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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (449)

Liebes Brautpaar, Frau ......... und Herr ...........!

Ich darf Euch recht herzlich begrüßen hier im Trauzimmer des ........, wo wir heute Eure Trauung vollziehen wollen. Es ist heute nicht nur für Euch, sondern auch für mich ein ganz besonderer Tag, denn ich darf erstens einen lieben Arbeitskollegen verheiraten und zweitens meine 100. Trauung halten, und das ist für Euch sicherlich das allerbeste Omen. Einschließen in meinen Gruß darf ich natürlich Eure Trauzeugen, Eltern, Verwandte, Freunde und Bekannte, einfach alle, die Euch heute auf diesem wichtigen Schritt begleiten.

Wie bereits zu Beginn gesagt, kennen sich das Brautpaar und ich persönlich, ich schlage deshalb vor, dass wir auf das förmliche „Sie“ verzichten können.

Für mich gehört heute diese Aufgabe zu den „Highlights“ der Woche neben meiner täglichen anderen Arbeit. Dazu tragt natürlich in erster Linie Ihr mit bei mit Eurer guten Laune und Freude, die Ihr hier mit hereingebracht habt. Meistens schwingt auch ein bisschen Aufregung mit, und ich kann Euch beiden versichern, das ist heute nicht nur bei Euch so, doch dies ist auch ganz normal, denn so eine Eheschließung ist auch für zwei Fachleute nichts Alltägliches und sollte es eigentlich auch gar nicht sein.

Ich habe heute für Euch beide Sonnenschein bestellt. Wie Ihr seht, der gute Draht des Rathauses nach \"oben\" funktioniert nicht immer. Aber ein altes Sprichwort sagt ja, dass auf Regen immer wieder Sonnenschein folgt. Und so denke ich, dass für Euch die Sonne in den vor Euch liegenden gemeinsamen Ehejahren noch sehr oft scheinen wird und ihr heute über das Wetter nur lachen könnt.

Tja, über die Bedeutung dieses Tages, insbesondere in rechtlicher Hinsicht, bedarf es bei zwei „Fachidioten“, wenn ich das salopp so nennen darf, wohl keiner großen Ausführungen mehr. Denn Ihr seid heute zum Standesamt gekommen, um die Ehe zu schließen und Ihr wisst ganz genau, war Ihr damit tut. Trotzdem darf ich Euch ein paar kurze rechtliche Erläuterungen mit auf den Weg geben, es weilen ja auch ein paar Nichtfachleute unter uns.

So eine standesamtliche Eheschließung stellt in erster Linie einen behördlichen Akt dar. Der Gesetzgeber hat vorgesehen, dass vor jeder Trauung eine nach dem seit 01. Juli 1998 geltenden neuen Recht genannte \"Anmeldung zur Eheschließung\", besser bekannt unter dem früheren Namen \"Aufgebot\" vorangehen soll. Außer der Bezeichnung hat sich am eigentlichen Verfahren rein und klein gar nichts geändert, auch wenn dies in der Presse in letzter Zeit oftmals so dargestellt wird, als könne man einfach aufs Standesamt gehen und im selben Atemzug gleich heiraten. Lediglich der öffentliche Aushang ist weggefallen, zum Leidwesen aller Neugierigen.

Nachdem nach der Prüfung Eurer Unterlagen keine Ehehindernisse irgendwelcher Art bekannt wurden, steht nun also der heutigen Eheschließung nichts mehr im Wege.

Es ist nach dem neuen Recht nicht mehr erforderlich, dass Trauzeugen bei der Eheschließung mit anwesend sind. Ihr habt Euch jedoch für die herkömmliche Art und Weise entschieden und wollt mit Trauzeugen heiraten. Am Ende werden diese mit Euch auf dem Heiratseintrag unterschreiben und damit bestätigen, dass sie bei Eurer Eheschließung mit anwesend waren und dass Ihr beide vor mit Euren Willen zur Eheschließung bekundet habt.

Überprüfung der Daten der Trauzeugen.

Ja, wir könnten den förmlichen Teil dieser Zeremonie, will man es so nennen, in bestimmt weniger als 3 Minuten durchziehen. Jedoch will ich dieser Amtshandlung ein eine persönliche Note geben. Deshalb werde ich zu Beginn eine kleine Ansprache an Euch richten.

