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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (433)

Ich begrüße alle sehr herzlich zur standesamtlichen Eheschließung!

Mein besonderer Gruß gilt natürlich dem Brautpaar.
Daher heisse ich Dich, liebe .........., und Dich lieber ............, sowie Eure beiden Trauzeugen willkommen.

Viele von uns haben sich sicher schon oft gefragt, was Liebe wirklich ist?
Es gibt tausende Versuche einer Erklärung. Unzählige Möchtegern- und Berufs-Schriftsteller, Wissenschaftler, Philosophen und Kirchenmänner haben sich schon dieser Frage hingegeben.

Ich persönlich stelle mir die Liebe als ein sehr weit gespanntes Dach vor. Getragen wird das Dach „Liebe“ von den Säulen Vertrauen, Ehrlichkeit, Offenheit und gegenseitiger Respekt. Diese vier Säulen wiederum stehen auf einem Fundament. Und dieses Fundament besteht aus der Fähigkeit, miteinander reden zu können. Je größer diese Fähigkeit, umso fester und stabiler ist das Fundament. Und im Raum zwischen Fundament und Dach spielt sich das ganze Leben ab, umrahmt von den vier Säulen. Dieser Raum ist ausgefüllt mit Lachen und Weinen, mit Glück und Trauer, mit Freude und Wut, mit Leidenschaft und Zurückhaltung, mit all den großen und kleinen Dingen, die das Leben zu zweit, die Partnerschaft, so mit sich bringt. Fehlt jedoch eine oder sogar mehrere dieser Säulen, dann wird das Dach instabil und bricht in sich zusammen.

Fangen wir ganz unten an, beim Fundament. Ich nenne es ganz einfach „Gesprächsbereitschaft“. Die Fähigkeit, wirklich und offen zu reden hat nicht jeder. Warum können so viele Menschen mit dem Partner nicht über alles sprechen? Warum diese Hemmungen? Angst, etwas Falsches zu sagen? Angst, dem Partner weh zu tun? Angst, einen Teil von sich selbst preiszugeben, sich selbst zu öffnen und damit sich selbst verwundbarer zu machen? Ich denke, von allem ist es ein wenig. Und ich denke auch, dass der letztgenannte auch der Hauptgrund ist. Verwundbarkeit! Je mehr ich von mir selbst preisgebe, desto größer wird die Angriffsfläche, die ich dem Partner biete. Je größer die Angriffsfläche, desto größer die Gefahr, dass mein Partner auch die nicht ganz so angenehmen Dinge erkennt. Und daraus resultiert ganz logisch die Angst, den Partner auf diese Art und Weise entweder ganz schnell oder langsam über die Jahre zu verlieren.

Auf der anderen Seite kann aber das Reden auch des Guten zu viel werden. Mache Menschen haben nämlich das dringende Bedürfnis, alles und jedes bis ins kleinste Detail zu analysieren und zu diskutieren. Manche Angelegenheiten sollte man aber einfach auch mal ruhen lassen, nachdem sie ausgesprochen wurden. Durch zu viel Reden kann man eine Beziehung genauso zerstören, wie durch zu wenig.
Der Grad der Gesprächsbereitschaft ist gleichzusetzen mit der Festigkeit des Fundaments. Ist er gering oder nicht vorhanden, ist das in etwa so, als hätte der Beton des Fundamentes zu wenig Wasser - er ist trocken und brüchig. Redet man zu viel, ist also zu viel Wasser im Beton, wird das Fundament schlammig und somit instabil. Die richtige Mischung zu finden – das, und genau das, ist die Kunst!

Kommen wir zur Säule Nummer eins!

Ver-trauen. Sich trauen. Mut haben? Irgendwie schon. Sich dem Partner, also einem anderen Menschen in die Hände zu geben, braucht schon mut. Sich ihm anvertrauen. Das Gefühl der Sicherheit haben. Ein schönes Gefühl. Ein erstrebenswertes Gefühl. Dazu gehört aber auch, dem Anderen zu glauben. Sicher zu sein, das er das Richtige tut. Ist das Vertrauen innerhalb einer Partnerschaft groß genug, kann es keine Eifersucht geben. Eifersucht ist immer ein Zeichen fehlenden Vertrauens. Eifersucht ist aber nicht nur ein Problem des Vertrauens, vielmehr ist es ein überzogenes Besitzdenken dem Anderen gegenüber. „Mein“ Mann, „meine“ Frau, „meine“ Freundin usw. – dort liegt der Beginn des Misstrauens.

