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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (233)

Liebes Brautpaar,
liebe Trauzeugen!

Ich darf Euch heute hier am Standesamt zu einem freudigen Ereignis für uns alle und zwar zur Trauung von unserem Hochzeitspaar recht herzlich begrüßen.

Liebe ....., lieber ......, Ihr ward ja vor einigen Tagen bei uns am Standesamt und da haben wir die Niederschrift zur Ermittlung der Ehefähigkeit ausgefüllt und unterschrieben.

Durch die Aufnahme dieser Niederschrift habt ihr beide kundgetan, daß Ihr miteinander die Ehe eingehen wollt. Mit dieser Niederschrift wurden auch die letzten rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, so daß Ihr heute den Bund der Ehe schließen könnt.

Liebes Brautpaar, es freut mich, daß Ihr dies hier am Standesamt ...... tut, und daß ich Euer Standesbeamter sein darf.

Ihr beide wollt heute einen Entschluß verwirklichen, der Euer weiteres Leben entscheidend beeinflussen wird, den Ihr steht ja augenblicklich an der Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft:

der Vergangenheit, die Ihr beide kennt, aber nicht mehr imstande seid zu beeinflussen, und
der Zukunft, die zwar noch ungewiß ist, der Ihr aber zuversichtlich entgegensehen könnt,
weil Ihr bereit seid, den künftigen Lebensweg gemeinsam zurückzulegen und damit Eure Zukunft voll Vertrauen in die Hand des anderen legen.

Aber das Ja-Wort, daß Ihr Euch in wenigen Minuten geben werdet, schafft ja nur die rechtlichen Voraussetzungen, es ist sozusagen der äußerlich erkennbare Ausdruck Eures Willens, das Leben künftighin gemeinsam zu verbringen.
Ehe im eigentlichen Sinn umfaßt jedoch wesentlich mehr als die Erfüllung einiger Formalitäten, weil es keine engere, innigere Bindung zweier Menschen gibt.

Humorvolle könnte man die Ehe auch anders charakterisieren:
\"Die Ehe ist der Versuch, zu zweit mit den Problemen
fertig zu werden, die man alleine niemals gehabt hätte.\"

Damit will ich nur aufzeigen, daß die Eheschließung zwar in erster Linie den Schritt ins \"große Glück\" bedeutet, dieser Schritt aber, bei ehrlicher Einschätzung, in der weiteren Folge auch einmal mit dem einen oder anderen Problem verbunden sein kann.

Daher werdet Ihr Euch sicher vor Eurem Entschluss gefragt haben:
Wie war mein Leben bisher? Wie war das Leben meines Partners bisher?
Was ändert sich durch diese Ehe für mich und für meinen Ehepartner?
Auf was muß oder soll ich nun verzichten?
Habe ich versucht den Partner so zu sehen wie er wirklich ist. Dementsprechend darf man sich dem anderen nicht nur immer von seiner besten Seite zeigen, sondern so wie man wirklich ist.

Dies sind vielleicht nur einige Fragen und Gedanken die Euch bewegt haben, wie Ihr Euch entschlossen habt zu heiraten.
Denn von nun an sollen ja zwei so unterschiedliche Lebensweg , wie sie bisher bestanden haben zusammengeführt werden.

Das Gesetz verpflichtet zwar die Ehegatten zur Lebensgemeinschaft. Aber weder Gesetze noch Feste geben eine bleibende Grundlage für eine gute, glückliche und harmonische Ehe.

Das Gefühl Eurer Zusammengehörigkeit muß aus dem Innersten kommen,
Liebe und Treue, Achtung und Vertrauen sind die wichtigsten Träger einer guten und glücklichen Ehe.

Wenn Liebe und Treue, Achtung und Vertrauen in einer Ehe vorhanden sind, dann wird sich trotz mancher Unzulänglichkeiten das Glück einstellen und der Ehestand das sein, was er sein soll, nämlich das Fundament einer glücklichen Familie.

Durch kleine Aufmerksamkeiten, liebevolle Rücksichtnahme, bereite Hilfe füreinander, freundliche Worte der Anerkennung, werdet Ihr die aufrichtige Zuneigung bekunden können.

Oft reicht schon eine aufmunternde Geste oder Bemerkung des Ehepartners und die Welt sieht auf den zweiten Blick schon wieder freundlicher und trostvoller aus.

Wenn ihr beide euch bemüht, auch vom anderen die Gedanken und die Wünsche zu verstehen, wird es Euch stets gelingen, einen Weg zu finden, den ihr gemeinsam gehen könnt.

Nützt Ihr beide diese Gelegenheit, dann werdet Ihr immer einen glücklichen Partner an Eurer Seite haben und auch selbst das Glück finden.

Ich wünsche Euch beiden , dass Ihr es so haltet, wie es folgende Fabel wiedergibt.

In einem Wohnzimmer standen ein bequemer Polstersessel und ein Holzsessel.
Die ganze Familie benützte mit Vorliebe den Polstersessel. Der Holzsessel, der unmittelbar daneben stand, ging immer leer aus.

Eines Tages fragte der Holzsessel den Polstersessel: \"Warum setzen sich alle nur bei dir nieder?
Bei mir sitzt nie jemand!\" Daraufhin antwortete der Polstersessel:
\"Ich gebe nach!\"

Über der unbeschwerten Freude des heutigen Tages dürft Ihr aber nicht vergessen, daß in Eurem Leben auch etwas Neues geschieht:

Jeder von Euch ist von nun ab nicht mehr für sich allein verantwortlich, sondern Ihr übernehmt die Verantwortung für Euren Partner und in späterer Folge auch für eure Kinder.

Diese Verantwortung füreinander ist keine einfache, leichte Sache.
Aber sie ist wertvoll und ein festes und wichtiges Band, das Eure Ehe auch in Krisenzeiten zusammenhält

Ich wünsche Euch, daß diese Band jeden Tag fester werden möge und im Laufe der Zeit sich zu einer unzerreißbaren Kette entwickelt.

Ich habe hier immer wieder von "Eheschließung" gesprochen.
Ich persönlich finde den Begriff , schließen" im Zusammenhang mit der Ehe gar nicht so passend. Das klingt nach "abgeschlossen", "fertig", " da braucht man nichts mehr dazu beitragen!".

Ihr beide wisst es sicher besser, und vor allem all jene, die heute mitgekommen sind und selbst verheiratet sind, werden das bestätigen können:
Nämlich, es ist genau umgekehrt! Man muss ständig an der Partnerschaft arbeiten und immer wieder etwas dazu beitragen!

Deshalb meine ich, dass ihr heute eure Ehe "eröffnet"!

Liebe ...... und lieber ........, ich wünsche Euch daher aus ganzem Herzen, daß der heutige Tag - der Tag Eurer Hochzeit - der Beginn einer schönen gemeinsamen Zukunft werden möge
und dass ihr eure Ehe täglich von neuem, so wie heute, mit Liebe eröffnet,
und in diesem Sinne darf ich Euch nun vor den hier anwesenden Trauzeugen die entscheidenden Fragen stellen.


 
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