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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede (15)

Sehr geehrtes Brautpaar!

Als Standesbeamter ist man immer wieder gefordert, geeignete Worte für eine Trauung zu finden. So bin ich bei der Suche für diese Ansprache auf ein Zitat von Kurt Tucholsky gestoßen, es trägt den Titel „Das Ideal“:

Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten soviel: Haben. Sein. Und gelten.
Daß einer alles hat: das ist selten

Sie sind sicher mit mir einer Meinung, dass „Glücklichsein“ für jeden Menschen etwas anderes bedeutet. Ist es daher überhaupt möglich, Antworten auf die Frage "Wie werde ich glücklich?" zu finden?

Erwarten Sie jetzt bitte nicht von mir, dass ich Ihnen die richtigen Zahlenkombinationen für das Lotto verrate – denn ich denke, in diesem Augenblick und zu diesem Anlaß ist es angebrachter, sich mit dem wahren Glück zu beschäftigen und nicht mit läppischen Millionengewinnen, die nur Probleme mit sich bringen: „Verflixt noch mal, kaufe ich nun einen Porsche oder einen Jaguar? Ein Propellerflugzeug oder einen Düsenjet? Und wo bitte soll das Landhaus stehen?“

Nichts von alledem. Ich kann Ihnen zwar im folgenden leider nicht im Detail sagen, wo das wahre Glück zu Hause ist, bin mir allerdings sicher, dass es nicht draußen in der Luft fliegt oder auf der Straße liegt, nicht in Geld, Ruhm oder Macht zu finden ist.
Glücksforscher haben herausgefunden, dass reiche Menschen nicht glücklicher sind, als der Durchschnitt, auch Intelligenz und Schönheit machen nicht glücklicher, d. h. Kluge und Schöne sind auch nicht glücklicher als der Durchschnitt.

Die Erfolgsleiter, die die meisten Menschen der westlichen Welt unaufhörlich zu erklimmen versuchen, entpuppt sich meist Stufe um Stufe als marode Hängeleiter, die einen in Sachen Glück im wahrsten Sinne des Wortes hängen lässt. Am Schluss dient sie vielen lediglich als Rettungsanker, um dem führungslos im Lebensmeer treibenden „Schiff Mensch“ wenigstens irgendeinen Halt zu geben.

Was für viele heute zu zählen scheint, ist nicht die Qualität, sondern die Quantität: nicht der köstliche kleine Happen, sondern das große, fette Schnitzel. Der Schriftsteller wird an den verkauften Stückzahlen gemessen, der Geschäftsmann an seiner Bilanz, der Programmdirektor an den Einschaltquoten. Doch der Schein trügt.
„Wo also sollen wir das Glück suchen“, werden Sie sich vielleicht jetzt fragen, „wenn nicht im Casino?“

Ich schlage vor, wir beginnen ganz nach dem viel zitierten Motto: „Das Gute liegt so nah“ – bei der Liebe; der Liebe in uns, um uns und um uns herum. Denn das Glück, die Liebe ist in uns.
Sie beide liebes Brautpaar, haben begriffen, dass es mehr gibt als das sogenannte „reale Leben“, wie den Beruf, den Kaufrausch oder den Großgrundbesitz in der Sahara.

Als Sie bei mir auf dem Standesamt waren um den Ablauf Ihrer Trauung zu besprechen, ist mir aufgefallen, wie liebevoll und harmonisch Sie miteinander umgehen. Ein Lächeln, eine liebevolle Umarmung, ein Kuß oder ein kleiner Scherz zeigen, das Sie beide, Frau Mustermann und Herr Mustermann miteinander dieses Glücksgefühl der Liebe teilen.

Sie haben erkannt, dass eine Partnerschaft und Ehe mit all ihrer täglichen Routine zum wesentlichen Teil von den kleinen Dingen und Aufmerksamkeiten lebt.

Und Sie wissen – Liebe kann man nicht zufällig finden, man kann sie nur leben, oder nicht leben.

Abschließend passt hier gut eine kurze nette Geschichte, ev. über das Glück, Liebe oder so…..


 
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