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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede (6)

Am Beginn darf ich Sie zur standesamtlichen Eheschließung hier in unserem schönen Trauungssaal der Stadtgemeinde Musterort willkommen heißen.
Mein besonderer Gruß gilt natürlich dem Brautpaar Frau Musterfrau und Herrn Mustermann.
Ich begrüße weiters die beiden Trauzeugen und auch alle anderen anwesenden Gäste.
Es ist für sie heute ein bedeutender und feierlicher Anlass, der sie hierher führt – eben um zu heiraten – um die Ehe rechtlich gesichert und geordnet zu schließen.
Sie kennen einander schon eine Weile und sie haben beide beschlossen, das Leben miteinander zu verbringen und wollen von heute an den Lebensweg gemeinsam als Ehepaar zurücklegen.
Ich darf vorerst noch erwähnen, dass ich hier über den Sinn und Zweck der Ehe keine Vorschriften und keine Belehrungen erteilen möchte. Ich möchte ihnen nur ein paar Gedanken aus der standesamtlichen Eheschließung mit auf den Weg geben.
Und wenn Sie heute dieses Standesamt verlassen und nach Hause gehen, dann wünsche ich ihnen und auch mir, dass sie meine Worte nicht vergessen haben, sondern dass sie noch lange Zeit danach an diese Trauung denken.
Die Trauung ist ja in erster Linie eine Amtshandlung – auch wenn es unromantisch erscheinen mag - und hier ist eben die Gesetzgebung sehr wichtig.
Die Rechtslage ist im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch – im Eherecht – verankert.
Die Familienverhältnisse werden durch den Ehevertrag gegründet. Es ist ein ganz persönlicher Vertrag zwischen Frau und Mann, wo sie gesetzmäßig ihren Willen erklären, in unzertrennlicher Gemeinschaft zu leben und sich gegenseitigen Beistand zu leisten.
Die Ehegatten sollen ihre Lebensgemeinschaft und die Erwerbstätigkeit unter Rücksichtnahme aufeinander einvernehmlich gestalten.
Der Staat hat eben einen Rahmen vorgegeben und gibt die Form an, wie und wann eine Ehe rechtsgültig geschlossen werden kann.
Hier bei uns in Österreich kommt eine Eheschließung nur dann zustande, wenn sie von einem Standesbeamten vorgenommen wird, der den freien Entschluss der beiden Verlobten öffentlich feststellt und beurkundet. –
Wie gesagt, es ist ein ganz einfacher Rechtsakt, der eigentlich nur mehr ihr beider JA erfordert.
Ein JA zum gemeinsamen Leben, ein JA zu einer gemeinsamen Zukunft.
Mit der Unterschrift der beiden Verlobten, mit der Unterschrift der beiden Trauzeugen und letztendlich mit der Unterschrift des Standesbeamten wird der Ehevertrag dann im Ehebuch beurkundet.
Doch da wir ja alle nicht nach den Paragraphen leben, sonder nur „Menschen“ sind, sollte jeder zum Wohl der Ehe beitragen.
Jeder muss die Ehe selbst leben, selbst erleben, selbst formen.
So ist der heutige Tag – eben der Hochzeitstag – ein besonderer Tag. Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt und dies beweist allein schon die Tatsache, dass sie von heute an einen gleichen Familiennamen führen.
Die Namensführung ist ebenfalls im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch, im § 93, verankert.
Ihr Wunsch war es, den Familiennamen des Mannes als gemeinsamen Familiennamen zu bestimmen.
Aus dem ICH und dem DU wird immer öfters ein WIR. Doch hier sollte man vielleicht bedenken, dass jeder eine eigene Persönlichkeit ist und dass jeder seinen eigenen Freiraum braucht.
Es steht nämlich so schön im Buch „Der Prophet“:
Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel –
lasst Raum zwischen euch – steht zusammen und doch nicht zu nah –
denn jeder Mensch steht für sich und kann nicht im Schatten des anderen wachsen.
Sie wissen nämlich nicht, was die Zukunft bringen und was das gemeinsame Leben von ihnen fordern wird – es kommt nämlich sehr oft anders als man es sich vorstellt.
Aber eines wisst sie sicher, dass sie einen Menschen an ihrer Seite haben, der für sie da ist und auf den sie sich verlassen können.
So, es wurde festgestellt, dass sie alle Voraussetzungen für das Zustandekommen einer rechtsgültigen Ehe erfüllt haben. Ich kann daher ihre Erklärung entgegennehmen und ich bitte sie und auch die beiden Trauzeugen, aufzustehen.
Deshalb frage ich sie – Herr Mustermann wollen sie aus eigenem und freien Willen die Ehe mit Frau Musterfrau eingehen, dann sagen sie bitte JA.
Frau Musterfrau ich frage auch sie, ist es ebenfalls ihr freier Wille, die Ehe mit
Herrn Mustermann einzugehen, dann antworten auch sie bitte mit JA.
Nachdem sie beide meine Frage, ob sie die Ehe miteinander eingehen wollen, mit JA beantwortet haben, kann ich aussprechen, dass sie von nun an rechtmäßig verbundene Eheleute sind.
Der Ring ist das gemeinsame Band – Symbol der Zusammengehörigkeit und soll zu allen Zeiten erinnern, dass Liebe vielleicht mehr als nur ein Augenblick ist.
Er hat keinen Anfang und auch kein Ende und kann daher ohne Gewalt nicht getrennt werden.
Zum äußeren Zeichen der Verbundenheit und einem uralten Brauch zufolge – der übrigens aus dem 16. Jahrhundert stammt – könnt ihr die Ringe wechseln.
Ihre heutige Eheschließung wurde im Ehebuch unseres Standesamtes eingetragen. Ich darf den Eintrag vorlesen und bitte sie dann und auch die beiden Trauzeugen, diesen Eintrag zu unterschreiben.