Ein dänischer Philosoph zitiere im vorigen Jahrhundert einmal treffend: \"Die Ehe ist und bleibt die wichtigste Entdeckungsreise, die der Mensch unternehmen kann\"

Ihr habt heute einen ersten Schritt auf dieser wichtigsten Entdeckungsreise getan. Ein ganzes Leben gemeinsamer Reise liegt vor Euch. Und jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Ihr habt keine Pauschalreise gebucht, wo alles vorgeplant und organisiert ist, auf der Euch ein Animateur Spaß verschafft oder wo Euch der Koffer nachgetragen wird.

Eure Reise wird Euch auf Gipfel führen, durch wunderschöne Landschaften, durch sonnige Natur und zuweilen auch durch Stürme und Gefahren. Ich weiß, dass Ihr beide auch gerne reist. Doch bei diesen Reisen habt Ihr immer die Rückfahrkarte in der Tasche. Für Eure Reise zu zweit durch die Ehejahre gibt es keine Rückfahrkarte.
Ihr beide begebt Euch heute auf eine Entdeckungsreise, von der ihr noch nicht wisst, was Ihr entdecken werdet und wo sie enden wird. Ihr kennt auch noch nicht die Route, wisst noch nicht, wohin die Reise geht und welche Abenteuer Ihr dabei zu bestehen habt. Ihr kennt auch nicht das Ziel, habt noch keine Vorstellung, ob die Reise bequem oder beschwerlich wird.

Eins aber wisst Ihr - und deshalb seid Ihr hier: Ihr wollt diese Reise zusammen antreten. Ihr möchtet den vor Euch liegenden Weg gemeinsam gehen. Ihr möchtet gemeinsam die Gefahren einer solchen Reise auf Euch nehmen. Ihr möchtet Euch an der Hand führen, wenn es mal gefährlich werden sollte. Ihr möchtet gemeinsam die Berge erklimmen oder durch die Täler wandern. Ihr möchtet an Kreuzwegen gemeinsam entscheiden, wo es lang gehen soll. Ihr habt Euch als Reisegefährten auf diesem Lebensweg zusammengetan. Das war eine gute, eine richtige und auch sinnvolle Entscheidung. Denn so könnt Ihr Euch auch noch nach Jahren später an das gemeinsam erlebte zurückerinnern.




Liebes Brautpaar,

lasst mich einen Augenblick noch bei Eurer nun beginnenden Lebensreise bleiben. Ihr habt Euch vor Antritt dieses langen Weges gegenseitig geprüft und für gut befunden, die vor Euch liegenden Jahre gemeinsam zu gehen.

Auf eine Reise geht man nicht ohne Gepäck. Aber auch nicht mit viel Ballast. Man muss sorgsam überlegen, was man mitnimmt. Man braucht etwas für kühle Tage, für strahlenden Sonnenschein, für Gewitter und Kälte, für sengende Hitze und Kleidung für den Alltag. Nimmt man zuviel mit, so wird das Gepäck zu schwer. Man plagt sich mit den Gewichten und kommt nicht richtig vorwärts. Ständig muss man Pause machen oder auf den anderen warten, weil der nicht so schnell mitkommt.

Hat man zu wenig mitgenommen, kann es schnell kühl werden. Man zieht sich Krankheiten zu oder steht frierend im Regen. Man ist den Unbilden des Wetters dann nicht gewachsen.

Ihr fragt Euch bestimmt, warum ich das so ausführlich erzähle. Weil ich Euch wünsche, dass Ihr, liebes Brautpaar, das richtige Gepäck mit auf Eure Reise nehmt.

Sortiert aus, was Ihr nicht braucht.

Die Liebe habt Ihr ja schon im Gepäck. Die Leidenschaft füreinander auch. Geduld und Ausdauer solltet Ihr dazupacken. Auch die Fähigkeit, mal ein Auge zuzudrücken. Nehmt soviel wie möglich Eurer Charakterstärken mit. Treue und Hilfsbereitschaft, Mut und Entschlossenheit, auch ein Körnchen Wagemut, Leichtigkeit und Freude. Wandern Sie gemeinsam mit viel Zuversicht, Optimismus, einer guten Portion Vertrauen und viel Humor im Rucksack und verliert nie den Blick für die Schönheiten am Wegesrand. Geht Ihr so ausgerüstet auf Eure gemeinsame Reise durch die Ehejahre, kann eigentlich nichts schief gehen. Ihr seid auch dann gewappnet, wenn es mal stürmisch wird.

Werft auf jeden Fall vor Eurer Reise über Bord:
Ungeduld und Missmut, Egoismus und Streitsucht, Rechthaberei und Pingeligkeit. An diesen Sachen würdet Ihr zu schwer tragen. Sie würden Euch am Vorwärtskommen hindern.

