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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (98)
Liebes Brautpaar, sehr geehrte Gäste,

ich begrüße Sie ganz herzlich hier in unserem Trausaal. Sie beide möchten Ihren weiteren Lebensweg gemeinsam beschreiten, denn Sie haben in Ihrem Partner beziehungsweise Ihrer Partnerin den Menschen gefunden, mit dem Sie glücklich sind und mit dem Sie die Freuden und Sorgen des Lebens teilen können und wollen.

Der Wunsch nach einer solchen Lebensgemeinschaft ist gerade in unserer Zeit von großer Bedeutung. Schließlich ist die Gegenwart davon geprägt, daß in den zwischenmenschlichen Beziehungen eine gewisse Kälte herrscht, daß vor allem danach gefragt wird, wie gut man funktioniert, und daß vieles unsicher geworden ist. Da braucht man als Gegengewicht einen Menschen, bei dem man Wärme und Verständnis, Sicherheit und Rückhalt findet.

Doch der Wunsch nach einer solchen Lebensgemeinschaft ist natürlich auch uralt. Schon bei dem römischen Philosophen Seneca, der im ersten Jahrhundert nach Christus lebte, findet sich das Lob eines Anteil nehmenden Menschen, in dem vielleicht auch Ihre Vorstellung von Partnerschaft zum Ausdruck kommt. Es lautet wie folgt:

Welch köstlicher Schatz ist ein Herz, dem du sicher jedes Geheimnis anvertrauen kannst, dessen Mitwissen du weniger fürchten mußt als das eigene,
dessen Wort deinen Kummer lindert,
dessen Rat deine Pläne fördert,
dessen Heiterkeit deine Trauer verscheucht,
dessen bloßer Anblick schon dich beglückt!

Was hier gepriesen wird, ist eine enge Lebensgemeinschaft, die auf Vertrauen und Verständnis, auf Zuneigung und Anteilnahme beruht und die wesentliche Bedürfnisse eines jeden Menschen erfüllt. Menschen, die ein solches Herz gefunden haben, haben somit das Glück gefunden.

Denn sie haben zum einen jemanden gefunden, dem sie voll und ganz vertrauen können. Sie können über alles mit dem anderen reden, weil er ihre Geheimnisse bewahrt und ihre Schwächen und Ängste nicht preisgibt. Der andere wird sie akzeptieren, wie sie sind, und für alles Verständnis aufbringen.

Des weiteren wird es in einer solchen Beziehung darum gehen, Anteil an den Plänen und Zielen des anderen zu nehmen. Man kann sich gegenseitig beraten und unterstützen - vielleicht um beruflich weiterzukommen oder auch um gemeinsame Ziele zu verwirklichen.

Man hat zudem jemanden gefunden, der für einen da ist, wenn man Sorgen hat oder sich bedrückt fühlt. Was ja gerade in Zeiten, in denen man immer gut drauf sein soll, sehr wichtig werden kann. Es gibt also jemanden, der zuhört, wenn man Sorgen hat, der sich bemüht, mit einem Probleme zu lösen, der einen tröstet und aufmuntert. Vielleicht allein schon durch seine Gegenwart. Denn dieser andere ist ja der Mensch, mit dem man zusammen sein möchte und dessen Anblick manchmal schon reicht, um einen froh zu stimmen. Allein das Zusammenleben mit einem Menschen, der einem viel bedeutet, liefert ja ein Gegengewicht zu den Problemen, mit denen man es sonst zu tun hat. Denn mit dem anderen fühlt man sich wohl, und im Zusammensein findet man Rückhalt und Stärkung, um sich auch wieder der Außenwelt zu stellen. Und so wie man Sorgen miteinander teilen will, so will man auch - und vielleicht vor allem - die schönen Stunden des Lebens miteinander teilen beziehungsweise sich gegenseitig bereiten. Denn der andere ist ja der Mensch, der einen glücklich macht und den man selber glücklich machen möchte.

Wenn man einander vertraut und Freuden sowie Sorgen miteinander teilt, dann wird die Bindung immer enger werden. Man wird in der Ehe einen köstlichen Schatz gefunden haben, der einen das Leben besser bewältigen läßt sowie Glück und Zufriedenheit schenkt.

Um Ihre Ehe nun zu schließen, bitte ich Sie, sich von den Plätzen zu erheben. Ich frage zuerst Sie, Herr ... (Vor- und Familienname): Ist es Ihr freier und eigener Entschluß, mit der hier anwesenden Frau ... (Vor- und Familienname) die Ehe einzugehen, dann antworten Sie mit "Ja\". Wollen auch Sie, Frau ..., aus freiem und eigenem Entschluß mit dem hier anwesenden Herrn ... die Ehe eingehen, dann antworten auch Sie mit "Ja\".

Da Sie beide meine Frage übereinstimmend mit "Ja\" beantwortet haben, stelle ich fest, daß Sie nunmehr kraft Gesetzes rechtmäßig verbundene Eheleute sind.



 
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