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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (183)

Liebe xx, lieber xx, meine lieben Trauzeugen und Hochzeitsgäste!

Eine tiefe Beziehung kann nur lange halten, wenn sie täglich neu begonnen wird.

Mit diesem Gedanken des eher unbekannten Ernst Ferstl möchte ich euch alle recht herzlich begrüßen.

Eine Beziehung hat auch dazu geführt, dass eure Trauung heute am Standesamt in xx stattfindet, nämlich die Beziehung zu eurer Wohnsitzgemeinde und ich freue mich darüber sehr, dass ich derjenige Standesbeamte sein kann, vor dem heute zwei waschechte xx ihr Ja-Wort geben werden.

Genau so tief wie die Beziehung zu euren Familien, wo ihr aufgewachsen seid, ist zweifelsfrei auch eure Beziehung zueinander, die sich in diesem Moment noch viel mehr vertiefen mag, als es bisher der Fall war.
In der Zeit des Kennenlernens habt ihr erfahren dürfen, welche Geschenke Freundschaft, Zuneigung, Achtung vor dem Partner, Vertrauen, Treue und Liebe sein können. Sie sind Geschenke, die man geben kann, die aber genauso darauf warten, angenommen zu werden. Eine Beziehung aufzubauen bedeutet keine leichte Aufgabe, es passiert nicht einfach von selbst. Eine Beziehung muss Zeit haben zu reifen, an ihr muss viel geschliffen werden, damit die vielen Komponenten zu einem Ganzen werden können.
Ich glaube, ihr beide habt eure Beziehung zueinander langsam und behutsam aufgebaut ihr habt eurer Beziehung immer die Zeit gegeben die notwendig war, um ein stabiles Gefüge daraus zu formen.
Genauso wie die Natur ihre Zeit gebraucht hat die Schönheiten dieser Welt hervorzubringen oder wie die Sonne notwendig ist, damit die Früchte richtig reifen, so habt ihr auch die Zeit gebraucht, bis der Funken so richtig übergesprungen ist.

Ihr beide steht nun, um ein Bild zu gebrauchen, an einer Kreuzung mit
zahlreichen Straßen, die alle in die verschiedensten Richtungen führen. Jetzt gilt es, den richtigen Weg miteinander einzuschlagen und auf diesem Weg alles das zu bewältigen, was so euer Leben queren wird. Der Weg wird geprägt sein von den schönen, aber auch weniger schönen Seiten des Ehelebens.

Gewiss habt ihr so manchen Traum, so manches Ziel vor Augen, das ihr gemeinsam erreichen wollt. Unangenehme Zwischenfälle, vielleicht Reibungspunkte, Meinungsverschiedenheiten, sollen nicht an eurem Ziel rütteln und euch nicht von der Richtung abbringen. Es soll keinen Chauffeur geben, der immer nur die Richtung einschlägt, die der Beifahrer vorgibt. Gemeinsam sollt ihr euer Leben lenken und nur gemeinsam sollt ihr notwendige Korrekturen vornehmen.
Vergesst nicht die wunderbaren Seiten des Lebens mit allen Facetten, macht Rast, wenn wunderbare Erlebnisse euer Leben queren, damit ihr sie auch gemeinsam genießen könnt.
Und wenn es Zeit ist aufzubrechen, auszubrechen, hinaus in die Welt um neues zu erleben, dem Alltagstrott einmal zu entfliehen, dann tut dies - aber wohlüberlegt und mit Verantwortungsbewusstsein gegenüber eurem Partner, eurer Familie und eurer Umwelt.

Ihr beide seid heute mit der Absicht zum Standesamt gekommen, um eine rechtliche Verbindung zwischen euch beiden herzustellen. Ihr wollt nun miteinander die Ehe eingehen.

Über die Ehe gibt es viele Meinungen, Pro und Kontra.
Ist es überhaupt noch sinnvoll, zu heiraten und - so hört man in letzter Zeit auch des Öfteren - ladet man sich da nicht etwa eine Bürde auf, die einem das Leben erschwert?\"
Es hat so den Anschein, als wäre die Ehe heutzutage ein Konsumgut, von dem man sich ohne weiteres entledigen kann, wenn es hinderlich wird. Die Leidtragenden letztendlich sind leider immer die Kinder, denen die Familie genommen wird.
Wenn man sich jedoch die Bedeutung der Ehe, der Partnerschaft vor Augen führt, und um so länger und intensiver man sich mit dieser Materie befasst, um so mehr kommt man darauf, dass Ehe nicht nur eine reine Bindung zwischen zwei Menschen darstellt, sondern dass in diesem Paket \"Ehe\" sehr viel mehr verpackt ist. Die Ehe an und für sich besteht schon seit Langem und sie hat im Wandel der Zeit viele und wesentliche Veränderungen durchgemacht. Eines konnte jedoch noch niemand erreichen: Nämlich die Ehe abschaffen.
Was bedeutet aber nun Ehe, Partnerschaft, Familie und Glück? Es steht viel geschrieben und es gibt unendlich viele Meinungen dazu. Die richtige Antwort für euch beide, liebe xx und lieber xx, die herauszufinden, daran müsst ihr selber arbeiten und nur als kleine Anregung dazu möchte ich euch drei markante Inhalte für eine hoffentlich glückliche und dauerhafte Ehe mitgeben.