Liebe .........., lieber ...............!

Mit Schwung geht heute die Reise in die Ehe los, noch ohne Ziel, wohl wissend, dass der gemeinsame Weg eigentlich das Ziel ist. Über Eurem Anfang liegt ein guter Stern und wir alle wünschen Euch zu dieser Reise ein gutes Gelingen. Der Zauber dieses Anfangs soll Euch noch lange begleiten und Euch immer in Erinnerung kommen, wenn die Strecke mal beschwerlich bergauf geht.

Eine Garantieurkunde für Eure Ehe konnte ich Euch nicht vorbereiten, auch die Anwendung einer Zauberformel, die Euch zum glücklichsten Ehepaar macht, kann ich Euch nicht empfehlen. Patentrezepte für eine Ehe gibt es nicht. Ihr müsst jetzt allerdings einfach noch ein paar gute Ratschläge über Euch ergehen lassen, das gehört zu einer Trauung einfach dazu.

Wenn Ihr behutsam und pfleglich miteinander umgeht, werdet Ihr auch in wichtigen Fragen Eurer Partnerschaft zusammenfinden. Nehmt ernste Dinge nicht zu leicht, aber vermeidet es, nebensächliche Ereignisse zu Schicksalsfragen zu machen. Bewahrt Abstand zu unwichtigen Dingen und seid großzügig bei Kleinigkeiten, lernt mit manchen Problemen gelassen umzugehen. Fürs Erste, so meine ich, könnte dies reichen, mit dem Zusatz:
Verliert nie Euren Humor und lasst stets ein Stück gesunden Menschenverstand walten.








Es ist nun Aufgabe des Standesbeamten, am Ende der Trauansprache die Verlobten behutsam aus ihren schönen Vorstellungen in die raue Wirklichkeit zurückzubringen. Die Erklärung, die Ihr nun vor mir und Euren Zeugen abgeben wollt, die Ehe zu schließen, ist fest an Euren Willen und Eure übereinstimmende Absicht gebunden. Der Bedeutung dieses Schrittes entsprechend bitte ich nun das Brautpaar und die Trauzeugen, sich von Ihren Plätzen zu erheben.

Fotografen in Position!

Ich frage Dich, ........., ist es Dein eigener und fester Entschluss, mit der hier anwesenden ................ die Ehe einzugehen, so antworte mit \"Ja\".

Ist es auch Dein eigener Wille, ................, mit dem hier anwesenden ............ die Ehe zu schließen, so antworte auch Du mit \"Ja\".

Nachdem Ihr beide vor mir, dem zuständigen Standesbeamten und Euren Trauzeugen erklärt habt, die Ehe miteinander einzugehen, erkläre ich Euch nunmehr hiermit kraft Gesetzes zu rechtmäßig verbundenen Eheleuten.

Da alle Fotografen auf Position stehen, darf der Hochzeitskuss natürlich nicht fehlen.

Ihr habt jetzt Gelegenheit, Euch gegenseitig die Eheringe anzustecken.

Ich gratuliere recht herzlich und wünsche einen guten Start in den Himmel auf Erden.

Ich darf Euch bitten, jetzt wieder Platz zu nehmen, damit ich den Heiratseintrag vorlesen kann.

- Fragen nach der Namensgebung
- Vorlesen des Heiratseintrages
- Unterschriften der Brautleute und der Trauzeugen


Neben dem eben unterschriebenen Heiratseintrag wird für Eure Ehe auch ein Familienbuch geführt. Es enthält alle in Eurer Ehe und Familie wichtigen Daten und verbleibt hier am Standesamt Renchen. Und da ihr irgendwie die Reihenfolge nicht ganz eingehalten habt ist da auf der Rückseite bereits schon die kleine Lena eingetragen, und ich kann nur betonen, dass da noch sehr viel Platz für weiteren Nachwuchs ist.

Ja, liebe Frau ......, lieber Herr ......!

Wir sind fast am Ende angekommen, jedoch habe ich Euch für Eure Reise zu zweit bzw. bereits zur dritt durch den Ehe- und Familienhimmel noch einen Koffer voll mit guten Wünschen gepackt:

Ich wünsche Euch alles Gute für Eure gemeinsame Zukunft, Gesundheit, Zufriedenheit und ein langes gemeinsames Leben, viel Erfolg im Beruf und im Privatleben. Ich wünsche Euch, dass Ihr Euch nicht streiten müsst, oder, wenn doch einmal ein Streit unvermeidbar ist, dass Ihr Euch immer wieder versöhnt. Ich wünsche Euch viele gute Gespräche und viele gemeinsame schöne Stunden. Eure gemeinsamen Ziele und Wunschträume sollen in Erfüllung gehen.

