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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (426)

Max Mustermann und Monika Mustermeier,

Sehr geehrtes Brautpaar, verehrte Gäste !!

Herzlich willkommen hier im Trausaal der Gemeinde Musterhausen.
Bislang kennt mich von der Anmeldung zur Eheschließung her „nur“ das Brautpaar.
Gerne möchte ich mich aber Ihnen allen vorstellen.
Meine Name ist Mustervorname Musterfamilienname; und ich bin seit einigen Jahren die Standesbeamtin hier in der Gemeinde.
Es ist mir jedes Mal aufs Neue eine große Freude eine standesamtliche Trauung zu vollziehen.
Ich bin heute sehr gerne für Sie sozusagen die Moderatorin Ihrer standesamtlichen Trauung und möchte meinen Teil dazu beitragen, dass der heutige Tag die Chance hat, der bislang schönste in Ihrem Leben zu werden.
Das JA –Wort, das geben Sie sich selbst.
Und dies wird der einzige Augenblick sein, der hier und heute nicht wiederholt werden kann.

Die für den Standesbeamten ganz wichtige Aufgabe ist die, für die Brautpaare die richtigen Worte bei der Trauung zu finden.

Manche meiner Worte heute werden Ihnen vielleicht in Erinnerung bleiben, was Ihnen aber mit Sicherheit in Erinnerung bleibt, ist, ob ich die richtigen und für Sie passenden Worte gefunden habe und wie Sie sich dabei gefühlt habe.

Bevor Sie beide mit dem gegenseitigen Jawort den Bund der Ehe schließen, möchte ich ein paar Worte zur grundsätzlichen Bedeutung der Ehe sagen.
Das Wort Ehe bedeutet übertragen aus dem althochdeutschen Wort EWE Gesetz und steht heute für die in der deutschen Rechtsordnung anerkannte Verbindung eines Mannes und einer Frau zu dauernder Lebensgemeinschaft.

Von der rechtlichen Seite betrachtet ist die Ehe ein Vertrag, der durch die besondere Form der Eheschließung vor dem Standesbeamten zustande kommt und wirksam wird.

Mit der Eheschließung verpflichten sich die Ehegatten unter anderem zum Zusammenleben, soweit dies möglich ist in häuslicher Gemeinschaft, zur gegenseitigen Treue und Achtung, zur Sorge für den anderen Ehegatten und zum gegenseitigen Unterhalt.
Wenn das Ehepaar Kinder hat, gehört dazu auch die ordnungsgemäße Wahrnehmung der elterlichen Sorge.

Die Bedeutung der Ehe ist von den ethischen, moralischen und zum Teil auch von religiösen Vorstellungen der jeweiligen Gesellschaft abhängig.

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland stellt die Menschen -und Bürgerrechte an den Anfang und zeigt schon rein optisch, dass hier die wichtigsten Werte dargestellt werden sollen, die das Fundament dieses Staates sein sollen.
So regelt z.B. Art. 1,dass die Würde des Menschen unantastbar ist, dass diese Würde zu achten und zu schützen die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt ist.

Art. 2 bestätigt das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung und der Rücksicht auf das gleiche Recht der anderen Menschen. Er bestätigt das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

Ich verzichte darauf Ihnen die weiteren Grundrechte aufzuzählen und komme zu dem Grundrecht, das heute wichtig ist.

Art. 6 des Grundgesetzes stellt Ehe und Familie als Grundrecht aller Menschen unter den besonderen Schutz des Staates.

Das Grundrecht des Art. 6 garantiert in seinem Wesensgehalt aber nicht nur den staatlichen Schutz vor Beeinträchtigung, sondern es schafft einen Lebensbereich der Ehegatten, die jeder staatlichen und jeder anderen Einwirkung entzogen ist und für den die Ehegatten in allen Belangen und mit allen Konsequenzen selbst verantwortlich sind.

Zusammen durch die Welt zu gehen ist schöner, als allein zu stehen. Und sich darauf das Wort zu geben ist wohl das Schönste im Leben

In der Theorie sollte eine Ehe einem Duett gleichen. In der Praxis schaut es bei vielen Paaren eher nach einem Duell aus.

Die Liebe, welch lieblicher Dunst, doch in der Ehe, da steckt die Kunst.

Liebe: das Licht des Lebens, in der Ehe kommt die Stromrechnung.

