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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (25)

Gedicht von Ulrich Schaffer
Seite 48, als Einstieg

Ich liebe den Moment,
in dem du mich ansiehst
und etwas zwischen uns passiert,
das sich nicht in Worte fassen läßt.

Wir sind beide da,
leben in einer Gleichzeitigkeit,
sind gegenwärtig mit unserem Wesen
und erleben den tiefen Sinn,
der schon im Sein besteht.

Wir sind.
Das ist unser Sinn.

Hochzeitstag – ein ganz besonderer Tag im Leben eines Menschen. Für Sie beide, ganz besonders für Ihre Eltern, alle die jetzt mit Ihnen auf das Standesamt gekommen sind. Dass Sie beide diesen einmaligen Moment überhaupt erleben können, dazu haben insbesondere Ihre Eltern einen entscheidenden Anteil in der Vergangenheit beigetragen. Sie waren es in ersten Linie die Ihnen die Fähigkeiten – ein liebender Mensch zu sein – beigebracht, aktiv vorgelebt haben. Diese unschätzbaren Fertigkeiten an die Kinder weiter zu geben, gehört zweifelslos zu höchsten Zielen einer Ehe.

Hochzeit, das Wort drückt es ganz deutlich aus. Es ist hoch an der Zeit, höchste Zeit, Ihre tadellos funktionierende Beziehung vorerst vor dem Gesetz in eine rechtmäßige Ehe umzuwandeln.

Die Tragweite dieser Handlung in Worte zu fassen würde bedeuten, die Zukunft von Ihnen vorhersehen zu können. Wenn dieses Jawort zwischen Ihnen einmal ausgesprochen ist, vor Ihren Trauzeugen und mir, wird eine unsichtbare Linie, ein unsichtbarer Knoten, ein Status quo geschaffen.
Jeder Schritt zurück würde bedeuten, dass Ihre gegenseitige Liebe verloren, Ihre Familie auseinander zubrechen droht.

War göttliche Fügung im Spiel, führte der unberechenbare Zufall Regie, war es ein glücklich Wink des Schicksals, oder zeichnet die unausweichliche Bestimmung schlussendlich verantwortlich, dass Sie sich vor .... über den Weg gelaufen sind.

Auf diese Frage gibt es nicht wirklich eine treffsichere Antwort.

Werkzeuge wie, genetische Ähnlichkeit, Intelligenz, gesellschaftliche Stellung, Übereinstimmung in der Zielsetzung und Gestaltung verschiedenster Lebensbereiche, Lebenserfahrung, ja sogar der persönliche Geruch haben dabei die unbewusste Suche begleitet und in der Kennenlernphase die aufkeimende Liebe aktiv unterstützt.

Ich habe Bestimmung als möglichen Grund aufgezählt, dass Ihnen das unbeschreibliche Glück widerfahren ist, diesen Menschen gefunden zu haben. Vom Baumeister aller Welten so vorbestimmt, gilt es heute, diese Tatsache als einmaliges Geschenk dankbar und vorbehaltlos anzunehmen.

Ich habe auch den vieldeutigen Begriff Zufall ins Kalkül gezogen, dass Sie nunmehr als Paar vor mir Platz genommen haben. Zufall ist das unberechenbare Geschehen, das sich unserer Vernunft und Absicht entzieht – so eine mögl. Definition.

Die Krux bei der ganzen Sache ist es doch, wenn feinstoffliche Gefühle im Spiel sind, wir sagen als Sammelbegriff Liebe dazu, den Menschen so mit unserer Liebe festzuhalten, dass er sich dabei mit seinem ganzen Wesen wohl fühlt.

Ein Zitat, geradezu eine Lebensmaxime vom deutschen Dichter Hermann Hesse,
„Wenn man etwas für recht hält, muß man es auch tun“

zeigt klar auf, dass jeder von Ihnen beiden für sich allein, selbständig und aus freien Willen, aber auch miteinander die Entscheidung getroffen wurde, es zu tun – nämlich ein Beziehung, eine Familie mit diesem ganz besonderen Menschen zu gründen.
Und es gibt, nachdem jeder für sich dieser Tatsache bewusst war, in Tat und Wahrheit in diesem Lebensabschnitt, im jetzt, keine andere Alternative dazu, als es miteinander zu versuchen.

