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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (297)

Verehrte Hochzeitsgäste, geschätzte Eltern des Brautpaares, liebe Kinder!

Ich begrüße Sie recht herzlich zur standesamtlichen Eheschließung, hier in den Räumlichkeiten des +++++und heiße Sie alle willkommen!
Mein besonderer Gruß gilt natürlich dem Braupaar! Daher heiße ich Dich, liebe Kunigunde und Dich, lieber Gernot sowie eure Trauzeugen ebenfalls recht herzlich willkommen.

Liebes Brautpaar,
Ihr seid heute hierher gekommen um im Kreise eurer Lieben einander das Ja-Wort zu geben und den Bund der Ehe zu schießen.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, was wollen zwei Menschen, die sich die Ehe versprechen nach außen hin zeigen:
. Ist es nicht so, das sie sagen wollen, wir gehören zusammen.
. Wir wollen zueinander steh\'n, egal was geschieht.
. Wir wollen es niemand gestatten, diese Verbindung in Frage zu stellen oder zu zerstören.
Sie zeigen damit aber auch nach innen:
. Wir gehören zusammen.
. Ich will zu dir stehen, was auch immer geschieht, in Krankheit, in Schwierigkeiten und bei Problemen.
. Unsere Ehe ist für uns nicht die einzige Gemeinschaft in dieser Welt, aber die wichtigste.

Liebes Brautpaar, \"wir gehören zusammen\"
eine kräftige und zugleich sehr erfreuliche Aussage, über die wir uns alle mit euch freuen.
Aber auch das zusammen sein will gelernt sein und erfordert einiges an gegenseitige Rüchsichtnahme.

In einem Gedicht von Rainer Haak heißt es:
Allein muss ich auf niemand Rücksicht nehmen.
Allein muss ich nicht teilen.
Allein gibt es keine Streitigkeiten.
Allein muss ich meine Entscheidungen mit niemand absprechen.
Allein kann ich mich selbst verwirklichen.
Allein habe ich immer Zeit für mich.
Allein kann ich alles für mein Glück und Wohlbefinden tun.
Allein, so dachte ich, brauche ich für niemand Liebe oder Wärme. Ich friere.

Betrachten wir diese Zeilen doch ein bisschen näher:
Allein muss ich auf niemand Rücksicht nehmen. Ihr habt´s in eurem Leben sicherlich schon die Erfahrung gemacht, dass - wenn ich auf niemand Rücksicht nehme, sich die anderen um mich auch wenig kümmern. In einer Ehe und Partnerschaft ist es nicht anders und daher ist die gegenseitige Rücksichtnahme eine unbedingte Voraussetzung.
Allein muss ich nicht teilen. Eine schreckliche Aussage wenn man bedenkt, das Glück das einzige ist, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. Lasst daher auch euren Partner immer an eurem Gefühlsleben teilhaben. Denn erst wenn es euch gelingt, über belanglose Dinge zu reden, wird man auch im Gespräch bleiben, wenn der Haussegen einmal schief hängen sollte.
Allein gibt es keine Streitigkeiten. Stimmt, zum Streiten braucht`s mindestens immer zwei.
Johann Wolfgang v. Goethe hat einmal gesagt:
"Im Ehestand muss man sich manchmal streiten; denn dadurch erfährt man etwas voneinander" Und wie recht er damit hat. Viele Konflikte und Ehekrisen könnten vermeiden werden, wenn der Streitpunkt direkt angesprochen wird, und nicht wie so oft der eine Birnen meint, da andere von Äpfel redet. Also, bleibt im Gespräch, scherzt miteinander, seid aber auch immer wieder bereit, dem anderen zu verzeihen.
Allein muss ich meine Entscheidungen mit niemand absprechen. In einer Ehe und Partnerschaft bzw. Familie sollten Entscheidungen auch nicht alleine getroffen werden. Lieber Gernot, die Zeiten wo der Mann alle Entscheidungen für die Familie getroffen hat, die Frau für den Haushalt und die Erziehung der Kinder verantwortlich war ist schon lange vorbei! Heute sind beide Ehepartner gleichberechtigt und auch die Kinder sollten bei gewissen Entscheidungen miteingebunden werden. Wenn man Ehepaare fragt, die schon sehr lange miteinander verheiratet sind, wie sie es geschafft haben, alle Höhen und Tiefen ihrer Ehe zu meistern, hört man immer wieder:
Wir haben uns immer gegenseitig vertraut, es war immer eine gegenseitige Wertschätzung dar
Wir haben uns immer wieder zusammengerauft
Wir sind im Gespräch geblieben
Wir haben immer den Mut gehabt, auch in schwierigen Zeiten miteinander zu reden
Allein kann ich mich selbst verwirklichen. Kann man das wirklich nur allein? Kann man nicht auch in der Ehe seine Ziele verfolgen. Ist eine berufliche Veränderung ausgeschlossen, nur weil man verheiratet ist. Ich bin sogar der Meinung, das sich ein Mensch in einer funktionierenden Partnerschaft, in einer intakten Familie wesentlich besser entfalten kann als alleine. Es müssen nur alle Beteiligten bereit sein, diesen Weg auch gemeinsam zu gehen.
Allein habe ich immer Zeit für mich. Wenn dieser Satz unweigerlich stimmen würde, liebe Kunigunde, lieber Gernot, dann könntet ihr mit dem heutigen Tag eure Hobbys alle aufgeben. Lieber Gernot, vorbei mit Schi fahren und Hüttenzauber auf der Hebalm oder allein Motorboot fahren in Kroatien. Oder was würdest du sagen, liebe Kunigunde, wenn der Gernot z. B. bei jeder TuberWareparty, bei jedem Kurs oder was immer du auch machen möchtest, sagen würde, das andere Dinge immer wichtiger und vorrangiger wären. In einer Familie habe diese Dinge aber alle Platz, wenn jeder auf den anderen ein bisschen Rücksicht nimmt und einem die Freiheit gewährt, die man zum glücklich sein braucht. Dass diese Freiheit einseitig nicht missbraucht werden darf, versteht sich von selbst!
Allein kann ich alles für mein Glück und Wohlbefinden tun. Es gibt Menschen, die alleine bleiben wollen und so glücklich sein können. Der Mensch ist aber nicht zum Alleinsein geboren, und so wie ich euch beide kenne, war es auch nie euer Ziel. Ihr seid beide auf eure natürliche Art lebenslustige, fröhliche Menschen mit einem Hang zum Familienleben. Ihr habt aber beide auch schon schmerzlich erfahren, dass eine Beziehung auch zerbrechen kann. Ihr beide seid daran aber nicht zerbrochen, habts euren Mut nicht verloren und wahrscheinlich auch Kraft aus euren Kindern geschöpft. Und so hat es auch das Schicksal gut mit euch gemeint, ihr habts euch kennen und lieben gelernt, und gesehen dass ihr einen Partner gefunden habts, mit dem es sich lohnt eine gemeinsame Zukunft aufzubauen.

Und diese gemeinsame Zukunft beginnt ihr nun mit eurem Eheversprechen.

 
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