logout
TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (386)

Sehr verehrtes Brautpaar!

Die Ehe ist wie ein Garten, das eheliche Zusammenleben ist dementsprechend wie die Gartenpflege.
In einem Garten gibt es mehrere Beete, Frühbeete, vielleicht auch ein Treibhaus.
Auf den Beeten gedeihen verschiedene Gemüsearten, Blumensorten und vielerlei Gewürze.
Die Beete sind oftmals eingerahmt von Stauden, die Früchte tragen und eine herrliche Blütenpracht entfalten.
Jede Gartenanlage hat charakteristische Züge; sie ist nach den individuellen Vorstellungen der Besitzer angelegt. In ihnen verrät sich sowohl der Geschmack des Gärtners als auch seine Absicht, ob es ein Ziergarten oder ein Nutzgarten ist; manchmal sind beide Intentionen miteinander verbunden.

Sie werden den Garten Ihrer Ehe nach Ihren Vorstellungen anlegen und bestel-len. Sie bestimmen, wie viel Land umgegraben, als Garten genutzt wird und wie viele Beete angelegt werden. Es wird ein Garten nach Ihrem Geschmack und Ihren Absichten; Sie werden das an Gemüse, Blumen und Sträucher pflanzen, was Ihnen gefällt.
Jeder Garten bedarf der Pflege; dabei ist die Sorgfalt und die Pflege je nach der Art der Pflanzen auszurichten; einige Pflanzen benötigen mehr Wasser, andere weniger, einige lieben die Sonne, andere bevorzugen schattige Standorte. Pflanzen und Sträucher verlangen unterschiedliche Düngung. Selbst die Boden-art entscheidet über das Wachsen und Gedeihen. Saataufzucht und junge Pflanzen sind in einem Treibhaus oder Frühbeet gut geschützt; erst wenn sie stark genug sind, vertragen sie die rauhe Wirklichkeit der Witterung, erst dann wer-den sie in das Freiluftbeet verpflanzt, in dem sie kräftig gedeihen.

