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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (382)

Liebes Brautpaar!

Was hat eine Badewanne mit der Ehe zu tun?
Eine blöde Frage!
Zunächst einmal gar nichts!

Und doch:
In einem Nachrichtenmagazin
war sie vor einiger Zeit ganzseitig abgebildet,
blitzblank - eine Nobelwanne.
Dazu der Firmenname und d e r e i n e S a t z :
"Die hält länger als manche Ehe!"

Eine eher peinliche Entgleisung der Werbeleute?
Nein, - die Aussage stimmt.

Die Statistik und sicher auch Ihre eigenen Erfahrungen
geben der Werbung recht:
Die Lebensdauer einer guten Badewanne
ist länger zu bemessen
als die manch einer Ehe!

Über kurz oder lang
geht etwa die Hälfte aller Ehen wieder auseinander.

Und dieses Scheiden tut weh -
jede Trennung verursacht Schmerzen,
vor allem, wenn Kinder da sind.
Getrennt lebende, geschiedene Frauen und Männer
sind in unserer Gesellschaft
längst keine seltenen Randerscheinungen mehr.

Schlechte Karten also für die Institution Ehe?

Und warum erzähle ich Ihnen das gerade an d e m Tag,
an dem S i e sich zu I h r e m Ja-Wort entschließen?

Darum:
Es gibt einen wesentlichen Unterschied
zwischen einer Badewanne und einer Ehe:

Das Hilfsmittel zur Körperpflege ist ein starres Produkt,
die Ehe ist jedoch eine l e b e n d i g e B e z i e h u n g ,
die allerdings n u r lebendig bleibt,
wenn sich die beiden Partner weiter entwickeln.
Mit einer solch dichten und wertvollen Beziehung
kann man aber nicht nach Belieben umgehen,
sie braucht Schutz.

Die staatlichen Gesetze schützen die Ehe,
denn schon im Schöpfungsbericht der Bibel
können wir die Aussage lesen
"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist."

Die Geschichte von Adam und Eva,
von Jedermann und Jederfrau also, erzählt,
dass dem Menschen zwar
die gesamte Schöpfung zur Verfügung steht,
doch was nutzt ihm das Paradies,
wenn er darin alleine ist?

Hier wird uns deutlich:
jede Partnerschaft ist ein G e s c h e n k !

Die Werte
. Treue,
. Vertrauen,
. Verantwortung,
. Verlässlichkeit
stehen auch in unserer Zeit
nach wie vor hoch im Kurs.

Doch was steckt dann
hinter der häufig zu beobachtenden
Bindungsunwiligkeit und Bindungsschwäche?
Mangelnder Wille zur Treue
oder purer Egoismus?

Vielleicht ist es eher so,
dass viele Menschen sich selbst misstrauen
und ihrer eigenen Fähigkeit zur Treue.

Wo e c h t e Liebe besteht, will sie Zukunft.

Doch nicht jede Gemeinschaft gelingt.
Daher sollte man sich seinen Schritt gut überlegen,
weil man in einer Beziehung mit allem r e c h n e n m u s s ,
sich andererseits aber nicht alles b e r e c h n e n l ä s s t .

Der Mensch im allgemeinen
und S i e an Ihrem heutigen Hochzeitstag im besonderen,
Sie wollen eine glückliche Beziehung mit Zukunft,
nicht eine bloße Lebensabschnitts-Gemeinschaft,
in der das Ja-Wort nur gilt,
solange es gut geht.

Erst wenn nämlich Phasen überwunden werden,
in denen es n i c h t gut ging,
in denen es kritisch und schwierig war,
erweist sich eine Beziehung als gut und tragfähig.

Langjährige Paare
- auch die soll es gelegentlich noch geben -
sind ermutigende Zeugen dafür,
dass Ehe auch a u f D a u e r gelingen kann.

Es ist eben n i c h t normal,
dass man beim ersten Zwist getrennte Wege geht,
dass man neue Partnerschaften eingeht,
wie man lustig ist.

Die Norm sollte d u r c h a u s
der lebenslange Bund zwischen zwei Menschen sein.

Was aber am meisten zum Tod einer Ehe führt,
ist die Unfähigkeit zum Gespräch!
Die meisten Ehen schweigen sich tot.
Dabei lebt der Mensch vom G e s p r ä c h ,
von der Z u w e n d u n g ,
von N a t ü r l i c h k e i t und V e r t r a u e n .

Die Beziehung zwischen Mann und Frau
w a r nicht immer einfach -
und sie ist es h e u t e noch weniger.
Und wenn das von mir propagierte Ideal
trotz aller Bemühungen
im Alltag des 21. Jahrhunderts zerbricht?

Dann steht es uns gut an,
n i c h t p a u s c h a l den Stab zu brechen,
sondern jede Situation e i n z e l n zu bedenken
und Lösungen zu suchen,
die den M e n s c h e n gerecht werden,
die je ihre unverlierbare Würde haben -
a n d e r s e b e n
als ein starres und schweigsames Produkt,
anders, als eine Badewanne.

 
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