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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (193)

Ich begrüße euch alle recht herzlich zur standesamtlichen Eheschließung. Mein besonderer Gruß gilt natürlich dem Brautpaar. Daher heiße ich dich liebe ..... und dich lieber .... sowie eure beiden Trauzeugen Frau.....
und Herrn ..... recht herzlich willkommen.
Vorerst möchte ich Ihnen noch sagen, dass es mich sehr freut, dass ich heute eure Standesbeamtin sein darf. Als Standesbeamtin mache ich mir nicht nur aus beruflichen Gründen, sondern auch aus privatem Interesse immer wieder Gedanken darüber: Was verbindet die Beiden vor mir so, dass ihre Wahl ausgerechnet auf diesen Menschen fiel wo es doch tausende Männer und Frauen auf dieser Welt gibt? - und was bewegt Paare heutzutage noch die Ehe zu schließen, wo es doch sehr einfach ist nur soooo zusammenzuleben. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, an obersteter Stelle steht sicherlich die Liebe - denn ohne Liebe kann eine Beziehung nicht existieren. Die Liebe ist gegenseitige Zuneigung, gegenseitiges Verstehen und gegenseitiges Verzeihen. Es entsteht daraus ein Gefühl von Frieden und seelischer Geborgenheit, das der tiefen Verbundenheit zweier Menschen entspringt.
Gerade in der heutigen Zeit sind die Anforderungen an die Ehepartner, Probleme zu vermeiden und die Partnerschaft dauernd zu gestalten sehr hoch.
Durch euren Entschluß, die Ehe heute einzugehen, signalisiert ihr jedoch: Wir wollen diese Herausforderung annehmen und einen gemeinsamen Lebensweg gehen.
Ich erwähne ein paar Faktoren, die mir persönlich in diesem Zusammenhang als wesentlich erscheinen:

Einigkeit
Eine wesentliche Grundlage für das Gelingen eurer Ehe ist, dass ihr als Ehepartner \"einige werden\" nicht mit \"gleich werden\" verwechselt.
Oberflächlich betrachtet könnte man meinen, beide Begriffe bedeuten in etwa dasselbe. Ihr stimmt sicher zu, dass \"gleich werden\" auch anpassen oder sich unterordnen bedeuten kann. Egal, ob sich ein Partner die Unterordnung des anderen erwartet oder ob ein Partner von sich aus versucht, sich bedingungslos anzupassen, das Ergebnis ist immer das gleiche: die Eigenständigkeit und Selbständigkeit gehen verloren. Aber gerade unterschiedliche Anschauungen und verschiedene Charaktere machen eine Ehe auf Dauer erst interessant.

Gesprächsbereitschaft
Es ist ganz besonders wichtig, als Ehepartner in den so genannten \"guten Zeiten\" miteinander zu reden und durch ehrliches Hinhören an der Freude des Partners bzw. der Partnerin teilzuhaben. Da die Menschen heutzutage immer weniger Zeit für einander haben, erscheint mir das Gespräch der Ehepartner als besonders wichtig. Denn die meisten Probleme und Schwierigkeiten lassen sich am besten durch das miteinander Reden lösen. So könnt ihr ein sinnvolles Lebensziel erreichen, nämlich nicht stumm nebeneinander zu leben, sondern durch regen Gedankenaustausch eure Partnerschaft positiv und erfüllend zu gestalten.

Vertrauen
Das Vertrauen ist die Basis des ehelichen Zusammenlebens. Fehlt dieses Vertrauen, dann ist die Beziehung gestört. Ihr seid nicht mehr verschmolzen, sondern seid wirklich gespalten und ihr empfindet keine Einheit, sondern Spannung und eine innere Unzufriedenheit. Nur durch wirkliches gegenseitiges Vertrauen ist die innere Harmonie und Sicherheit für eine ausgeglichene Partnerschaft gegeben.

Phantasie
Im empfinde es immer als positiv und spannend, wenn eine Partnerschaft phantasievoll gestaltet wird. Bestimmt habt auch ihr schon mit viel Phantasie immer wieder im langweiligen Alltag ein positives Knistern erzeugen können. Gerade die kleinen, unerwarteten Dinge - sei es eine Zärtlichkeit, Geste oder Aufmerksamkeit - die den anderen überraschen bringen wieder Schwung und Leben in die Partnerschaft. Sie zeigen dem anderen aber auch, dass man an ihn denkt und ihm Freude bereiten möchte, einfach nur so, nicht weil im Terminkalender \"heute Geburtstag. oder Hochzeitstag oder Namenstag\" eingetragen ist, sondern ihr euch gegenseitig - einfach nur so - Freude bereiten möchtet.

Nach diesen Wünschen wende ich mich nun den gesetzlichen Bestimmungen zu. Ich stelle fest, dass ihr alle Voraussetzungen für das Zustandekommen einer rechtsgültigen Ehe erfüllt habt und ersuche euch zur Abgabe eurer Erklärung aufzustehen und mit den Trauzeugen nach vor zu kommen:
Ich frage dich.......................

Liebe....., lieber.....!
Ich habt nun die Ehe geschlossen. Ich persönlich finde den Ausdruck schließen für eine Ehe nicht passend, das klingt nach \"abgeschlossen\", \"fertig\" - da braucht man nichts mehr dazu beitragen.
Ihr Beide wisst es sicher besser und auch all die jene, die heute hier sind und bereits verheiratet sind werden das bestätigen. Nämlich es ist genau umgekehrt! Man muss ständig an der Partnerschaft arbeiten und immer etwas dazu beitragen. Deshalb meine ich, dass ihr heute eure Ehe \"eröffnet\" habt.
Ich darf euch nun dazu als allererster zu eurer Eheschließung recht herzlich gratulieren und wünsche euch alles Gute.

 
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