Die Gartenpflege verschlingt viel Zeit; sie wird aber an der frischen Luft ver-bracht und dient dadurch der eigenen Gesundheit.
Die Gartenpflege fordert Sorgfalt und konzentrierte Aufmerksamkeit. Pflan-zen und Sträucher werden genau beobachtet und in ihrem Wachsen und Reifen sorgfältig begleitet; alles im Garten wächst jedes Jahr neu, es entwickelt sich und das Heranreifen löst bei jedem Gärtner Freude aus. Der Erfolg der sorgfälti-gen Pflege und konzentrierten Arbeit zeigt sich im Herbst; er liegt buchstäblich auf der Hand oder im Korb des Gärtners; Vielleicht steht er auch in der Blu-menvase und ziert das Wohnzimmer. Die Bemühungen des Gärtners werden durch Erfolg Freude und Glück mehr als belohnt. Der Erfolg der Pflege of-fenbart sich in der Ernte.
In jedem Garten wächst auch einiges, das dort vom Gärtner nicht gern gesehen wird und nicht erwünscht ist; Sträucher treiben Triebe, die abgeschnitten werden, damit der Strauch reichlich Früchte trägt, Bäume werden sachkundig beschnit-ten, damit sie ertragreich sind. Alles wird mit äußerster Vorsicht und mit großem Sachverstand vorgenommen, damit nichts beschädigt wird und damit andere Pflanzen gut gedeihen. Wachsen und Geduld gehören zusammen; die Natur hat ihren eigenen Rhythmus; sie gehorcht ihren eigenen Wachstumsgrenzen. Bei bester Pflege braucht jede Pflanze bis zu ihrer Blüte ihre entsprechende Zeit, jeder Strauch bis zu den reifen Beeren seine Zeitspanne; jede Gemüseart hat Ihre Erntezeit. Das erfordert Geduld vom Gärtner; das Wachstum lässt sich nur unwesendlich beschleunigen.
Der Garten der Ehe bedarf ebenso wie der reale Garten der sorgfältigen Pflege; Sie bestimmen grundsätzlich die Ausmaße und die Gestaltung Ihres E-hegatten; Ihre Pflege führt wie bei einem richtigen Garten zum Wachsen und Gedeihen Ihrer Ehe; die Sonne der Liebe erwärmt Sie; das gegenseitige Ver-trauen öffnet und lockert den Boden; die Zuwendung zueinander wirkt wie bele-bender Dünger; ein überstandenes Gewitter reinigt die Luft und bewässert den ehelichen Garten.
Was Sie an Zeit; Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Pflege in Ihren Ehegarten investieren, zahlt sich wie im realen Garten durch eine prächtige Ernte aus. Die Früchte, die Sie aus Ihrem gemeinsamen Ehegarten ernten, sind Zufriedenheit, Erfüllung, Freude und Glück. Wer seinen Garten der Ehe pflegt, wir im Herbst eine reiche Ernte einbringen.
Wie ein Garten Aufmerksamkeit und Verständnis verlangt, erehrtes Braut-paar, so reift auch eine Ehe durch das gegenseitige verstehen.
Verstehen begreifen und erfassen Sie einander. In den Begreifen steckt das Wort „greifen“, in Erfassen das Wort „fassen“. Sie haben nacheinander ge-griffen, sie haben sich gefasst und erfasst.
Es gibt viele Weisen, einen anderen Menschen zu verstehen. Blicke ertasten ein-ander, mit Blicken tasten sie einander ab; dadurch erhalten Sie einen Eindruck, der in Ihnen voneinander ein Bild schafft. Jeder Blick verrät viel vom Innern des anderen; Blicke sind vielsagend und tiefgründig; sie geben Einblick und vermitteln Einsicht.
Durch das Sprechen miteinander verbinden Sie sich. Das gemeinsame Planen Ihres zukünftigen Zusammenlebens werden Sie miteinander besprechen. Dadurch erkennen Sie sich gegenseitig; das Einrichten der Wohnung offenbart Ihren Ge-schmack und Ihr Gefühl für ein Zuhause; Gespräche über die Einrichtung brin-gen Verständnis und Sie einander näher. Erlebnisse im Urlaub verbinden Sie miteinander; das gegenseitige Einfühlen in die berufliche Tätigkeit des anderen erweitert das gegenseitige Verständnis. Alles, was Sie gemeinsam planen, gestal-ten und erleben, vertieft Ihr gegenseitiges Verstehen.
Vom Partner verstanden zu werden, sich von ihm verstanden zu wissen, erzeugt eine innige Verbindung und zuverlässiges Vertrauen zwischen Menschen.
Im ehelichen Zusammenleben werden sie sich gegenseitig überraschen. Sie meinen, Ihren Partner durch die lange Zeit des Zusammenseins zu kennen und ihn ver-standen zu haben, aber jeder von Ihnen offenbart überraschend neue Seiten. Es zeigt sich die unbegreifliche Vielseitigkeit eines jeden Menschen. Deshalb ist der Prozess des Verstehens niemals abgeschlossen; er bleibt immer offen und interes-sant.
Verstehen hält Sie offen für Neues; der Partner behält im Prozess des Ver-stehens seinen Spielraum, um sich zu verändern und zu entwickeln, um sich neu zu entfalten. Durch das gegenseitige Verstehen entsteht ein inniges Band und eini-gendes Band zwischen Ihnen als Ehepartner bei aller individuellen Freiheit. Weil der Prozess des gegenseitigen Verstehens und Kennenlernens niemals endet, bleibt die Ehe auf Dauer eine spannende und abwechslungsreiche Angelegenheit.
Eheliches Zusammenleben verbindet, gegenseitiges Verstehen schweißt zusammen, Verständnis füreinander öffnet Freiräume zur persönlichen Entfaltung.
Verständnisvolles Zusammenleben befreit und bindet; stärkt gegenseitig und schafft Geborgenheit, dauert ein Leben lang und beschert Glück und Zufrie-denheit.
Damit sind auch meine persönlichen Glückwünsche an Sie, verehrtes Brautpaar, ausgedrückt.


 
zurück zur Übersicht