Christine und Josef, Sie finden es richtig und wichtig, mit dem Menschen, der neben euch Platz genommen hat, eine Partnerschaft, sagen wir es treffender, eine Lebensgemeinschaft einzugehen. Der logische Schritt auf diese weitreichende Entscheidung bedeutet die Fortsetzung der bisher gelebten und erlebten Zweisamkeit.

Wie dieses Tun gemeinsam gestaltet wird, welche Faktoren dabei wichtige und begleitende Aufgaben übernehmen, liegt im Wesentlichen, so wie bisher, auch in Zukunft in Ihren eigenen Händen. Sie haben dabei uneingeschränkte Möglichkeiten. Jeder von Ihnen kann sich mit seinen eigenen persönlichen Stärken und menschlichen Schwächen für die gemeinsame Sache, für die gemeinsame Liebe, einsetzen.

Phantasie und die Bereitschaft zu Veränderungen in allen Bereichen des Zusammenseins machen es Ihnen möglich, Ihre Zuneigung zueinander hautnah und auf Dauer leben und erleben zu können.

Dabei ist der Weg zum Standesamt weit mehr als wie nur ein symbolischer Akt. Standesamtliche Trauung...
Jeder hat sich getraut, diese weitreichende Entscheidung zutreffen. Die Erlebnisse und Erfahrungen der Vergangenheit dies möglich gemacht.
Es sich zutrauen (genau mit diesem Mann, exakt nur mit dieser Frau eine Familie zu gründen, mit diesem Menschen die Träume und Wünsche, die gesteckten Lebensziele erreichen, schaffen zu können)
Sich dem andern anvertrauen; jeder traut dem anderen. Gibt es etwas wertvolleres als ungeschränktes Vertrauen. Der tiefe Sinn dieser Handlung lässt die Tragweite und Bedeutung nur erahnen.
In einer Mediendiskussion wurde vor geraumer Zeit die Behauptung aufgestellt, dass der Ehevertrag wohl der merkwürdigste Vertrag sei, den Menschen untereinander/miteinander abschließen können. Wenn wir über diese Aussage nachdenken, so können wir dieser These durchaus zustimmen. Wird doch materielles Streben und die Verwirklichung ideeller Ziele zweier Menschen, Mann und Frau, nur durch ein einziges Wort gegenseitig versprochen/besiegelt.

Im Zeitalter von Gentechnik, Chromosomenmodellierung, Infragestellung von Glaube und Moral, Wertezerfall oder sonstiger utopischer, geradezu beängstigen Entwicklungen in allen Lebensbereichen stellen wir uns die berechtigte Frage; Wohin entwickelt sich Partnerschaft und die Familie. Wie können wir, wie können Sie beide Ihre eigene und gemeinsame Gefühlswelt miteinander und füreinander aktiv und lebendig gestalten. Liebe wird nie selbstverständlich und ist sowieso immer da. Sie will, sie fordert unsere ganze Aufmerksamkeit.

Eine Ehe zu schließen, ist ohne zu übertreiben, ein hochaktuelles Abenteuer, ein einmaliges Projekt – wahrlich die Königsdisziplin im Zusammenleben unter uns Menschen.

Dieser Entschluss erfordert tatsächlich unser ganzes Wesen, Mut, Ausdauer, Lernfähigkeit, Menschlichkeit und weit mehr, als nur die Kurzlebigkeit des verliebt sein.

Man sagt zu so einem Tag - die Ehe zwischen Euch wird geschlossen.

Besser noch sagen wir - Ihre Ehe wird heute eröffnet.

So bitte ich Sie beide, Frau... und Herr ... zum Eheversprechen aufzustehen.


Schlussworte je nach Lust und Laune...!
 
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