logout
TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (177)

Liebes Brautpaar, geschätzte Zeugen, liebe Angehörige und Hochzeitsgäste. Als Standesbeamter der Gemeinde ...... heiße ich euch zur Hochzeitsfeier von ........ & ........ recht herzlich willkommen. Sie geben einander hier und jetzt vor dem Gesetz und anschließend vor der Kirche das Eheversprechen.

Liebe ............. lieber ..................!

Das Fest, das wir hier heute feiern heißt HOCH-ZEIT.
Dieser Begriff bezeichnet dabei sowohl die Feier in der Kirche als auch die Feier hier im Trauungssaal der Gemeinde ....... Diese heutige Hochzeit stellt eine besonders "hohe Zeit", ja sicherlich einen Höhepunkt im Leben von euch zwei und vielleicht auch einiger Gäste dar.
Was aber hat diese HOCHZEIT zu bedeuten?
Stellen wir uns einmal gemeinsam vor, wir wandern in den Bergen und nach einem längeren Aufstieg erreichen wir endlich den Gipfel des Berges - unser Ettappenziel. Stellen wir uns weiter vor, das dieser Gipfel nicht nur den Blick auf eine wunderschöne Berglandschaft freigibt, sondern dass von diesem Gipfel aus ebenso das Dorf zu sehen ist, zu dem wir zurückwandern möchten. Dieses Dorf, unser Ziel, liegt trotz der weiten Entfernung direkt vor unseren Augen, es scheint zum greifen nah zu sein, ja man möchte meinen, man macht einen großen Schritt und ist am Ziel.
Was möchte ich mit diesem Bild sagen?
Die Ehe ist nicht der Anfang der Beziehung, aber ein absoluter Höhepunkt. Das Brautpaar steht heute auf dem Gipfel und schaut mit Freude und Klarheit auf das Dorf, auf das gemeinsames Ziel. Dieses Ziel ist es: Einen Menschen zu lieben und einzuwilligen, mit ihm diesen Weg gemeinsam zu gehen und mit ihm gemeinsam alt zu werden.
Wie häufig ihr beide auf diesem Weg durch dunkle Wälder, Gewitter- oder Regenwolken, aber auch Sonnenschein kommen werdet, welche Hindernisse am Wegrand auf euch lauern werden, das kann heute keiner von uns voraussagen, wir wissen heute jedoch eins: Der heutige Tag wird euch immer in Erinnerung bleiben als der Tag, an dem ihr das Ziel, den Weg gemeinsam zu gehen, vor Augen hattet.

Es gibt ein Zitat von Albert Schweitzer das zur Ehe in meinen Augen sehr gut passt. Es lautet:
"Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt."

Es ist aber nicht nur das Glück, das sich in einer guten Partnerschaft verdoppelt, auch Leid oder Schmerz werden gemeinsam durchgestanden und so um vieles erträglicher. Aber um beim Glück zu bleiben: Die meisten Menschen heiraten am Gipfel der Liebe und des größten Glückes. Sie beginnen gewissermaßen bei der 100-Prozentmarke. Viele Paare, die sich nach der Eheschließung eine weitere Steigerung ihrer Liebe bzw. ihres Glücks erhofft haben, sind oft enttäuscht dass es das nicht gibt. Wo soll den die Steigerung noch hinführen wenn man bereits bei der Höchstmarke beginnt. Vielmehr sollte es das Ziel von euch beiden sein, dieses Gefühl, das ihr heute füreinander in euren Herzen trägt, zu bewahren - dann habt ihr schon sehr viel erreicht.
Gesund zu sein und auch zu bleiben ist ebenfalls etwas, das mit dem Glück in enger Verbindung steht. Eine interessante sozialwissenschaftliche Studie hat jedoch ergeben, daß die Gesundheit gar nicht das wichtigste Lebensziel von uns Österreicherinnen und Österreicher ist, sondern überraschenderweise nur an zweiter Stelle steht. Das wichtigste Lebensziel in unserer Gesellschaft ist laut dieser Umfrage eine funktionierende Partnerschaft. Offenbar setzen wir alle eine sehr hohe Erwartung in eine erfüllende Beziehung.

