logout
TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (359)

Liebes Brautpaar, sehr geehrte Trauzeugen und Gäste, ich heiße Sie hier recht herzlich im Standesamt .... willkommen. Mein Name ist ... und ich bin Ihre Standesbeamtin.

An so einem Tag wie heute ist mit Sicherheit nicht nur bei Ihnen, sondern auch bei mir und den hier anwesenden Gästen eine gewisse Nervosität vorhanden. Dies liegt mit Sicherheit daran, weil wir an einem für Euch sehr wichtigen Ereignis teilnehmen dürfen. Schließlich werdet Ihr durch Euer gegenseitiges Eheversprechen den innigsten Bund, den wir Menschen kennen, nämlich den "Bund für´s Leben" schließen.

Wir sind heute hier zusammengekommen, weil Sie beide, Frau ... und Herr ..., sich Ihr Ja-Wort geben und Ihr Leben miteinander teilen wollen. Sicher haben Sie viele Pläne für die Zukunft und konkrete Vorstellungen über Ihr zukünftiges Zusammenleben. Doch was bedeutet das eigentlich, sein Leben zusammen zu verbringen, miteinander teilen zu wollen? Zu dieser Frage möchte ich Ihnen - auch wenn Sie bereits seit einiger Zeit zusammenwohnen - vor der eigentlichen Zeremonie noch ein paar Worte mit auf den Weg geben.

Das Leben miteinander zu verbringen bedeutet, was Sie ja jetzt vorhaben, eine wirklich enge Bindung einzugehen. Man lässt sich ganz auf den anderen ein, man schmiedet zusammen Pläne, die man auch gemeinsam ausführt. Der andere wird zum Bezugspunkt im eigenen Leben, und man ist für den anderen da.

Man erfüllt sich den Wunsch nach Nähe und Übereinstimmung, der ja meist mit der Liebe einhergeht. Beide sehen sich als ein Paar, verstehen sich als ein Wir.

Doch wie weit sollen diese Nähe und diese Wir-Haltung nun gehen? Schließlich ist man ja auch noch ein Individuum, ein Ich.

Nun kommt das Zusammensein natürlich schon aus ganz simplen Gründen an seine Grenzen. Vor allem durch den Beruf, aber auch durch andere Verpflichtungen ist man voneinander getrennt und auch mit ganz anderen Dingen befasst als der Partner bzw. die Partnerin. Das ist sozusagen naturgegeben.

Doch wie sieht es nun mit der Freizeit aus? Wenn man das Leben miteinander teilt, bedeutet das nun, dass man in diesem Bereich alles gemeinsam macht, die freie Zeit stets gemeinsam verbringt? Geht man nun nicht mehr zum Tanzen, weil der andere sich nicht dafür interessiert? Spielt man stattdessen Squash, obwohl man ungern hinter Bällen herrennt? Wird also in der Ehe von einem erwartet, wegen des anderen auf etwas zu verzichten? Oder etwas nur dem anderen zuliebe zu tun? Manchmal mag das sicher angebracht sein. Was spricht schließlich dagegen, den anderen zu einer Veranstaltung zu begleiten, zu der man von sich aus nicht hingegangen wäre oder die für ihn wichtig ist? Was spricht dagegen, mal auf etwas zu verzichten, weil dem anderen daran liegt oder um Zeit füreinander zu haben? Doch es ist ausreichend, wenn man so etwas mal tut. Denn das Zusammenleben kann nicht bedeuten, auf vieles zu verzichten, was einem wichtig ist. Sich mit einem anderen Menschen zu verbinden bedeutet nicht, einen Teil seiner Persönlichkeit aufzugeben. Ganz im Gegenteil: Eine Beziehung sollte einen doch eigentlich bereichern. Natürlich gehört es zu einer Beziehung, die Zusammengehörigkeit und das Miteinander zu betonen. Ein Paar, das sich liebt und eine gemeinsame Zukunft mit Kindern plant, wird sich auch als ein Wir verstehen. Dennoch bleiben beide eigenständige Persönlichkeiten. Jeder ist weiterhin ein Ich, ein Mensch mit eigenen Vorstellungen, Interessen und Plänen. Eine gute Ehe bietet also sowohl dem Wir als auch dem Ich einen angemessenen Raum. Man braucht also wegen einer Bindung nicht auf seine Hobbys oder Interessen zu verzichten. Man wird jedoch auch nicht einfach so weitermachen, als gäbe es den anderen nicht. Wir und Ich stehen also in einer gewissen Spannung, für die ein Ausgleich zu finden ist, die aber auch die gegenseitige Attraktivität erhöht. Versteht sich jeder weiterhin auch als ein Ich, fühlt er sich nicht nur selber wohler, sondern bleibt auch für den anderen reizvoller. Denn ein völliger Gleichklang wird ja au!
f die Da
uer langweilig.

Anziehend wirkt es hingegen, wenn man selber aktiv ist, sich für etwas engagiert, sich weiterentwickelt. Wenn beide also auch mal getrennte Wege gehen, werden sie das nächste Zusammensein viel intensiver erleben. Das Leben miteinander teilen heißt also nicht, alles miteinander zu teilen. Es bedeutet vielmehr, Anteil am Leben des anderen zu nehmen und ihn an seinem eigenen Leben Anteil nehmen zu lassen. Es bedeutet, sich über alles auszutauschen, was einem wichtig ist, und für den anderen da zu sein, wenn er einen braucht. Es bedeutet, die Ehe zu einem wichtigen Teil seines Lebens zu machen. Vor einiger Zeit habe ich in einem Buch eine nette Geschichte über Kompromisse und Vorstellungen in der Ehe gelesen. Danach sollten z.B. über die Hausarbeit feste Abmachungen getroffen werden. Wenn beide arbeiten, dann sollten sie sich die Hausarbeit nach dem Motto "Wenn Du das tust, dann mach ich jenes\" teilen.

Manchmal allerdings hat sie eine andere Vorstellung von Arbeitsteilung als er. Ihre Vorstellung von einem fairen Handel: Ich koche ... er wäscht ab. Ich kaufe ein ... erfährt den Wagen und trägt alles herein. Ich wasche ... er bügelt. Seine Vorstellung von einem fairen Handel: Sie kocht... ich esse. Sie bügelt... ich ziehe die Sachen an. Sie füllt den Kühlschrank mit Essen ... ich mach ihn leer. Sicherlich werden auch Sie in Ihrer Ehe Kompromisse schließen müssen und sich dann vielleicht an diese Worte erinnern. Ich wünsche Ihnen jedenfalls Glück, Zufriedenheit und Gesundheit für einen langen gemeinsamen Lebensweg. Lassen Sie sich in Ihrem Zusammenleben immer nur von Liebe und Güte leiten, nehmen Sie Rücksicht aufeinander, ertragen Sie die Fehler des anderen mit Geduld und mit der Einsicht, dass Sie selbst ja auch nicht ohne Fehler sind.
 
zurück zur Übersicht