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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (360)

Sehr geehrtes Brautpaar, liebe Trauzeugen. Seid herzlich willkommen im Trauungszimmer unserer Gemeinde.

Als zuständige Standesbeamtin werde ich heute offiziell feststellen und beurkunden, dass ihr mit dem "Ja-Wort" rechtlich verbundene Eheleute seid.

Bevor wir zum rechtlichen Teil der Eheschließung kom-men, möchte ich noch ein paar Gedanken, die ich mir ge-macht habe, an euch richten

Die Tatsache, dass ihr heute hier bei mir erschienen seid, zeigt, dass ihr euch entschlossen habt, nun auch vor dem Gesetz und euerem Lebensumfeld als "Mann und Frau" zu gelten.

Immer wieder wird die Institution "Ehe" in Frage ge-stellt; trotzdem behauptet sie noch immer ihren Platz in unserer Gesellschaft. Auch ihr beide bestätigt dies durch eure Anwesenheit und euere Bereitschaft, euch gegensei-tig das Eheversprechen zu geben.

Was aber ist die Ehe? Wie wird die Ehe definiert?

Oftmals hören wir Schlagworte wie Zweckgemeinschaft, Versorgungsehe oder Liebesbeziehung; um nur einige zu nennen. Sicher trifft von jeder dieser Bezeichnungen ein Teil zu, und jeder der hier Anwesenden hat wahrscheinlich eine andere Definition.

Zweckgemeinschaft ist die Ehe dann, wenn es um den All-tag geht - gemeinsam einen bestimmten Lebensstandard anzustreben, von einer gesicherten Zukunft zu träumen und sich die materiellen Wünsche zu erfüllen.

Sie ist eine Versorgungsehe, wenn ihr über den heutigen Tag der Freude und Erwartung auf das gemeinsame Ehe-leben hinaus, in die Zukunft blickt - eine Zukunft, die von vielen in wirtschaftlicher Hinsicht nicht mit all zu bunten Farben gemalt wird.

Aber die Ehe ist auch Liebesbeziehung: Die Zweisamkeit, welche die Liebe verbindet, die Bereitschaft nicht auf sei-ner Meinung zu beharren, sondern den Partner als gleich-berechtigt anzuerkennen, ihn anzunehmen wie man ihn kennen- und lieben gelernt hat, mit all seinen Vorzügen, aber auch mit seinen Schwächen.

All diese Formulierungsversuche treffen aber nicht den Kern. Denn der Sinn einer Ehe liegt doch viel tiefer. Näm-lich im gemeinsamen Miteinander - und zwar an jedem Tag. An Tagen der Freude und des Glücks, aber auch an solchen der Niedergeschlagenheit und der Probleme.

Denn "Ehe" bedeutet nicht nur die rechtliche, sondern vor allem die moralische Verpflichtung dem Partner ge-genüber, zueinander zu stehen. Auch dann, wenn es einmal nicht so läuft, wie man sich die eheliche Gemeinschaft vorgestellt hat.

Man kann die Trauung auch als Schritt in eine neue Quali-tät euerer Partnerschaft umschreiben. Und ich glaube, da-mit treffen wir den Nagel genau auf den Kopf.

Wenn ihr die Partnerschaft in den Mittelpunkt eueres Ehe-lebens stellt, dann werden bestimmt die Wünsche und Er-wartungen erfüllt, die Ihr in diese Verbindung setzt.

Nach außen hin wird sich wohl nicht viel ändern oder für andere erkennbar werden. Ihr lebt bereits seit einiger Zeit zusammen, habt euch in dieser Zeit geprüft, die Vorzüge, aber auch die kleinen und vielleicht größeren Schwächen voneinander kennengelernt.

Nicht immer ist es ganz leicht, den gleichen Schritt zu hal-ten. Jeder entwickelt sich in der Partnerschaft weiter. Deshalb ist es wichtig, den anderen mitkommen zu lassen und auch auf sein Schrittempo Rücksicht zu nehmen.

Ihr habt vielleicht Meinungsverschiedenheiten ausgetra-gen, euch wieder versöhnt. Somit habt ihr erfahren, was zum Wesen einer Ehe gehört.

Denn der Sinn der Ehe liegt wohl nicht in einer Heiratsur-kunde, einem Stück Papier, sondern darin, dass sich hier zwei Menschen zusammengefunden haben, die zueinander gehören, ja mehr, die sich ergänzen und vor allem respek-tieren - und die bereit sind, Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Bedenkt jedoch bei allem immer, daß jeder Mensch, auch der zukünftiger Mann und die zukünftige Frau, neben vie-len Vorzügen und liebenswerten Eigenschaften - sonst hättet ihr euch ja nicht für einander entschieden - eben auch seine Fehler und Schwächen hat.

Und gerade diese Fehler und kleinen Unebenheiten sind es auch, die einen Menschen liebenswert machen, um de-rentwillen man den Partner um so mehr liebt.

Man muß sich nur dessen bewußt sein und den anderen so annehmen, wie er ist. Denn was wäre schon ein perfekter Mensch ohne Fehler und Macken?

Ihr seid bereit, eine Ehe einzugehen, um damit einen fes-ten Lebensbund zwischen euch zu schließen. Daher kom-men wir jetzt zum rechtlichen Teil der Eheschließung. Deshalb bitte ich euch zu diesem entscheidenden Augen-blick in euerem Leben aufzustehen.

Konsensgespräch

Da ihr beide meine Frage unter Beisein der beiden Trau-zeugen mit "Ja" beantwortet habt, darf ich als euere Standesbeamtin aussprechen, dass ihr somit rechtmäßig verbundene Eheleute seid.

Viel Glück und alles Gute.

 
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