Der wichtigste Inhalt freilich, das seid ihr selber. So wie am heutigen Tag steht ihr zwei im Vordergrund, zwei Menschen, die sich entschlossen haben, die Ehe mit allen Annehmlichkeiten, mit allen Rechten und Pflichten zu schließen.
Ihr beide kennt euch schon einige Jahre und mit der Zeit konntet ihr erfahren, dass gemeinsam vieles leichter geht, ganz nach dem Motto: \"Es geht nicht nebeneinander und schon gar nicht gegeneinander, es geht nur miteinander.\" Das \"Miteinander\" habt ihr schon früh gelernt, in einer Familie, wo Rücksicht, Respekt, Achtung und vieles andere mehr gefordert wurden. Diese Komponenten des \"Miteinanders\" nehmt ihr nun mit in eure Ehe, in eure Familie und ihr werdet sie dort weiterleben lassen. Ihr beide werdet eure eigene Familie formen, sie schmieden und ein lebens- und liebenswertes Gefüge daraus machen.

Und damit wäre ich auch schon beim zweiten Inhalt, der Familie. Sie stellt das Grundgerüst jeder funktionierenden Gesellschaft, jeder staatlichen Ordnung und nicht zuletzt das Grundgerüst jeder Ehe dar, wo man sich geborgen fühlt, wo man gerne zurückkehrt und wo man Menschen um sich weiß, die Rückhalt geben können. Familie - das seid aber bei weitem nicht ihr beide alleine. Zu einer Familie gehören alle die, die uns ans Herz gewachsen sind, die wir lieb gewonnen haben, und denen wir viel verdanken. Die Eltern nicht zuletzt, sie haben zwei Menschen das Glück beschert, Liebe, Geborgenheit und neues Leben weitergeben zu dürfen.
Eine funktionierende Familie bedeutet immer ein gutes Stück Arbeit - Arbeit an sich selbst, Arbeit an der Persönlichkeit, Arbeit an der Partnerschaft und Arbeit an und mit den Kindern - aber es ist fürwahr Arbeit, die reiche Früchte bringen kann, und wo ihr jeden Tag die Chance habt die Beziehung zu erneuern und zu vertiefen.

Ein weiterer Inhalt im Hause der Ehe stellt nicht zuletzt diese Rose dar. Die Rose, ein Symbol für die Liebe und für die Treue. Ihre schöne Farbe verleitet uns dazu, sie als Königin der Blumen anzusehen. Sie verlangt aber auch viel Pflege und Einfühlungsvermögen, um sie zum Blühen zu bringen. Genauso ist es auch mit der gegenseitigen Liebe und Treue zueinander, man wird ständig damit beschäftigt sein müssen, dass ein harmonisches Zusammenleben nicht schon nach kurzer Zeit zu enden droht, dass im Vergleich dazu die Rose nicht zum Welken verurteilt ist.
Diese Rose hat aber auch so ihre Tücken, die Dornen warnen davor, sie unsanft zu behandeln. Geht man zu leichtfertig mit ihr - mit der Liebe zueinander - um, dann besteht Gefahr, dass sich der andere daran verletzen kann. Es wird sicher besser sein, sich vor solchen Verletzungen zu hüten, denn Wunden brauchen bekanntlich länger zum Heilen als man sie jemandem zufügt.

Und wenn diese Rose auch Dornen hat, so muss man immer bedenken, dass sie trotzdem eine Rose bleibt; und auch in eurem Leben soll es so sein, dass trotz möglicher Schwierigkeiten nie die Qualität eurer Liebe zueinander leidet und dass ihr trotz dem jeden Tag eure Beziehung von neuem vertiefen und ausbauen könnt.

Diese paar Streiflichter quer durch eine glückliche Ehe sollen euch Hilfe geben, sie sollen eine kleine Anregung sein, die Ehe sinnvoll und verantwortungsbewusst zu gestalten.
Mit der nun folgenden standesamtlichen Trauung werdet ihr ganz bewusst eine rechtliche Verbindung zwischen euch beiden herstellen. Ich wünsche euch, dass dieser Moment zu einem besonderen Meilenstein in eurem Leben wird und ich wünsche euch auch, dass ihr immer wieder gerne an diesen Tag zurückdenkt, an dem ihr euer Versprechen gegeben habt.
Und in diesem Sinne, liebes Brautpaar, bin ich gerne bereit, mit euch und zusammen mit euren beiden Trauzeugen den Bund der Ehe zu besiegeln.
Dafür bitte ich euch, kurz aufzustehen.

Konsensgespräch

Am Ende dieser Zeremonie und Beginn eurer Ehe darf ich euch sozusagen als erster Gratulant die besten Glückwünsche überbringen. Ich wünsche euch alles Gute, viel Glück, auch Gesundheit, Liebe, Offenheit und von ganzen Herzen eine tiefe Beziehung, die jeden Tag neu begonnen werden kann.

Für heute wünsche ich euch noch einen recht angenehmen Hochzeitstag im Kreise eurer Familien und Freunde.

Bei der Vorbereitung zur heutigen Eheschließung ist mir ein Text aus dem Leitspruchkalender aufgefallen, der - wie ich glaube - sehr gut zu eurem heutigen Anlass passt:

Leben ist das erste Geschenk, Liebe das zweite und Verständnis das dritte.
Das alles zusammen wünsche ich euch ganz herzlich!

 
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