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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (280)

Liebes Brautpaar!
Ihr beide habt gefunden, was ihr gesucht habt!
Schritt für Schritt habt ihr euch geöffnet, euch anvertraut.
Jetzt ist die Zeit reif geworden für den nächsten Schritt.
Ihr sagt JA zueinander.

Dazu heiße ich nun Sie beide Frau ........... und Herr ....... sehr herzlich willkommen. Ich begrüße auch eure Trauzeugen Fr. ............. und Hr. ............ sowie die zahlreichen Hochzeitsgäste, die heute mitgekommen sind, sehr herzlich.

Ich freue mich, dass ihr diesen ganz besonderen Tag hier am Standes-amt ......................., das ja jetzt euer Wohnsitzstandesamt ist, beginnen werdet. Denn vor etwa einem ¾ Jahr habt ihr euch entschlossen, von ............... nach .................. in das Haus ................... zu ziehen, welches bereits vor Jahren vom Vater des Bräutigams erbaut wurde.

Und so wie euer Haus ein gutes Fundament erhielt, braucht auch eine Ehe einige Bausteine zum Gelingen. Neben Liebe, Vertrauen, Treue, ist auch der gegenseitige Respekt in der Partnerschaft sehr wichtig. Damit schafft ihr sicher ein gutes Fundament für eine feste und dauerhafte Beziehung. Gegenseitiges Respektieren bedeutet aber auch, den anderen nicht "verändern" wollen und die persönliche Freiheit des Partners bzw. der Partnerin nicht einschränken wollen.
Manche Menschen versuchen nämlich nach der Eheschließung, den anderen zu verändern und zu vereinnahmen.
Sie alle sind mit mir aber sicher einer Meinung, wenn ich sage: Die Ehepartner sollen so bleiben wie sie sind! Gerade die daraus resultierende Verschiedenheit, die Gegensätzlichkeit, führt letztlich zur Einheit, einer Einheit, in der jeder von euch genügend persönlichen Freiraum hat.
Diese Einstellung ist aber im Grunde genommen nichts anderes als das, was ganz allgemein "Liebe" genannt wird. Nämlich, wenn ihr beide zueinander sagt: "Sei wie du bist, dann ist alles gut!".

Das bedeutet aber auch, dass jeder Partner ständig gefordert ist, diese besonderen Werte wie eine Blume zu pflegen, damit sie nicht im Laufe der Zeit "verwelken". Wodurch diese Blume namens "Liebe" immer wieder erblühen kann, hören wir in der folgenden Geschichte:

Ein junger Mann hatte einen Traum:
Hinter der Ladentheke sah er einen freundlichen Verkäufer.
Hastig fragte er ihn: Was verkaufen Sie mein Herr?
Der Verkäufer gab ihm gelassen zur Antwort: Alles was Sie wollen!
Der junge Mann sagte: Dann hätte ich gern
¨ eine Frau, die mich immer liebt und versteht und auf die ich mich verlassen kann.
¨ eine glückliche Ehe, die bis zu unserem Lebensende glücklich bleibt.
¨ gute Freunde, die uns auf unserem Lebensweg begleiten
¨ und, und, und ...............
Da fiel ihm der Verkäufer ins Wort uns sagte: Entschuldigen Sie junger Mann. Sie haben mich falsch verstanden.
Wir verkaufen keine Früchte hier, wir verkaufen nur den Samen.

Denn Früchte gedeihen erst, wenn gesät ist und darauf geachtet wird.
Ihr beide, liebes Brautpaar, habt schon gesät, in Form von Freundschaft, Sympathie und Zuneigung.
Daraus wuchs die Liebe, und diese bewirkte euren Entschluss zu heiraten.
Denn Liebe ist eine wichtige, unverzichtbare Frucht in der Ehe,
die unaufhörlich wächst, die nie ganz ausreift und nie erschöpft, wenn sie täglich aufs neue Nahrung bekommt.

v Liebe erblüht: wenn ihr euch immer wieder Zeit füreinander nehmt, fragt wie es dem anderen geht, fragt was er braucht und wirklich an einer Antwort interessiert seid.
v Liebe erblüht: wenn Wünsche, Träume gesagt werden, wenn ihr beide bereit seid, eure gemeinsamen Träume und Wünsche zu erfüllen.
v Liebe erblüht: beim gegenseitigen Verzeihen oder beim Versuch zum gegenseitigen Verzeihen. Es ist nicht immer leicht, aber unbedingt notwendig.
v Liebe erblüht: wenn Schwierigkeiten und Probleme gemeinsam gelöst werden, denn geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude.

Ihr habt also gesät, um köstliche Früchte zu ernten.
Die Liebe kann nun wurzeln, wurzeln damit auch die zarten Pflanzen der ACHTUNG und des GLÜCKS im lockeren Erdreich gedeihen können.
(Pause)

In der Ehe ist es wie beim Hausbauen, ein Haus ist nie fertig! Auch das Haus der Ehe ist nie fertig! Es ist immer zu pflegen, zu verbessern, zu erneuern, und, wenn es sein muss, auch zu reparieren!
Kleine Zeichen haben da oft große Wirkung. Nichts freut den Partner mehr als die kleinen, unerwarteten Zeichen der Zuneigung. Ein liebes Wort am Morgen, ein Kompliment, ein Kuss, eine Umarmung, eine Blume - auch, wenn nicht Valentinstag oder Geburtstag ist, ein gemeinsames Gläschen Sekt oder Wein am Abend, einfach so.
Es gibt sicher viele Möglichkeiten. Sie erhalten die Liebe und bedeuten oft mehr als irgendein großes oder teures Geschenk.

