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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (277)

Liebes Brautpaar, Freunde und Verwandte, ich darf Sie herzlich willkommen heißen. Wir sind hier zusammengekommen, um Zeugen zu sein, wenn das Brautpaar einander vor mir als Standesbeamten und somit vor dem Gesetz das "Ja"-Wort gibt und somit in einen neuen Lebensabschnitt startet.

Bei unserem ersten Gespräch auf der Gemeinde sind wir auch aufs Laufen gekommen. Dabei haben mir die beiden gesagt, dass sie beide schon einen Marathon gelaufen sind. Das hat sich bei mir im Hinterkopf festgesetzt und so möchte ich Euch auf einige Parallelen zwischen einem Marathon und dem Eheleben hinweisen..
Grundsätzlich ist einmal zu sagen:
Ziel beim Marathon sind es 42, km zu bewältigen, Ziel in der Ehe ist es, den Rest des Lebens gemeinsam zu verbringen.
Euer erster Marathon liegt zwar schon ein paar Jahre zurück, aber ich kann mir gut vorstellen, was wahrscheinlich Eure Gedanken vor dem Start waren:
"Habe ich genug Trainingskilometer heruntergespult? Werde ich das Ziel erreichen? Werde ich mit unvorhergesehenen Schwierigkeiten rechnen müssen - und wenn, kann ich mich trotzdem durchbeißen?"
Das sind in abgewandelter Form alles Fragen, die man sich auch vor einer Eheschließung stellt: Da lauten sie dann eben: "Haben wir lange genug zusammengelebt, uns geprüft, ob wir wirklich zusammenpassen? Werden wir wirklich bis an unser Lebensende glücklich miteinander leben? Wird es zu Auseinandersetzungen kommen und können wir diese überwinden?

Zweifel stehen häufig am Beginn und hindern viele Paare sogar daran, den Schritt vor den Traualtar oder den Standesbeamten zu wagen. Sie trauen sich ganz einfach nicht und haben Angst vor dem Scheitern - die vor allem in den vergangenen Jahren äußerst niedrige Zahl an Eheschließungen zeugt davon.

Erfolgt erst einmal der Startschuss für den Marathon läuft man locker los, man verfällt beim Anblick der vielen beifallspendenden Zuschauer vielleicht sogar in eine Euphorie. Auch die Ehe beginnt mit dem sogenannten "schönsten Tag des Lebens" dem Hochzeitstag. Oft genug hört man, wie gut man zueinander passt, das ideale Paar, das Traumpaar.

Bleiben wir aber vorerst beim Marathon, Kilometer für Kilometer wird heruntergespult, glücklich die, während des gesamten Laufes nie in Schwierigkeiten kommen, diese Zahl ist allerdings äußerst gering.
Beim Großteil der Läufer kommt früher oder später einmal der Zeitpunkt, wo es schwer wird, Überwindung und die richtige Einstellung gefragt sind.. Ist man den Marathon zu schnell angegangen, muss man eben einen Gang zurückschalten, vielleicht sogar einmal ein Stück zu Fuß gehen. Mit dem festen Willen ins Ziel kommen zu wollen, wird man allerdings über diese Schwäche hinwegkommen und auch die restlichen Kilometer noch bewältigen.

Ebenso ist es in der Partnerschaft - ein Ehejahr nach dem anderen geht herum, (das verflixte 7. Ehejahr) und doch ist man nicht davor gefeilt, dass nicht einmal die große Krise kommt - Gründe gibt es viele dafür hauptbeteiligt seid aber immer nur ihr beide. Im Grunde genommen seid nur ihr beide am Gelingen oder Scheitern dieser Partnerschaft beteiligt - das Risiko liegt also bei 50 : 50. Kriselt es, so ist es allerdings von großer Bedeutung, dass beide Partner die richtige Einstellung und den entsprechenden Willen aufbringen. Will ich mein Ziel erreichen, so muss ich aber auch etwas dazu beitragen, das bedeutet in der Partnerschaft, dass ich nicht nur meine Vorstellungen verwirklichen will, sondern auch meinem Partner die Möglichkeit gebe, seine Bedürfnisse kundzutun. Egoismus ist hier fehl am Platz und ist ein Hindernis wenn man das Ziel des Miteinander Glücklichseins erreichen will. (Man sagt nicht umsonst "Glück ist das einzige das sich verdoppelt, wenn man es teilt)

Beim Marathon wie in der Partnerschaft sind Durchhaltevermögen gefragt, es wird Schwachpunkte, Einbrüche, unerwartete Schwierigkeiten geben, dabei darf man allerdings das Ziel nicht aus den Augen lassen und muss weiterhin darum kämpfen. Man kann nicht gleich bei jeder Gelegenheit das Handtuch werfen, sondern sollte immer versuchen, das beste aus der Situation zu machen. Hat man es dann aber wirklich geschafft, diese Krise zu bewältigen, ist es meist so, dass man wieder in ein wunderbares Hoch, in eine Euphorie kommt.

Vor einem Rennen, wenn man sowieso schon angespannt ist, der Puls vor Nervosität bereits gestiegen ist, wünscht man sich häufig nichts sehnlicher, als wenn endlich der Startschuss fällt. Daher will auch ich Euch nicht mehr länger auf die Folter spannen und zur eigentlichen Trauungszeremonie kommen.
Ich bitte dazu das Brautpaar und die Trauzeugen sich zu erheben.
Frau und Herr sie haben beide die Voraussetzungen für eine gesetzlich gültige Ehe erfüllt und daher frage ich Sie nun einzeln und nacheinander - beginnend mit der Braut:
Frau , sind Sie aus eigenem und freiem Willen hierher gekommen, um mit dem anwesenden Herrn den Bund fürs Leben zu schließen, so antworten Sie bitte mit "JA"
Ich frage nun auch Sie, Herr sind auch Sie aus eigenem und freiem Willen hierher gekommen um mit der anwesenden Frau den Bund des Lebens zu schließen, so antworten Sie ebenso mit "JA".
Ihr habt sowohl die Voraussetzungen erfüllt als auch beide auf meine Frage mit "JA" geantwortet und daher darf ich Euch zu rechtmäßig verbundenen Eheleuten erklären und somit den Startschuss zu Eurem persönlichen Marathon geben.(Kuss vor dem Start?)

Für die Anwesenden möchte ich nun noch die Ehebucheintragung vorlesen und danach Brautpaar und Trauzeugen zur Unterschrift bitten.

Ihr habt Euren Marathon beim Laufen bereits gut hinter Euch gebracht, habt dabei Stärke und Ausdauer bewiesen - diese Eigenschaften sollen Euch auch in Zukunft erhalten bleiben, damit Ihr Euren gemeinsamen Marathon der Ehe ebenso gut bewältigt.

 
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