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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (150)

Liebes Brautpaar!

Die Eheschließung ist zweifelsohne ein sehr wichtiges und weitreichendes Ereignis im Leben eines Menschen. Mit dem Ehevertrag den ihr heute vor mir rechtskräftig schließen wollt beginnt für euch ein neuer Abschnitt in eurem Leben.
Ihr gebt einander das Versprechen miteinander durchs weitere Leben zu gehen, Ihr wisst nicht, was Euch die ungewisse die Zukunft bringen und das gemeinsame Leben von Euch fordern wird, aber eines wisst Ihr, dass ihr in allem was Euch auch immer bevorstehen mag, Ihr einen Menschen an Eurer Seite habt, der für Euch da ist, auf den Ihr Euch verlassen könnt.
Durch das Ja-Wort übernehmen Ihr auch Verantwortung füreinander, Euer Tun und Lassen bestimmt und beeinflusst von nun an das Glück zweier Menschen.
Aus einem Ich und einem Du wird für jeden von Euch ein wir.

Es leben ca. 6 Milliarden Menschen auf dieser Erde, auf 5 verschiedenen Kontinenten.
Menschen verschiedenster Rassen, Kulturkreise und Berufsgruppen.
Menschen, die sich aufgrund der heutigen Mobilität und Flexibilität überall begegnen können, die Welt ist klein geworden.
Unter welchen Umständen ihr euch kennen gelernt habt, etwas ganz Besonderes ist mit euch geschehen.
Vielleicht bereits im ersten Augenblick - oder vielleicht auch erst nach vielen gemeinsamen Stunden.
In einer Zeit in der es "gang und gäbe" ist, einfach nur zusammenzuleben, hat dieses Besondere euch veranlasst den weiteren Weg gemeinsam zu gehen und ihr habt euch entschlossen euch vor dem Staat das Ja-Wort zu geben, die Ehe miteinander einzugehen.

Über die Ehe gibt es viele Sprüche, die sich mit dem Problem des Zusammenlebens der Ehepartner beschäftigen. Der amerikanische Schauspieler Woody Allen hat jedoch die Ehe in einer sehr humorvollen Betrachtungsweise wie folgt charakterisiert:

" Die Ehe ist der Versuch, zu zweit mit den Problemen fertig zu werden, die man alleine niemals gehabt hätte"

Damit wird aufgezeigt, dass die Eheschließung zwar in erster Linie den Schritt ins große Glück bedeutet, dieser Schritt aber, bei ehrlicher Einschätzung, in der weiteren Folge auch einmal mit dem einen oder anderen Problem verbunden sein kann.
Auch in einer guten Ehe kann es einmal eine Krise, Zeiten der Entfremdung geben.
Einerseits sind es oft die Eigenheiten des Partners, die ihn so liebenswert machen, andererseits erfordern seine Schwächen manchmal viel Geduld.
Denken Sie daran, jeder von Ihnen hat seine Fehler, und der andere die Last diese auch zu ertragen. Wenn des anderen Handlung, Unterlassung oder Wort Sie kränkt oder ärgert, sehen Sie es nicht als böse Absicht, sondern als Unzulänglichkeit, die menschlich ist, und die sich auch bei euch findet.


Andrea Schwarz hat einmal geschrieben:

Nein
ich muss nicht immer
alles an dir verstehen müssen
um dich zu mögen
und so kann ich gut darauf vertrauen,
dass du mich magst
auch wenn du mich
grad eben nicht verstehst.