Diese Zitate bedeuten im Grunde genommen nicht mehr, aber auch nicht weniger als dass es in einer guten Ehe keine Routine, keine Abstumpfung, kein Nebeneinander- her- leben und Eintönigkeit geben soll, sondern dass sich die Ehegatten stets um einander bemühen, einander so liebevoll und zärtlich zugetan sein sollen wie zu Beginn der Partnerschaft und Ehe.

Eine so geführte Ehe bewahrt dann auch auf Dauer das Glück, mit dem sie begann.

Das scheint recht einfach zu sein. Ist es aber nicht.

Denn jeder von Ihnen ist ein Wesen für sich mit seinen guten und seinen weniger guten Eigenschaften.
Eine gute Ehe zu führen, gemeinsam das Leben zu meistern, mit all dem, was dieses Leben so mit sich bringt, ist eine Kunst, die ein Ehepaar nur zusammen lernen kann.
Diese Kunst oder Kunstfertigkeit erlernen und dann bewahren, ist eine täglich neue Herausforderung.
Man kann sich auf dem einmal erreichten Niveau nicht ausruhen; denn dann besteht die Gefahr, dass Routine und Alltag die Herrschaft übernehmen.
Dies ist anstrengend, aber das Glück in der Ehe ist diese Anstrengung wert.

Die Stromrechnung bleibt zwar trotzdem nicht aus, aber die Energie wurde nicht verschwendet und das Licht brennt das ganze Leben lang leuchtend hell.

Wenn Sie beide einmal älter sind und auf Ihr Leben zurückblicken und dann sagen können:

„Meine größte Leistung war, dass ich meine Frau zu überreden wusste, mich zu heiraten. Es wäre für mich unmöglich gewesen, durch all das hindurch zu kommen, was ich durchgemacht habe, ohne ihren Mut und ohne ihre Hilfe. Das an Freuden reichste Erlebnis meines Lebens war meine Ehe.“ (Winston Churchill)

Dann haben Sie eine glückliche Ehe geführt.

Diese Worte stammen von Winston Churchill. Aus der Perspektive der Frau müsste es dann eben anstatt meine Frau meinen Mann heißen.

Sehr geehrtes Brautpaar,

der heutige Tag ist nicht wie in vielen Liebesfilmen das Happyend, sondern er ist ein Wendepunkt in Ihrer beider Leben.
Vielleicht denken Sie daran wie Sie sich kennen und lieben gelernt haben.
Es gibt dazu ein paar nette Zeilen von Wilhelm Busch:

Ermahnungen und Winke
O wie lieblich, o wie schicklich,
Sozusagen herzerquicklich,
Ist es doch für eine Gegend,
Wenn zwei Leute, die vermögend,
Außerdem mit sich zufrieden,
Aber von Geschlecht verschieden,
Wenn nun diese, sag ich, ihre
Dazu nötigen Papiere
So wie auch die Haushaltsachen
Endlich mal in Ordnung machen
Und in Ehren und beizeiten
Hin zum Standesamte schreiten,
Wie es denen, welche lieben,
Vom Gesetze vorgeschrieben,
Dann ruft jeder freudiglich:
»Gott sei Dank, sie haben sich!«

Vielleicht denken Sie daran wie Sie sich kennen und lieben gelernt haben.

Aus diesem Kennen- und Liebenlernen ist der Weg geworden, der Sie heute hierher geführt hat.

Heute sind Sie hier um aus dem Ich der Vergangenheit das WIR für die Zukunft zu untermauern.
Heute dokumentieren Sie sich gegenseitig und nach außen hin, dass Sie zusammen bleiben möchten.

Wie Ihre Zukunft in ein paar Jahrzehnten aussehen könnte – voller Zufriedenheit, gegenseitigem Verständnis und Liebe, davon haben sie heute nur eine vage Vorstellung.

Wer kann sich im Frühling oder Sommer schon den Winter vorstellen?

Dichter und Musiker haben die Gabe genau dies in passende Worte fassen zu können.
Deshalb möchte ich Ihnen die deutsche Übersetzung eines Beatles- Songs vortragen, der wie ich meine genau das ausdrückt, was Sie heute beginnen.
Die deutsche Übersetzung klingt an manchen Stellen ebenso ungelenk wie das englische Original.

Aber gerade dahinter verbirgt sich die Suche und Sehnsucht nach Harmonie, die John Lennon und Paul McCartney wohl zu diesem Song veranlasst hat.

