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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (109)

Sehr geehrtes Brautpaar! Werte Trauzeugen und Gäste!

Ich begrüße Sie sehr herzlich zur standesamtlichen Trauung von Herrn und Frau !


Sehr geehrte Frau , sehr geehrter Herr !

Über die Ehe gibt es viele Sprüche, die sich mit dem Problem des Zusammenlebens der Ehepartner beschäftigen. Der amerikanische Schauspieler Woody Allen hat jedoch die Ehe in einer sehr humorvollen Betrachtungsweise wie folgt charakterisiert:

Die Ehe ist der Versuch, zu zweit mit Problemen fertig zu werden,
die man alleine nie gehabt hätte.

Damit wird aufgezeigt, dass die Eheschließung zwar in erster Linie den Schritt ins große Glück bedeutet, dieser Schritt aber, bei ehrlicher Einschätzung, in der weiteren Folge auch einmal mit dem einen oder anderen Problem, mit der einen oder anderen Herausforderung verbunden sein kann. Sie sehen Ihrem Eheleben mit Realismus entgegen und haben sich daher bestimmt schon überlegt, wie sie Ihre Partnerschaft gestalten wollen. Ich erwähne ein paar Faktoren, die mir persönlich in diesem Zusammenhang als wesentlich erscheinen.








Eine wesentliche Grundlage für eine glückliche und funktionierende Partnerschaft ist die Gesprächsbereitschaft.
Manche Menschen verstehen unter Gesprächsbereitschaft in der Ehe, dass sie jederzeit bereit sind ihre Probleme mitzuteilen. Sie übersehen dabei, dass ein Gespräch den Willen voraussetzt, sich gegenseitig auch zuzuhören. Damit kann aber nicht ein lediglich oberflächliches Anhören gemeint sein, sondern es kommt auch auf das Bemühen an, tatsächlich verstehen zu wollen, was im Partner oder der Partnerin vorgeht.

Ich bin davon überzeugt:
Es ist ganz besonders wichtig, wenn sie als Ehepartner in den so genannten guten Zeiten miteinander reden und durch ehrliches Hinhören an der Freude Ihres Partners bzw. Ihrer Partnerin teilhaben können. Wie Sie sicherlich wissen gestaltet dieses Tratschen die Gesprächskultur in Ihrer Beziehung sehr positiv.
Die Erfahrung zeigt, erst wenn man gewohnt ist, über belanglose Dinge zu reden, wird es gelingen, auch im Gespräch zu bleiben, wenn der sprichwörtliche Haussegen einmal nicht gerade hängt.
So können Sie ein sinnvolles Lebensziel erreichen, nämlich nicht stumm nebeneinander zu leben, sonder durch regen Gedankenaustausch Ihre Partnerschaft positiv und miteinander zu gestalten.






Eine wesentliche Grundlage für das Gelingen Ihrer Ehe ist, dass Sie als Ehepartner einig werden nicht mit gleich werden verwechseln. Oberflächlich betrachtet könnte man meinen, beide Begriffe bedeuten in etwa dasselbe.
Sie stimmen sicher zu, dass gleich werden auch anpassen oder sich unterordnen bedeuten kann. Egal, ob sich ein Partner die Unterordnung des anderen erwartet oder ob ein Partner von sich aus versucht, sich bedingungslos anzupassen, das Ergebnis ist immer das gleiche: die Eigenständigkeit und Selbständigkeit gehen verloren. Aber gerade unterschiedliche Anschauungen und verschiedene Charaktere machen eine Ehe auf Dauer erst interessant.

Im Gegensatz dazu wird jeder vernünftige Mensch die Einigkeit als eine wichtige Grundlage für eine harmonische Beziehung bezeichnen. Soweit ich das abschätzen kann, könnte Einigkeit für Sie beide zum Beispiel folgendes bedeuten:

Immer wieder zusammenfinden, zusammenhalten,
zusammengehören, zusammenbleiben usw.

