese Auszeiten immer wieder bewusst nehmen.
 
zurück zur Übersicht