Wenn ich 64 bin

Wenn ich älter werde, meine Haare verliere Viele Jahre von nun an Wirst du mir dann noch eine Karte zum Valentinstag, zum Geburtstag schicken oder eine Flasche Wein Wenn ich draußen bleibe bis Viertel vor drei Würdest du die Tür abschließen.

Wirst du mich noch brauchen
Wirst du mich noch versorgen
Wenn ich 64 bin

Auch du wirst älter sein
Und wenn du das Wort aussprichst
Könnte ich mit dir zusammen bleiben

Ich könnte nützlich sein, eine Sicherung reparieren Wenn deine Lampen ausgegangen sind Du könntest einen Pullover am Kamin stricken Sonntagmorgens fahren wir weg Arbeiten im Garten, graben Beete um Wer könnte mehr verlangen

Wirst du mich noch brauchen
Wirst du mich noch versorgen
Wenn ich 64 bin

Jeden Sommer können wir uns ein Häuschen mieten Auf der Insel Wright, wenn es nicht zu teuer ist

Wir sollten sparen und knausern
Enkelkinder auf dem Schoß
Vera, Chuck und Dave

Schick mir eine Postkarte, schreib mir ein paar Zeilen Lege den Standpunkt dar Bring genau zum Ausdruck was du sagen willst Mit freundlichen Grüßen, dahinsiechend Gib mir deine Antwort, füll das Formular aus Mein in all Ewigkeit

Wirst du mich noch brauchen
Wirst du mich noch versorgen
Wenn ich 64 bin

Es gibt wohl kein Thema über das so viel geschrieben und geredet worden ist wie über die Liebe.
Auch wenn es um Gefühle geht, halte ich mich lieber an berühmte Menschen, die die Gabe haben, diese in wenigen einprägsamen Worten zu veranschaulichen.

Antoine de Saint Exupery meint:
Lieben heißt nicht sich gegenseitig anzuschauen, sondern gemeinsam in eine Richtung zu blicken.

Albert Camus sagt über die Liebe:
Einen Menschen lieben heißt einzuwilligen, mit ihm alt zu werden.

Von dem libanesischen Schriftsteller Khalil Gebran stammen folgende Zeilen:

Liebet einander, aber macht die Liebe nicht zu einer Fessel:
Lasst die Liebe die wogende See zwischen den Ufern eurer Seelen sein.
Singt und tanzt zusammen und seid froh,
und doch soll jeder von euch bei sich allein bleiben, wie die Seiten einer Laute einzeln gespannt sind, auch wenn sie mit derselben Musik erzittern.
Gebt einander eure Herzen,
aber gebt sie einander nicht zur Verwahrung, weil nur die Hand des Lebens eure Herzen aufnehmen kann.
Und steht beieinander, aber steht einander nicht zu nah:
Die Säulen eines Tempels stehen getrennt und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im gegenseitigen Schatten.

Es gibt einen Song über die Liebe, den ich Ihnen in einigen Passagen auf deutsch vortragen möchte und es wäre schön, wenn Sie immer, wenn Sie dieses Lied im Radio hören, an den heutigen Tag zurückdenken und sich daran erinnern, wie glücklich Sie heute waren:

„Nine million bicycles“, Katie Melua

Es gibt 9 Millionen Fahrräder in Peking
Das ist eine Tatsache,
das ist eine Sache, die wir nicht leugnen können wie die Tatsache, dass ich dich lieben werde bis ich sterbe.

Wir sind 12 Milliarden Lichtjahre vom Rand des Universums entfernt, das ist eine Vermutung niemand kann jemals sagen, ob sie wahr ist, aber ich weiß, dass ich immer bei dir sein werde.

Es gibt 6 Milliarden Menschen auf der Welt, mehr oder weniger und ich fühle mich ziemlich unbedeutend aber es gibt denen, den ich von allen am meisten liebe.

Es gibt 9 Millionen Fahrräder in Peking
und du weißt, dass ich dich lieben werde bis ich sterbe.

Das Bemühen um einander, die Zärtlichkeit, die Zweisamkeit, die Liebe. Dies alles kann nur denjenigen gelingen, die sich auch die Zeit dafür nehmen.

Gestatten Sie mir deshalb dazu ein paar persönliche Wünsche für Sie:

Ich wünsche Ihnen Zeit, nicht alle möglichen Gaben, nur was die meisten nicht haben.