Aber auch Spannungen gehören in eine gute Ehe. Sie sind zwar nicht angenehm, aber ohne sie wäre die Ehe ja nicht spannend. Wenn also der Haussegen einmal nicht gerade hängt und es zu Spannungen kommt, hilft meist ein ruhiges, vernünftiges Gespräch. Man muss kompromissbereit sein, aufeinander zugehen können und sich am besten in der Mitte treffen.

Habt ihr euch schon einmal die Frage gestellt: Was mag ich eigentlich alles an meinem Partner?
Erich Fried hat darüber ein sehr schönes Liebesgedicht geschrieben:

Was ich an dir mag!
Was ich an dir mag, ist unbeschreibbar,
ist ein ungeschriebenes Gedicht.
Besser ich beschränke mich aufs Staunen,
mag dich weiter und erklär dich nicht.
Ist es deine Stimme, sind es deine Hände,
ach - dein ganzes Wesen fesselt mich.
Um dich zu beschreiben, bräucht es Bände,
besser sag ich schlicht: Ich liebe dich.

Manchmal ist's dein Gang,
und manches Mal dein Lachen,
manchmal deine Frechheit, deine Wut.
Eins ist nicht genug - was soll ich machen,
was ich an dir mag: Du tust mir gut.
Was ich an dir mag, ist ohne Frage
Auch ein Teil von dem, was in mir ist,
was ich mir erhoffe, auch was ich beklage,
alles, was man an sich selbst vermisst.

Ihr beide habt sicher schon oft gedacht euch viele Male gesagt:
Du tust mir gut! Ich mag dich, und zwar, genau so, wie du bist, mit all deinen Stärken, Vorzügen und manchmal auch Schwächen, und genau so werde ich dich immer gern haben.

Das ist der Grund, der euch beide heute zum Standesamt geführt hat, wo ihr nun eure Liebe zueinander auch gesetzlich verankern möchtet.

Ich bin nun gerne bereit, euer JA-Wort entgegen zu nehmen und bitte dazu euch und eure Trauzeugen aufzustehen.

Ich frage nun Sie, Hr. ............................., sind Sie nach eigenem freien Willen bereit, die Ehe mit Fr. ......................... einzugehen, dann antworten Sie mit einem deutlichen JA.
Ich frage auch Sie, Fr. ......................, sind Sie bereit, nach eigenem freien Willen die Ehe mit Hrn. ...................... einzugehen, dann antworten auch Sie mit einem deutlichen JA.

Mit diesem feierlichen Versprechen, welches ihr vor mir, euren Trauzeugen und Gästen abgegeben habt, ist der Bund der Ehe geschlossen und es freut mich aussprechen zu dürfen, dass ihr von nun an rechtmäßig verbundene Eheleute seid.

Ihr habt heute auch zwei Eheringe mitgebracht. Der Ring ist ein altes Symbol für die Liebe und die Partnerschaft. Von Rudolf Weiß stammen die folgenden Gedanken beim Betrachten eines Eheringes:

Manchmal ringen miteinander
manchmal ge-ring-schätzen
manchmal um den Finger wickeln
niemals aber aneinander ein Ende finden.

Im Sinne dieses letzten Satzes bitte ich euch gegenseitig die Ringe als äußeres Zeichen eurer Verbundenheit anzustecken.
Ihr dürft euch jetzt küssen.
Ich bitte euch wieder Platz zu nehmen.

Euer gegenseitiges Versprechen habe ich auch in das Ehebuch unserer Gemeinde eingetragen. Ich werde diesen Eintrag nun auszugsweise vorlesen.
Ehebuch vorlesen.

Ich bitte nun das Brautpaar und die Trauzeugen, diese Eintragung mit Ihrer Unterschrift zu bestätigen.


Liebes Ehepaar ........................!

Ihr habt nun die Ehe "geschlossen". Ich persönlich finde jedoch den Begriff "schließen" im Zusammenhang mit der Ehe gar nicht so passend. Das klingt nach "abgeschlossen", "fertig", "da braucht man nichts mehr dazu beitragen!"
Ihr beide wisst es sicher besser, und vor allem jene, die heute mitgekommen sind und selbst verheiratet sind, werden das bestätigen können:
Nämlich, es ist genau umgekehrt! Man muss ständig an der Partnerschaft arbeiten und immer etwas dazu beitragen!
Deshalb meine ich, dass ihr heute die Ehe "eröffnet" habt!
Und wünsche euch, dass ihr auch in späteren Jahren eure Ehe täglich von neuem, so wie heute, mit "Liebe" eröffnet!

Alles Gute für eure gemeinsame Zukunft!

Ich darf auch noch die herzlichsten Glückwünsche unseres Bürgermeisters überbringen und wünsche euch im Anschluss eine schöne kirchliche Trauung und lustige Hochzeitsfeier.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 
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