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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (392)

Ich begrüße alle recht herzlich zur standesamtlichen Eheschließung von ______________


Liebe ....., lieber ...... !

Ihr habt beschlossen, ab heute in der Gemeinschaft der Ehe, Euer Leben miteinander zu gestalten.

Meine Aufgabe als Standesbeamter ist es, Euren ganz persönli-chen Entschluß öffentlich zur Kenntnis zu nehmen und zu beurkun-den.

Das laut ausgesprochene „JA-Wort“ ist jedoch mehr, als es der äu-ßere Ablauf vermuten läßt. Erlaubt mir bitte deshalb auch einige persönliche Worte an Euch zu richten:

Ich meine, ich sollte Euch ein ganz klein wenig für Euer gemeinsames Le-ben mitgeben, und da schien mir das Thema des Friedens außerordentlich geeignet.

Gerade heute, wo so viel vom Wesen des Friedens gesprochen und ge-schrieben wird, möchte ich Euch eines zu diesem Thema ins Gedächtnis rufen.

Der Friede, der wahre Friede, kommt nicht von der Politik; und wer ihn von der Politik erhofft oder erwartet, der wird allenthalben im letzten betrogen sein.

Nein, der wahre Friede kommt von dem einzelnen Menschen her, er ruht im einzelnen Individuum.
Und weil das so ist, deswegen ist ein jeder aufgerufen, an seinem Platz ein wenig für den Frieden zu tun. Wie viel mehr muß dies für ein Ehepaar Gül-tigkeit haben ?

Wenn aber der Friede von innen, von dem einzelnen Menschen, seinen Ausgang nimmt - und es ist so und nicht anders - dann ist ein jeder aufge-rufen, bei sich mit dem Frieden zu beginnen und von dort aus weiter nach draußen sich umzusehen, von dort aus weiter für den Frieden in der Welt zu sorgen.

Ein weiteres entscheidendes Stichwort für ein friedliches Miteinander heißt Toleranz, im Fremdwörterbuch mit Entgegenkommen und Duld-samkeit übersetzt.

Wer hätte etwas gegen Duldsamkeit und Entgegenkommen ?

Und dennoch: Toleranz predigen ist leicht, Toleranz üben aber schwer.

Deshalb wird die Duldsamkeit viel häufiger gefordert als geleistet. Wer einem anderen in alltäglichen Kleinigkeiten tolerant begegnen will, braucht Freundlichkeit und Gelassenheit und die Einsicht, daß alle menschlichen Kenntnisse und Erkenntnisse unsicher sind.

Wenn aber unsere eigene Überzeugung in einem konkreten Fall be-troffen ist, fällt es uns sehr schwer auch nur probeweise einmal anzu-nehmen, daß wir uns irren könnten.

Genau diese Einstellung und diese Fähigkeit aber sind notwendig, wenn in der Ehe Meinungsverschiedenheiten oder Überzeugungsunterschiede auf-treten.

Natürlich soll Toleranz kein ständiges Nachgeben und „Ja - Ja - Sagen“ sein. Auch tolerante Menschen dürfen, ja sollen für ihre Überzeugung ein-treten.

Die Toleranz gebietet es jedoch, aus den eigenen Überzeugungen kei-ne Dogmen zu machen.

Auch ich kann mich irren, selbst wenn es mir im Augenblick absolut aus-geschlossen erscheint.
Toleranz üben, soll nicht bedeuten, jeden offensichtlichen Fehler des an-deren zu entschuldigen. Aber „etwas entschuldigen“ und „Verständnis aufbringen“ ist nicht dasselbe.

Das vielbenutzte Wort „Toleranz“ bezeichnet einen nicht einfachen Inhalt. Aber Toleranz ist mit Verstand zu erfassen und mit gutem Willen übbar.

Am Fortbestehen der Liebe können wir nicht so leicht etwas mit Verstand bewirken. Deshalb kann das eine, die Toleranz, eine Stütze für das andere, die Liebe, werden.

Die Ehe ist angelegt auf Liebe, das bedeutet, die gegenseitige Zuneigung und Wertschätzung der Ehepartner macht das Eigentliche der Beziehung der beiden miteinander aus.

Und wenn die Liebe und Zuneigung wirklich so vorhanden ist, wie es hier angedeutet wird, dann ist sie auch als dauerhaft anzusehen.

Ich möchte Euch beiden von Herzen ein klein wenig von der wahren und echten Liebe wünschen, denn einzig diese schafft den Frieden.

Natürlich werden Zuneigung und Liebe durch eine rechtliche Doku-mentation weder größer noch kleiner, und natürlich werdet Ihr Euch auch schon vor diesem Tag zueinander bekannt haben.

Was Ihr nun jedoch zusätzlich deutlich macht, ist Euer Wille zu einer inne-ren und äußeren Gemeinschaft auf Dauer.

Ihr seid Euch über Eure Gefühle ganz klar geworden und könnt deshalb an diesem Tag eine gemeinsame Zukunft beginnen.