Ich bin der festen Überzeugung, daß ihr beide den Willen habt nicht nur Eure Beziehung sonder auch Eure Ehe dorthin zu leiten und richte demnach an Euch die Fragen:
 Musik
 Herr Bräutigam .......... ist es Dein freier und ungezwungener Wille und fester Entschluß mit der gegenwärtigen Braut Frau ..... die Ehe einzugehen, so antworte mit JA. Gleichfalls frage ich Dich, ....., ist es Dein freier und ungezwungener Wille und fester Entschluß mit dem gegenwärtigen Bräutigam Herrn ................. die Ehe einzugehen, so antworte mit JA.
 Indem ihr nun vor Zeugen meine Fragen bejaht habt, erkläre ich euch zu Mann und Frau!
 Als äußeres Zeichen dieser Verbundenheit, steckt euch bitte gegenseitig die Ringe an
 Natürlich ist jetzt auch der Zeitpunkt gekommen wo der Bräutigam die Braut küssen darf!
 Ich bitte Euch Platz zu nehmen!
 Ich bitte nun um Ihre Unterschriften
 Ich verlese nun die Eintragungen im Ehebuch
Liebes Ehepaar!
Ihr beide habt nun soeben die Ehe geschlossen. Ich persönlich finde den Begriff "schließen" im Zusammenhang mit der Ehe gar nicht so passend. Das klingt eher nach "abgeschlossen" oder nach "fertig"! Aber Ihr beide und alle anwesenden Paare wissen es sicher besser:
ES IST GENAU UMGEKEHRT! Man muß ständig an der Partnerschaft arbeiten etwas dazu beitragen damit sie funktioniert!
Deshalb meine ich, daß ihr heute eure Ehe "eröffnet" habt und ich hoffe und wünsche euch daß ihr diese Ehe auch in vielen, vielen Jahren so wie heute täglich von neuem mit Liebe eröffnet.

Wenn Ihr beide jetzt aufzählen müsstet warum Ihr geheiratet habt, dann würden euch sicherlich Begriffe einfallen wie Liebe, Zuneigung, eine Familie gründen, die gleichen Interessen haben oder einfach nur füreinander da zu sein. Ich bin mir sicher, es gäbe noch viel, was euch dazu einfallen würde. Wenn wir nun diese Gründe zusammenzählen dann spricht sehr viel für die Eheschließung. Es gibt jedoch da etwas, was man nicht mit Worten ausdrücken kann, es ist einfach da. Vielleicht gelingt es, eben Dieses mit folgender Parabel ein wenig anzudeuten:
Ein junger Novize tritt in ein Kloster ein und wird vom Novizenmeister in den Tempel geführt. Der alte Meister gibt ihm die ersten Unterweisungen, dann sagt er zu ihm: "Klatsche fest mit beiden Händen". Der Novize tut es voll Begeisterung, daß es nur so hallt im Tempel. Der Meister läßt ihn eine Zeitlang gewähren, dann sagt er zu ihm: "Für heute ist es genug; morgen versuchst du es mit einer Hand". Und der junge Mann geht traurig und bedrückt weg, weil er nicht weiß, wie er das am nächsten Tag anstellen soll - eine Hand allein kann eben nicht klatschen. In der Ehe ist es ähnlich: ihr Wesensmerkmal ist die Zweisamkeit, der Partner, das Miteinander in jeder Lebenssituation, das gemeinsame Abenteuer auf dem unbekannten Weg. Anläßlich der Eheschließung ist es der Brauch, daß die Angehörigen, Freunde, Verwandten und Gäste dem Brautpaar viel Glück und Segen wünschen. Ich möchte der erste Gratulant sein und meine Wünsche so formulieren:
Ich wünsche euch, daß ihr füreinander eben diese zweite Hand seid, daß zwei Hände voll Freude klatschen, zwei Hände miteinander arbeiten und zwei Hände einander helfen und führen können. Ich wünsche euch, daß ihr euch ein Leben lang darüber freuen könnt, daß gerade ihr zwei euch gefunden habt. Ich wünsche euch, daß ihr dem Partner immer alles anvertrauen und über alles mit ihm reden könnt, nicht nur über die Arbeit und die Alltäglichkeiten, sondern vorallem über das, was euch Freude macht oder Kummer.

 
zurück zur Übersicht