Für Reklamationen bin ich nicht zuständig. Wäre Liebe auf behördlichem Wege abzuwickeln, würden bestimmt laufend Anträge von Hilfesuchenden bei mir eingehen. Denn es ist keine Selbstverständlichkeit, das Leben zusammen zu meistern, man muss etwas tun dafür. Und hierzu wünsche ich Euch beiden viel Kraft und Stärke.






Zum Abschluss habe ich nun noch ein paar nicht so ganz ernst gemeinte Ratschläge, vor allem für Dich ..... als Ehemann, denn ich weiß, Männern fällt es oftmals nicht so leicht, eine Frau zu verstehen, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Und da ich mich als Ehefrau ebenfalls mit einer solch männlichen Spezie versuche, will ich hier und heute diesen Missverständnissen bereits im Vorfeld vorbeugen.

Hier also eine kleine Liste, was Frauen so wollen, um glücklich zu sein (angereichert durch Zitate aus dem gleichnamigen Kinofilm): Es handelt sich hierbei lediglich um Denkanstöße, für welche ich in meiner Eigenschaft als Standesbeamtin natürlich keinerlei Gewähr übernehme:

Frauen wollen:
- Männer, die Dich lieben wie Du bist,
- Männer, die kochen können,
- Männer, die Wünsche von den Augen ablesen können,
- Männer, die sich freiwillig an der Hausarbeit beteiligen,
- Männer, denen die Kumpels nicht wichtiger sind als die Frau,
- Männer mit großem Herz und großzügigem Geldbeutel
- Männer, die nicht so tun, als wäre die Gesprächspartnerin ein Vollidiot und natürlich
- Männer, die da sind, wenn man sie braucht und fernbleiben, wenn man seine Ruhe haben will!

Allerdings muss ich Dir ........ jetzt zugestehen, dass auch Du ein Anrecht auf Glück hast. Und ich gebe ja auch ehrlich zu, dass wir Frauen auch manchmal etwas verständnislos - was Männer betrifft - sind.
Deshalb auch ein paar kleine Tipps für Dich Isabell, die Du unbedingt beherzigen solltest, liegt Dir was am reibungslosen Ablauf Eures Ehealltages:





- Lass ihn zumindest ab und zu das Samstag-Abend-Programm im Fernsehen bestimmen,
- auch ein Mann freut sich über kleine Nettigkeiten grad mal so
- bleib schön, sportlich und sexy für ihn
- lege zumindest einen Teil der angeborenen weiblichen Rechthaberei ab,
- gib ab und zu kleine Fehler zu
- schleppe ihm halt auch mal seine Kiste Bier hinterher und
- ganz wichtig, zeige ihm gleich zu Beginn Deinen Ein- und Ausschalter!

Wenn Ihr beide nur ein paar dieser Ratschläge beherzigt werdet Ihr sehen, wie gut doch eigentlich Mann und Frau zusammenpassen.

So, mit den guten Ratschlägen denke ich, reicht es fürs erste. Den Rest müsst ihr Euch schon selbst erarbeiten. Doch bevor nur alle Anwesenden endlich auch zu Wort kommen und dem frisch gebackenen Ehepaar gratulieren können, will ich Euch noch ein kleines, eher nachdenkliches Gedicht mit auf Euren gemeinsamen Weg geben:

Ich wünsche Euch so viel Trennendes, dass es Euch nie langweilig wird, und doch so viel Gemeinsames, dass das Trennende nie übermächtig scheint; ich wünsche Euch so viel Fremdes, dass Ihr Euch ständig neugierig aufeinander freut, und doch so viel Gemeinsames, dass Ihr Euch nie fremd werdet; Ihr sollt so viele unterschiedliche Gedanken haben, dass Ihr immer etwas zum Reden habt, und doch so viel gemeinsame Überzeugungen, dass daraus kein Streit entsteht:

oder viel schlimmer noch ....... Schweigen!

Ja, und Schweigen nehme ich jetzt gleich als Stichwort, ich merke auch schon die Unruhe vor dem Haus! Und deshalb komme ich nun zum Schluss!

- Aushändigung des Stammbuches - Glückwünsche

 
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