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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (114)

Sehr geehrtes Brautpaar!
Sehr geehrte Trauzeugen!
Liebe Anwesende!

Als Standesbeamter habe ich die freudige Aufgabe, heute diese Eheschließung zu gestalten und ich darf Sie alle recht herzlich im Standesamt ... willkommen heißen.

Heute ist für alle ein außergewöhnlicher Tag, auch für mich. Eine Eheschließung ist neben den sonstigen Aufgaben, die ich zu erfüllen habe, immer etwas Besonderes, auf das ich mich freue. Und ganz besonders freut es mich, wenn ich zwei so liebe und herzliche Menschen miteinander vermählen darf.

Dieser Tag führt nicht nur rechtlich an einen bedeutsamen Wendepunkt in Eurem Leben. Nach außen hin wird sich wohl nicht viel ändern oder für andere erkennbar werden, denn ihr habt Euch in den Jahren des gemeinsamen Zusammenlebens geprüft, die Vorzüge, aber auch die kleinen und vielleicht größeren Schwächen voneinander kennen gelernt.

Heute nun macht Ihr noch den letzten Schritt, der zu einer echten ehelichen Gemeinschaft nach dem Gesetz gehört, richtiger gesagt, Ihr gebt Euch das Eheversprechen durch das "Ja-Wort".

Ihr werdet diesen Entschluss in Kürze durch ein schlichtes einfaches Jawort ausdrücken, in dem auch Eure ganze Hoffung auf eine gemeinsame glückliche Zukunft liegt. Glück, dieses kurze unscheinbare Wort, das von den Menschen so gerne und gerade anlässlich einer Hochzeit so oft ausgesprochen wird, in das so viele Hoffnungen und Erwartungen gesetzt werden und dass jeder in seinem Leben in reichem Maße haben möchte.

Eines ist sicher - Glück steht immer mit Zufriedenheit in Verbindung, wer die Zufriedenheit gefunden hat, hat das Glück gefunden. Man könnte noch lange über die Bedeutung dieses Wortes sprechen, doch gibt es im Grunde genommen nur eine einzige Erwartung, von der alles andere abhängt. Jeder von uns möchte geliebt werden. Es trägt wohl jeder Mensch irgendwo die Sehnsucht nach einer harmonischen, nach einer glücklichen Familie in sich, auch wenn jeder weiß, wie viele Ehen in der heutigen Zeit kaputtgehen und wie viele Scherben oft zurückbleiben können.

Glück ist sicherlich ein Geschenk, das dem einen in größerem Ausmaß, dem anderen vielleicht weniger zuteil wird, aber es ist nicht nur ein Geschenk: Wir müssen es miteinander und aneinander verdienen, schon ein Sprichwort sagt: Jeder ist seines Glückes Schmied, also liebes Brautpaar, schmiedet an Eurem Glück. Ihr werdet sicher so wie alle Eheleute gute und weniger gute Tage erleben. Aber ihr werdet immer die Chance haben, miteinander zu reden, und dieses miteinander ist an den weniger guten Tagen noch viel wichtiger als an den guten.

Denn die Ehe von heute ist nicht nur wie jeder Mensch von Unglück, Trauer oder Schmerz bedroht, vielmehr haben wir Resignation, Aussichtslosigkeit, nur mehr routinemäßiges Dahinleben, kurz den berühmten Alltagstrott zu befürchten.

Dagegen kann man aber etwas tun. Eine Voraussetzung hiefür ist, jeder muss aufgeschlossen an dem teilnehmen, was den Partner berührt, bekümmert, begeistert, an seinen Hobbyfreuden genauso teilnehmen wie an seinen beruflichen Sorgen, Problemen und Erfolgen. Sich gemeinsam freuen ist genauso schön und wichtig, wie das gemeinsame Durchstehen von Problemen.

Und noch etwas: Jedes gemeinsam gelöste Problem verbindet mehr, lässt eine Beziehung neu aufleben, bringt ein Stück näher zusammen. Das Wissen, ich hab jetzt einen Menschen, dem ich alles sagen kann, dem ich auch vertrauen kann, dem ich glauben kann, wenn mich sonst niemand versteht. Das Wissen sich gemeinsam auf etwas freuen können und vielleicht auch einmal gemeinsam weinen zu können, all das macht das Glück in einer Ehe aus.

