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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (387)

Liebe xx, lieber xx, werte Trauzeugen, Verwandte und Bekannte des Brautpaares. Ich freue mich, euch hier im Trausaal von xx begrüßen zu dürfen.

Ihr beide seid heute hier her gekommen, um gemeinsam einen großen Schritt zu wagen. Ihr habt entschieden, euch heute vor Zeugen einander das Ja-Wort zu geben und den Lebensweg gemeinsam als Ehepaar weiter zu gehen.

Es ist für einen Standesbeamten immer ein besonderes Erlebnis, jemand aus seinem Bekanntenkreis zu trauen. Beim Vorbereiten der Trauung habe ich mich an so manche lustige Geschichte erinnert und mir gedacht, dass wäre doch was für die Trauungsrede. Aber die standesamtliche Trauung ist ein wichtiges Ereignis mit vielen rechtlichen Auswirkungen und es soll daher auch bei guten Bekannten nicht der Eindruck entstehen, dass man ein gemütliches Kaffeetratscherl führt. Ihr hattet für den heutigen Tag sicherlich einiges vorzubereiten und jetzt ist vielleicht der erste Moment, an die Wichtigkeit dieses Tages und die Bedeutung der Ehe zu denken.

Bei jedem Schritt, den ihr in eurem Leben bewältigen werdet, wird sich etwas ändern. Auch wenn der Schritt noch so klein ist. So wie sich beim Wandern die Landschaft rings herum verändert, so ändern sich im Laufe der Zeit auch die Menschen. Ihr beide entwickelt euch weiter und könnt von einen auf den anderen Tag neue Bedürfnisse und Anforderungen an euch und eure Beziehung stellen. Und so wie ihr beide euch ändert, ändert sich auch die Liebe, oder zumindest deren Ausdrucksform. Das ist eine Erfahrung, die schon viele Menschen gemacht haben. Bereits im 17. Jahrhundert hat der deutsche Dichter Angelus Silesius diese Erfahrung recht treffend in einem kurzen Gedicht zusammengefasst, dass wie folgt lautet:
Die Liebe, wenn sie neu, braust wie ein junger Wein; Je mehr sie alt und klar, je stiller wird sie sein.

Dieses kleine Gedicht sagt aus, dass sich die Liebe in ihrer Ausdrucksform wandelt uns sich weiter entwickelt. Aus der anfänglichen Leidenschaft, aus den berühmten Schmetterlingen im Bauch wird ein stilleres, tieferes und vertrautes Gefühl. Aus anfänglich großen Liebeserklärungen werden vielleicht kleine, liebevolle Gesten. Aber auch mit einer noch so kleinen Berührung oder mit einem einfachen Lächeln kann ich dem Partner sagen
- ich liebe dich
- ich vertraue dir
- ich bin froh dass es dich gibt

Diese Form der Liebe ist eine andere wie am Beginn einer Beziehung. Es ist eine gereifte Liebe, deren Ausdrucksform sich von Tag zu Tag verändern kann – aber die immer die gleiche Botschaft hat.

Ihr seid gerade jetzt in einer Phase eurer Beziehung, in der sich besonders viel ändert. Euer Kind wird von Tag zu Tag kräftiger. Und mit jeder Bewegung und mit jedem Schluckauf bereitet sich euer Kind auf den Tag vor, an dem ihr es in den Arm nehmen könnt. Genießt diese Zeit bis zur Geburt ganz bewusst. Es gibt für einen werdenden Vater nichts schöneres, als mit dem Kopf auf dem Bauch der werdenden Mutter zu liegen und die Bewegungen zu spüren oder gar den Herzschlag des Babys zu hören. Und in etwa zwei Monaten werdet ihr den schönsten Moment erleben, den man gemeinsam erleben kann. Mit der Geburt eures Kindes wird eure Beziehung für immer geprägt werden.