Sie wollte damit vielleicht auch sagen, dass sich nur in der Achtung und Anerkennung seines Partners mit allen seinen Stärken, aber auch mit seinen Schwächen und Fehlern sich Harmonie und innerer Friede entwickeln kann und es die Aufgabe eines jeden Ehepartners ist, sich verständnisvoll in das Wesen und in die Eigenart des anderen hineinzudenken.
Vertrauen zueinander und Achtung voreinander machen die Basis einer gelungenen Ehe und einer glücklichen Beziehung aus.
Im Grunde ist es ja ganz selbstverständlich, denjenigen, den man liebt, auch zu achten und ihm zu vertrauen.
Liebe wie Achtung schließen ein, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist, also mit allen Stärken, aber auch mit allen Schwächen.
Achtung vor dem anderen schließt aber auch ein, es zu akzeptieren, wenn der andere anders denkt und handelt, als man es selbst tut, wenn er eine andere Meinung vertritt, andere Interessen oder Ziele verfolgt. Das ist schließlich auch ganz normal, denn zwei Menschen, die völlig übereinstimmen, die gibt es nicht. Vielleicht wäre das ja auch langweilig.
In einer Ehe kommen also zwei Individuen mit jeweils eigenen Vorstellungen zusammen, die bereit und fähig sind, eine gemeinsame Linie zu finden, um sich ein gemeinsames Leben aufzubauen beziehungsweise um ihr Leben miteinander zu teilen.

Und hierbei nun ist Vertrauen sehr wichtig. Denn wenn ich mein Leben mit jemandem teile, dann will ich dem anderen trauen können, dann vertraue ich im Grunde darauf, dass für den anderen die Beziehung genauso wichtig ist wie für mich selbst.
Wenn zwei Menschen einander lieben und zusammenleben, dann wollen sie einander alles anvertrauen können. Dann erwarten sie, dass der andere sie versteht und zu ihnen hält. Dann vertrauen sie darauf, dass der andere sie ernst nimmt und, wie sie selber, Zeit und Aufmerksamkeit in die Beziehung investiert.

Achtung und Vertrauen machen den Kern der Liebe aus; und die Menschen, die einander achten und vertrauen können, haben etwas Wertvolles in ihrem Leben gefunden.
Achtung und Vertrauen machen aus der Liebe etwas Dauerhaftes, etwas, das über einen ersten Eindruck und eine rasche Verliebtheit weit hinausreicht - und damit sind sie auch Garanten einer glücklichen Ehe.

Eine glückliche Beziehung zu führen heißt auch zu wissen, dass Partnerschaft nicht ohne beiderseitiges Zutun funktioniert. Sie kann für Frau und Mann nur dann erfüllt sein, wenn beide ihre Wünsche aussprechen, aber auch über Probleme offen miteinander diskutieren können. Ich glaube eine wesentliche Grundlage für eine glückliche funktionierende Partnerschaft liegt in der Gesprächsbereitschaft. Es geht dabei nicht nur darum die Probleme offen mitzuteilen, ein Gespräch setzt auch den Willen voraus sich gegenseitig zuzuhören.
Damit kann aber nicht ein oberflächliches Anhören gemeint sein, sondern es kommt auf das Bemühen an, tatsächlich verstehen zu wollen, was in dem anderen vorgeht.


Sehr geehrtes EHEPAAR!

Es wird Euch nicht immer gelingen so zu sein, wie ihr es gerne möchten. Wenn ihr Fehler und Schatten bei eurem Partner entdeckt, dann solltet ihr versuchen diese Fehler nicht überzubewerten. Lasst kein böses Wort zwischen euch beiden stehen, das einmal rasch ausgesprochen wurde, denn es frisst sich weiter wie Rost am schönsten Metall. Wenden euch in einer solchen Stimmung nicht an Andere, sondern bringt den Mut auf, das erste Wort der Versöhnung zu finden.
So werden ihr in gegenseitigem Vertrauen und erst recht in schweren Stunden näher zusammenrücken und euch gegenseitig halten.

Die Ringe, die ihr vorhin getauscht habt, sind Sinnbild des in sich Geschlossenen, der Einheit und der Treue; Sie haben keinen Anfang und kein Ende und können ohne Gewalt nicht getrennt werden - und so wünsche ich euch soll es auch in eurer Ehe sein.


 
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