Über der unbeschwerten Freude vergessen wir leicht, daß damit in unse-rem Leben etwas radikal Neues geschieht:

Jeder Eheschließende übernimmt in einem außerordentlich weit gesteck-ten Rahmen für einen anderen Menschen, für seinen Partner, Verantwor-tung.

Verantwortung habt Ihr zwei auch bisher schon in vielfältiger Form ge-tragen, aber die Verantwortung, die jeder von Euch jetzt für seinen Ehe-partner übernimmt, ist etwas grundlegend anderes.

Diese Verantwortung füreinander ist keine einfache, leichte Sache. Aber sie ist wertvoll und ein festes Band, das eine Ehe auch in Krisenzeiten zu-sammenhält.

Möge es Euch gelingen, eine glückliche Ehe auf der Basis gegenseitiger Verantwortungsbereitschaft zu führen.

Es ist eine weise Fügung des Schicksals, daß es keinem Menschen vergönnt ist auch nur einen Blick in seine Zukunft zu tun. Denn könnte er es erah-nen, was ihm bestimmt ist, dann wäre das Leben kaum lebenswert, weil ihm dann der Inhalt, das bewußte Streben mangelt.

Dieses Unbestimmte der Zeit bringt frohe und glückliche Tage, aber auch manches Leid und tiefer Schmerz drückt oft den Menschen nieder. Immer wieder aber lebt die Hoffnung auf, die Hoffnung auf eine Wende zum Glücklicheren.

...... u. ......,

Ihr gebt einander jetzt das \"JA-Wort\" mit dem ernsten Vorsatz füreinander immer liebevoll zu sorgen und einander vor allem in den trüben Stunden des Lebens stets ein guter Kamerad zu sein.

So drückt Euer anschließendes Eheversprechen eigentlich nichts anderes aus, als Euren guten Willen und Eure Bereitschaft, auch unter nicht immer erfreulichen Lebensumständen eine verständnisvolle Lebens-gemeinschaft zu leben.

Ich ersuche Euch nun aufzustehen und meine Fragen, die ich an Euch rich-ten werde, zu beantworten.

Ich frage Dich, _________!
Bist Du gewillt, mit Deiner hier anwesenden Braut, _______, die Ehe ein-zugehen, so antworte bitte mit \"JA\".

Ich frage auch Dich, ___________ !
Bist Du gewillt, mit Deinem hier anwesenden Bräutigam, _________, die Ehe einzugehen, so antworte auch Du bitte mit \"JA\".

Eure Antwort ist der klare und feste Wille für Eure Ehegemeinschaft.
Ich erkläre im Namen der Republik Österreich, daß Ihr nunmehr rechtskräftig verbundene Eheleute seid !

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 Der Ring ist Sinnbild des in sich geschlossenen, der Einheit und Treue. Als äußeres Zeichen der inneren Bindung steckt Euch nun bitte die Rin-ge an.

 Dem Außenstehenden signalisieren die Ringe Eure Zusammen-gehörigkeit und sollen Euch laufend an das soeben gegebene Ehe-versprechen erinnern.

 Nehmt Euch gegenseitig an, mit der dem einzelnen gegebenen Erfahr-ung, und seid bereit, aus der Erfahrung des Partners auch für die Zukunft zu lernen.

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Über diese Trauung wurde eine Urkunde errichtet, die ich jetzt vorlesen werde und bitte Euch diese im Anschluß daran zu unterschreiben.


........ u. .......!

 Euer Versprechen, daß Ihr Euch heute hier gegeben habt, bindet Euch nach dem Willen des Gesetzes.

 Fester und dauerhafter als dieses Menschenwerk ist das Gefühl, das Ihr füreinander im Herzen tragt und das Euch zu einer innigen Gemeinschaft zusammenfügt,-

denn erst durch das gemeinsame Leben, durch das gegenseitige Ver-stehen wird es eine richtige Ehe werden.

Möge Euch immer bewußt bleiben, daß Ihr mit dem \"JA-Wort\" die Ver-antwortung füreinander übernommen habt, und \"NIE\" eine Stunde kom-men, in der Ihr zwei Euer heutiges \"JA-Wort\" bereuen müßtet.

Dieser Tag soll Euch vielmehr immer in lieber Erinnerung bleiben !

Nicht vergessen sollt Ihr, und das möchte ich Euch ganz besonders ans Herz legen, daß die Treue eine schöne und lebenswerte Eigenschaft ist.

Schließen möchte ich mit den Worten des Kirchenhistorikers Adolf Har-nack,:

„Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt“

Liebe ______, lieber ________!

Ich wünsche Euch alles Gute und viel Glück für Eure weitere Zukunft, möge Eure Zukunft so werden, wie Ihr es euch vorstellt, daß Ihr einander findet, was Ihr voneinander erwartet und viele viele Jahr in einer schönen, glücklichen Ehegemeinschaft verbringen möget.

Herzlichen Glückwunsch und einen schönen Hochzeitstag im Kreise Eu-rer Eltern, Verwandten und Bekannten.


 
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