Was ich persönlich für eine erfüllte Ehe sehr wichtig halte, habe ich schon machen Ehepaaren bei der standesamtlichen Trauung mitgegeben. Und auch euch beiden wünsche ich, dass ihr immer zärtlich miteinander umgehen könnt. Besonders am Beginn einer Liebe ergibt sich die Zärtlichkeit ganz von selbst. Glückliche Paare haben gelernt, auch noch nach vielen Ehejahren zärtlich miteinander umzugehen. Das kann eine freundliche Geste, ein liebes Wort, die Anerkennung einer Leistung oder auch nur eine zarte Berührung zum richtigen Zeitpunkt sein. Jene Paare, denen das gelingt, sind offenbar diejenigen, die noch im hohen Alter händchenhaltend spazieren gehen und von der jüngeren Generation bewundert und vielleicht auch manchmal beneidet werden.

Liebe xx, lieber xx, heute an eurem Hochzeitstag sitzen besondere Menschen an eurer Seite. Eure Trauzeugen, die heute eine sehr schöne Aufgabe übernommen haben. Sie werden nun anschließend euer Ja-Wort bezeugen.
In Anwesenheit eurer Trauzeugen, eurer Eltern sowie in Anwesenheit aller Hochzeitsgäste stelle ich euch nun eine kleine, aber doch so große Frage. Eine Frage, die euer ganzes zukünftiges Leben einschließen soll. Eine Frage, die ihr mit den Lippen beantwortet, aber mit dem Herzen und dem Willen zum gemeinsamen Leben wahrmachen sollt.
Ihr beide habt die Voraussetzungen für das Zustandekommen einer rechtsgültigen Ehe erfüllt und ich bitte euch und die Trauzeugen, sich zur Abgabe der Erklärungen von den Plätzen zu erheben.

Ich frage dich, xx, willst du aus eigenem und freien Willen die Ehe mit deiner Braut xx eingehen, dann antworte bitte mit „Ja“.

Ich frage auch dich, xx, willst du aus eigenem und freien Willen die Ehe mit deinem Bräutigam xx eingehen, dann antworte bitte mit „Ja“.

Nachdem ihr nun vor Zeugen erklärt habt, die Ehe miteinander eingehen zu wollen, spreche ich aus, dass ihr von nun an rechtmäßig verbundene Eheleute seid.

Ich bitte euch nun, euch zum Zeichen eurer Verbundenheit die Ringe anzustecken.

Ich lese nun den Eintrag im Ehebuch vor, der anlässlich eurer Eheschließung angelegt wurde:

xxx

Ich bitte nun das neuvermählte Ehepaar und die Trauzeugen, den Eintrag im Ehebuch zu unterschreiben.

Mit den Unterschriften im Ehebuch und eurem Ja-Wort, dass ihr euch gegeben habt, seid ihr rechtmäßig verbundene Eheleute. Ihr habt somit den Schritt ins Eheleben gewagt. Es gibt keine Regel, wie man eine Ehe dauerhaft gestalten kann, aber mit Liebe, Ausdauer und Toleranz ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung getan.

Ich möchte euch noch ein Gedicht mitgeben. Es handelt über die Zeit.


Ich wünsche euch nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche euch nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche euch Zeit, euch zu freu’n und zu lachen, und wenn ihr sie nützt, könnt ihr etwas draus machen.

Ich wünsche euch Zeit für eurer Tun und Denken, nicht nur für euch selbst auch zum Verschenken.
Ich wünsche euch Zeit nicht zum Hasten und Rennen, sondern die Zeit zum Zufrieden sein können.

Ich wünsche euch Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge euch übrig bleiben als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrauen, anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schauen.

Ich wünsche euch Zeit, nach den Sternen zu greifen, und Zeit, um zu wachsen, das heißt um zu reifen.
Ich wünsche euch Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche euch Zeit, zu euch selber zu finden, jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche euch Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche euch: Zeit haben zum Leben.


Ihr werdet heute noch viele Glückwünsche für euren gemeinsamen Lebensweg bekommen. Auch ich möchte mich auf die Seite der Gratulanten stellen und euch alles Gute, viel Glück und Gesundheit auf eurem weiteren Lebensweg wünschen.

Diese Urkundensammlung darf ich euch namens der Gemeinde xx mit den besten Glückwünschen überreichen.

 
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