Liebe Frau Mustermann,
lieber Herr Mustermann!
Sie beide haben nun die Ehe geschlossen, rechtlich sind sie Ehefrau und Ehemann. Somit ist die Ehe wohl geschlossen, aber noch nicht geworden.
Es liegt natürlich nur an ihnen beiden selbst, wie sie ihr gemeinsames Leben, ihre gemeinsame Zukunft gestalten werden.
Verantwortung ist sicher ein großer Teil in einer Partnerschaft. Doch für sein eigenes Leben ist man meist nur selbst verantwortlich. Natürlich trägt man auch Mitverantwortung für den Partner und für Kinder - für Freunde aber auch für Feinde, für Erfolg und natürlich auch für Misserfolg.
Denn schlechte Angewohnheiten kann man nämlich nicht aus dem Fenster werfen, sondern es bedarf harter Arbeit, sie in gute umzuwandeln.
Vielleicht sollte man in einer Ehe auch bedenken, dass man den Partner nicht verändern, geschweige denn erziehen kann.
Ihn so anzunehmen, so zu akzeptieren, wie er eben ist.
Denn es heißt so schön in einem Zitat:
„Bevor du heiratest, musst du dich vom Traumbild deines Partners trennen“!
Traumbilder, speziell in Form von Partnern, die gibt es nämlich nicht. In einer Partnerschaft gibt es eben Meinungsverschiedenheiten, es gibt Diskussionen und es gibt natürlich auch Streit.
Und deshalb sollte man stets bemüht sein, füreinander Verständnis zu haben und Fehler verzeihen zu können.
Denn Fehler erscheinen nämlich nur dann unheimlich dumm, wenn andere sie machen.
Doch jeder Mensch hat natürlich nicht nur seine Fehler, sondern wenn man genau hinschaut, natürlich auch seine Stärken . –
Aber Fehler zu kritisieren fällt uns nämlich leichter, als Stärken zu loben.
Vorallem aber sollten wir unsere eigenen Fehler eingestehen können und deshalb nichts unmögliches von einer Ehe verlangen.
Sie werden nämlich – so wie alle anderen Eheleute euch – gute und weniger gute Tage erleben, aber sie werden immer die Chance haben, miteinander zu reden. Und das Miteinander-Reden ist sicher in den weniger guten Tagen viel wichtiger, als in den guten.
Denn Sprachlosigkeit in einer Ehe, die kommt nicht über Nacht, sondern sie schleicht sich vielmehr ganz allmählich an.
Und deshalb sollten immer beide bereit sein, auftretende Probleme zu lösen.
Es freut mich natürlich, dass ich als erster gratulieren darf.
Ich wünsche ihnen beiden alles Gute für die Zukunft und dass sie nun das Glück findet, dass sie sich erhoffen und dass sie viele, viele Jahre in einer schönen Gemeinschaft verbringen.
Dass sie nicht nebeneinander, sondern immer miteinander leben.
Ich wünsche ihnen, dass sie immer ehrlich miteinander umgehen können und dass sie auch in Not und Krankheit zusammenhalten.
Ich darf nun die Trauung mit einem kleinen Gedicht beenden (es gefällt mir persönlich sehr gut) – welches lautet:
Die Goldene Regel:
„Ich denke von dir, wie ich wünsche, dass du über mich denkst.“
„Ich spreche von dir, wie ich möchte, dass du über mich sprichst.“
„Ich handle dir gegenüber so, wie ich wünsche, dass du es mir gegenüber tust.“
Und wenn ihr euch dieses kleine Gedicht – diese paar Zeilen – zum Grundprinzip macht, dann gelingt euch sicher dieses große Vorhaben, das man schlicht und einfach die „Ehe“ nennt.


 
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