Diese Aufzählung ließe sich noch beliebig fortsetzen.
Ihnen ist jedoch auch bewusst, dass sie in Ihrer Ehe bei Meinungsverschiedenheiten mitunter zusammenstoßen werden. Nach solchen Zusammenstößen müssen sie sich zusammenraufen, um einen für beide annehmbaren Kompromiss zu erzielen. Einige Leute sagen sogar spöttisch, man müsse in der Ehe manchmal die Zähne zusammenbeißen. Wichtig ist letztlich nur, Ihre Beziehung, Ihre Liebe zueinander nicht zusammenbrechen zu lassen.


Ein weiterer wichtiger Punkt für Ihre Ehe besteht möglicherweise darin, die persönliche Freiheit des Partners bzw. der Partnerin nicht einschränken zu wollen. Manche Menschen versuchen nämlich nach der Eheschließung, den anderen zu verändern und zu vereinnahmen.
Sie sind mit mir aber sicher einer Meinung, wenn ich sage: "Die Ehepartner sollen so bleiben wie sie sind!" Gerade die daraus resultierende Verschiedenheit, die Gegensätzlichkeit, führt letztlich zur Einheit; einer Einheit, in der jeder von Ihnen genügend persönlichen Freiraum hat.
Diese Einstellung ist aber im Grunde genommen nichts anderes als das, was ganz allgemein Liebe genannt wird. Nämlich, wenn Sie beide zueinander sagen: \"Sei wie du bist, dann ist alles gut!"

Alle diese Gedanken die ich jetzt erwähnt habe sind in einem Gedicht, das den Titel "Dumm" trägt, sehr treffend zusammengefasst:

Es wäre dumm ein Herz und eine Seele zu werden
Wenn wir miteinander doch zwei von jedem haben können.

Ich wünsche Ihnen:

Werden Sie zwei Herzen und zwei Seelen in einer glücklichen Ehe!

Ich komme jetzt meiner gesetzlichen Aufgabe nach und stelle fest, dass sie alle Voraussetzungen für das Zustandekommen einer rechtsgültigen Ehe erfüllt haben und ersuche Sie, sich zur Abgabe Ihrer Erklärungen von den Plätzen zu erheben.






Ich frage Sie, Herr , wollen Sie aus eigenem und freiem Willen die Ehe mit Frau eingehen, dann antworten Sie bitte mit "Ja". PAUSE

Ich frage auch Sie, Frau wollen Sie aus eigenem und freiem Willen die Ehe mit Herrn eingehen, dann antworten Sie bitte mit "Ja". PAUSE

Nachdem Sie nun vor Ihren Zeugen erklärt haben, die Ehe miteinander einzugehen, spreche ich aus, dass Sie von nun an rechtmäßig verbundene Eheleute sind.

Ich darf Sie nun bitten den Ringwechsel als äußeres Zeichen Ihrer Verbundenheit vorzunehmen.

Ich darf Ihnen jetzt die Eintragung im Ehebuch vorlesen und ersuche Sie diese im Anschluss zu unterfertigen.














Sehr geehrtes Ehepaar!

Sie haben nun die Ehe geschlossen. Ich persönlich finde den Begriff schließen im Zusammenhang mit der Ehe gar nicht so passend. Das klingt nach abgeschlossen, fertig, da ist nichts mehr beizutragen, da braucht man nichts mehr tun! Sie beide wissen es sicher besser, und viele verheiratete Paare werden das bestätigen können:
Es ist nämlich genau umgekehrt! Man muss ständig an der Partnerschaft arbeiten und immer etwas dazu beitragen!
Deshalb meine ich, dass Sie heute Ihre Ehe nicht geschlossen haben, nein Sie haben Ihre Ehe heute eröffnet! Ich wünsche Ihnen daher abschließend, dass Sie auch in späteren Jahren Ihre Ehe täglich von neuem so wie heute mit Liebe eröffnen und wünsche Ihnen alles Gute für Ihr gemeinsames Eheleben!!!

 
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