Die Säule Nummer zwei: Offenheit!

Sie ist eng, sehr eng verbunden mit dem Fundament. Mache Menschen sind wahre Künstler darin, viel zu erzählen und dabei nichts zu sagen. Auf alle fragen eine Antwort zu geben und dabei nichts auszusagen. Dinge verschweigen. Ein klein wenig nach den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Um den heißen Brei herumreden. Oder „hintenherum“ zu reden. Eben: nicht offen zu sein.

Säule Nummer drei steht für die Ehrlichkeit!

„Offen und ehrlich seine Meinung sagen“ – ich glaube, zu diesem Thema braucht nicht viel erörtert zu werden. Lügen zerstören, erregen Misstrauen, drängen in den Hintergrund, Angst kommt auf. Sie zerstören. Einzig und allein die sogenannten „Notlügen“ bilden hier eventuell eine Ausnahme. Aber auch da spielt der Grund dafür eine immens wichtige Rolle.

Die letzte und die vierte Säule steht für den gegenseitigen Respekt!

Wenn man den Partner nicht akzeptiert und respektiert, mit all seinen guten und schlechten Seiten, wenn man versucht, all die vermeintlichen Fehler des Partners zu korrigieren, wenn man versucht, den Partner zu ändern, zu erziehen, hinzubiegen, wohin man ihn haben will, so endet das in den meisten Fällen fatal. Auch der persönliche Freiraum spielt hier eine große Rolle. Beschneidet man den des Partners, so entsteht mit der Zeit ein beengendes Gefühl - und irgendwann kommt es zum Ausbruch, oder dazu, dass der Partner resigniert und seine Persönlichkeit aufgibt. Wer wirklich liebt, wird genau das zu verhindern suchen. Respekt heisst auch, die Menschenwürde des Partners zu achten. Ist es wirklich Liebe, so liebt man den Partner genau so, wie er ist. Mit all seinen Stärken und Schwächen, mit seinen Vorzügen und seinen Fehlern.


Liebe macht offen ....
... und setzt schöpferische Kräfte frei. Wer Liebe ernten will, muss zuerst Liebe pflanzen. Anfangs ist es noch eine kleine zarte Pflanze, die – je mehr sie gepflegt und umhegt wird – immer stärker und kräftiger wird.

Was ist also die Liebe?
Das Bedürfnis, aus sich herauszugehen. Sich anzuvertrauen. Sich fallen zu lassen. Sich hinzugeben. Sich anlehnen, anlehnen lassen, auffangen und aufgefangen werden. Gemeinsam nach vorne schauen, in eine Richtung. Der Liebe sind keine Grenzen gesetzt, denn sie ist die größte Konzentration, deren der Mensch fähig ist. Schön ist alles, was man mit den Augen der Liebe sieht. Die Augen der Liebe sind ein Teil des Herzens. Ein Teil der Seele.
Abschließend finde ich dazu passend ein Zitat von Antoine de St. Exupéry:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut,
das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“


Ich möchte daher nun zu dem Teil kommen, warum Ihr eigentlich heute hierhergekommen seid und ich bitte dazu alle Anwesenden mit mir aufzustehen!

Ich frage Dich, ......................................., willst Du aus eigenem und freiem Willen die Ehe mit ........................................ eingehen, dann antworte bitte mit „Ja“ !

Ich frage auch Dich, ........................................., willst Du aus eigenem und freiem Willen die Ehe mit ....................................... eingehen, dann antworte bitte mit „Ja“ !


Nachdem Ihr nun vor Euren Zeugen erklärt habt, die Ehe miteinander eingehen zu wollen, spreche ich aus, dass Ihr von nun an rechtmäßig verbundene Eheleute seid.
Darf ich Euch nun bitten, zum äusseren Zeichen Eurer Verbundenheit die Ringe zu tauschen.

Anlässlich Eurer Hochzeit wurde im Ehebuch unseres Standesamtes ein neuer Eintrag angelegt. Ich werde diesen Eintrag nun auszugsweise vorlesen und darf Euch anschliessend bitten, diesen Eintrag mit Euren Unterschriften zu ergänzen.
 
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