Ich weiß, all dies lässt sich hier und heute so leicht aussprechen, die Verwirklichung im Alltag ist aber oft weitaus schwieriger. Nehmt vielleicht nur noch diesen einen Satz mithinaus in Eure Zukunft und lasst ihn zum Grundsatz Eures gemeinsamen Lebens werden. Vertrauen und Achtung sind die beiden Grundpfeiler der Liebe.

Die Verbundenheit, die zwei Menschen empfinden, durchdringt den ganzen Alltag. Es ist nicht so, dass Liebe sich nur durch große Taten äußert. Ganz im Gegenteil erweist sich Zuneigung auch durch kleine Gesten: durch einen liebevollen Blick oder ein nettes Wort, durch eine kurze Berührung oder eine kleine Aufmerksamkeit. Dies alles zeigt dem anderen, wie viel er einem bedeutet; dies alles taucht den Alltag in ein anderes, helleres Licht.

Einander Kraft zu verleihen und den Alltag in ein schöneres Licht zu rücken - das sind Qualitäten, die das eheliche Zusammenleben auch heute erstrebenswert machen. Wir sehen heute hier zwei liebende Menschen, die sich auf ihre Gefühle, ihre Beziehung einlassen und ihr könnt einander viel geben. Ihr habt die Möglichkeit miteinander viel zu erreichen und miteinander Euer Glück zu finden.

Und damit kommen wir nun zum eigentlichen Teil der Eheschließung und bitte dazu das Brautpaar aufzustehen. Ich werde nun die gesetzlich vorgeschriebene Fragen an Euch richten und bitte diese mit "JA" zu beantworten.

Ich frage nun zuerst Dich ..., willst Du mit Deiner Verlobten ... die Ehe schließen, so antworte bitte mit JA.
Ich frage nun Dich ..., willst Du mit Deinem Verlobten ... die Ehe schließen, so antworte bitte mit JA.

Wir haben gehört, dass die Verlobten die Frage nach der Eheschließung mit JA beantwortet haben. Als Standesbeamter spreche ich nun aus, dass Ihr nunmehr rechtmäßig verbundene Eheleute seid!

Die Ringe sind schon alten Zeiten das Symbol für die Ehe, weil ein Ring keinen Anfang und kein Ende hat, so wie Eure gegenseitige Liebe und Zuneigung kein Ende haben soll. Als Zeichen Eurer Verbindung ersuche ich Euch, sich gegenseitig die Eheringe anzustecken.

Ich bitte Euch nun wieder Platz zu nehmen und verlese nun die Eintragung im Ehebuch:

Ich bitte um die Unterschriften, des Ehepaares und der Trauzeugen.

Liebes Ehepaar, liebe Anwesende nun ist der offizielle Teil der Eheschließung beendet, ich möchte nun als Anstoß noch ein kurzes Gedicht mit meinen persönlichen Wünschen anlässlich Eurer Hochzeit verlesen. Das Gedicht trägt den Titel "Ich wünsche Euch Zeit".

Ich wünsche Euch Zeit!

Ich wünsche Euch nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche Euch nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche Euch Zeit, Euch zu freu'n und zu lachen,
und wenn Ihr sie nützt, könnt' Ihr etwas draus machen.

Ich wünsche Euch Zeit für Euer Tun und Denken,
nicht nur für Euch selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche Euch Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche Euch Zeit, nicht nur so zum Vertreiben,
Ich wünsche, sie möge Euch übrig bleiben.
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrau'n,
anstatt nach der Zeit auf die Uhr zu schaun'n.

Ich wünsche Euch Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, zum zu reifen.
Ich wünsche Euch Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche Euch Zeit, zu Euch selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche Euch Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche Euch: Zeit zu haben zum Leben.

Ich wünsche nun dem Brautpaar alles Gute und viel Glück für die Zukunft.



 
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