Ich wünsche Ihnen Zeit um nachzudenken, denn in der Ruhe liegt die Kraft.

Ich wünsche Ihnen Zeit für Ihr Tun und Denken, nicht nur für Sie, auch zum Verschenken.

Ich wünsche Ihnen Zeit nicht zum Hasten und Rennen, sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche Ihnen Zeit nicht nur so zum Vertreiben, ich wünsche, sie möge Ihnen übrig bleiben, als Zeit für das Staunen, als Zeit für Träume und Zeit für Vertrauen, anstatt nach der Zeit auf der Uhr zu schauen.

Ich wünsche Ihnen Zeit, nach den Sternen zu greifen, neu zu hoffen, zu lieben und geliebt zu werden, es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche Ihnen Zeit, zu sich selbst zu finden, jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

Liebes Brautpaar!

Ich glaube die Zeit ist neben der Liebe und dem Vertrauen der wichtigste Bestandteil einer Partnerschaft, sie ist ein nicht wiederholbares Nacheinander.
Sie beide gestalten Ihr Leben,
Sie machen Ihre Geschichte und Sie drehen in Ihrer Ehe das Rad der Zeit.
Ohne Zeit für sich und seinen Partner können keine Gespräche geführt werden.
Wer nicht miteinander spricht, kann auch nicht miteinander streiten Ohne Streit gibt es keine Versöhnung.
Ohne Versöhnung leidet das Vertrauen zueinander.
Und ohne Vertrauen geht die Liebe verloren.

Nehmen Sie sich trotz der Hektik des Alltags stets Zeit für sich und Ihren Partner.
Und denken Sie an das Zitat von Albert Schweitzer:

Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.

In diesem Sinne und in dieser Stunde wünsche ich Ihnen viel Glück auf Ihrem gemeinsamen Lebensweg! Mögen Ihre Träume in Erfüllung gehen und Ihnen viele glückliche und zufriedene Ehejahre beschieden sein.

Mit diesen ganz persönlichen Wünschen von mir werde ich jetzt zum offiziellen Teil übergehen.

Liebes Brautpaar!

Bei der Anmeldung der Eheschließung haben ich wir über die Namensführung in der Ehe gesprochen und Sie haben erklärt, dass Sie den Geburtsnamen des Mannes, also Mustermann, zu Ihren Ehenamen bestimmen wollen.

Ist es bei dieser Entscheidung geblieben?

Gut, dann bitte ich Sie das entsprechende Dokument, in dem niedergeschrieben ist, dass Sie den Ehenamen Mustermann führen wollen, anschließend gemeinsam mit dem Heiratseintrag zu unterschreiben.

Ich lese Ihnen diese Erklärung in ihren wesentlichen Passagen vor:

Ich darf Sie jetzt alle bitten, sich von den Plätzen zu erheben.

Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen werde ich nun die entscheidende Frage an Sie richten, mit deren Beantwortung Sie selbst den Bund der Ehe schließen.

Wenn Sie diese Frage mit JA – und nur ein bedingungsloses JA gilt hier- beantworten, sind Sie kraft Gesetzes rechtmäßig verbundene Eheleute.

Ich frage nun also Sie , Herr Max Mustermann Wollen Sie mit Ihrer hier anwesenden Verlobten, Frau Monika Mustermeier, die Ehe schließen??

Und ich frage auch Sie, Frau Monika Mustermeier:
Wollen Sie mit Ihrem hier anwesenden Verlobten, Herrn Max Mustermann, die Ehe schließen?

Nachdem Sie beide auf meine Frage klar und deutlich mit JA geantwortet haben, erkläre ich Sie hiermit kraft Gesetzes zu rechtmäßig verbundenen Eheleuten!

Jetzt können und dürfen Sie sich küssen.
Fotografen!!!!

Ich werde Ihnen jetzt den Heiratseintrag, so wie er von mir beurkundet wird, vorlesen:

Abschließend sind noch die Unterschriften zu leisten.

Liebe Frau Mustermann, lieber Herr Mustermann,
ich hoffe, dass Sie Ihre standesamtliche Trauung in guter und freudiger Erinnerung behalten und dass Sie sich auch später gerne an diesen Tag zurückerinnern.
Für Ihren gemeinsamen Lebensweg wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute und möchte Ihnen hiermit ganz herzlich gratulieren.


 
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