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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (454)

Liebes Brautpaar,

den Schritt, den ihr heute gemeinsam gehen wollt, den Schritt in die Ehe, wird euer Leben sicherlich nicht allzu sehr verändern. Früher war die Hochzeit meist der Beginn eines ganz neuen Lebensabschnitts, denn dadurch ergaben sich ganz neue Lebensumstände und -gewohnheiten für das Paar.
Doch heute ist das oft anders. Für viele ändert sich nach der Eheschließung weder in der Beziehung noch im Tagesablauf kaum etwas.

Auch ihr lebt inzwischen seit über 3 Jahren zusammen (das steht so zumindest im Melderegister - und dann muß das ja auch stimmen). Ihr hattet somit Zeit, die Ehe zu proben und den Schritt, den ihr heute geht, reiflich zu überlegen. Doch nun seit ihr sicher: Wir gehören zusammen und wollen zusammen bleiben - für immer.

Das wird nicht immer einfach sein, denn euch ist sicherlich bewußt, daß der Alltag nicht nur Glück und Freude, sondern auch manchmal Sorge mit sich bringen kann. Aber gerade in solchen Stunden wird sich eure Ehe bewähren, wenn sie von gegenseitiger Achtung, Rücksichtnahme und natürlich der Liebe erfüllt ist. Dies sind die Stützen einer Ehe, die auch von den großen und kleinen Sorgen des Alltags nicht erschüttert werden können. Wie bei einer großen Brücke, die von ihren Grundpfeilern auch bei Sturm und Unwetter getragen wird.

Man kann die Ehe in eurem Fall aber vielleicht auch mit einem Theaterstück vergleichen:
Am Anfang der Proben sind alle Darsteller ganz euphorisch - freuen sich auf die gemeinsamen Übungsabende und auf das Einstudieren des Theaterstücks. Doch mit der Zeit läßt das leider etwas nach; die Gags des Stücks findet man nicht mehr ganz so lustig, wie am Anfang; die häufigen Übungsabende werden lästig und man ist ein bißchen genervt.
Doch das geht vorbei und es kann eigentlich gar nichts schief gehen, wenn ein paar Vorgaben für die Aufführung stimmen:
Wenn das Stück lustig ist, die Darsteller zusammen passen und Regie und Requisiten stimmen, sind die Grundlagen für eine erfolgreiche Theateraufführung gegeben.
Dann sind alle Mühen - die Übungsabende, das Auswendiglernen und evtl. Meinungsverschiedenheiten wieder vergessen, wenn bei der Vorstellung das Publikum applaudiert. Alle Mitwirkenden strahlen und sind sich einig : Es war toll und hat mal wieder Spaß gemacht.

Ähnlich ist es auch in einer Beziehung und Ehe: Zuerst sieht man alles durch eine rosarote Brille. Das Verliebtsein, der Wunsch zusammen zu sein, stellt alles andere in den Hintergrund. Doch mit der Zeit schleicht sich ein bißchen der Alltag ein. Man findet nicht mehr alles so toll, wie am Anfang. Dann muß man manchmal ein bißchen an sich und an der Beziehung arbeiten, wenn sie Bestand haben soll.
Aber auch hier kann nichts schief gehen, wenn ihr einige Grundregeln beachtet:

Als erstes ist da die Achtung voreinander.
Zur Liebe und zum Vertraut sein gehört die Achtung vor der Persönlichkeit und Würde des Anderen. Den Partner so zu akzeptieren, wie er ist - mit all seinen kleinen Schwächen und Eigenheiten. Nicht zu erwarten, daß sich der Mensch wie eine Knetmasse formen läßt, wie man ihn gerade haben möchte. Ihn nicht nur so zu nehmen, sondern ihn so zu lieben, wie er ist - als Ganzes- mögen die Einzelheiten seien, wie sie wollen.

Als zweites sei die Rücksichtnahme genannt.
Damit die täglichen Probleme und Problemchen gemeistert werden können, bedarf es des einfühlsamen aufeinander Zugehens beider Partner. Versuchen, den anderen zu verstehen - mit seinen Augen sehen, mit seinen Ohren hören und mit seiner Seele fühlen. Nicht das ICH in den Vordergrund stellen, sondern das WIR vor Augen haben.

Und als drittes ist da noch die Freude am Alltäglichen:
Das Leben besteht nicht nur aus Höhepunkten. Überall kehrt der Alltag ein. Doch das ist nicht weiter schlimm, solange man sich auch an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen kann, die leider viel zu schnell zur Selbstverständlichkeit werden.
Ist es nicht ein unbeschreibliches Glück, jemanden an seiner Seite zu wissen, mit dem man sich versteht, dem man vertraut. Jemand mit dem man über die schönen Dinge des Lebens lachen kann, dem ich meine Sorgen anvertraue und der mir im Kummer beisteht. Jemand auf den ich mich immer verlassen kann und der immer für mich da ist, wenn ich ihn brauche? .- ein gutes, unbezahlbares Gefühl, oder?

Viktor Hugo hat es einmal so ausgedrückt: \"Das größte Glück des Lebens besteht in der Gewißheit geliebt zu werden!\"






Wenn ihr euch diese Grundlagen in Krisensituationen vor Augen führt und ab und zu ein paar nette Requisiten in Form eines verständnisvollen Blickes, eines lieben Wortes oder manchmal vielleicht auch einer kleinen Aufmerksamkeit als Zeichen der Liebe in euer Leben einbaut, wird eure Ehe mit Sicherheit ein erfolgreiches Bühnenstück mit \"Happy End\".
Das wünsche ich euch von ganzem Herzen, damit ihr am 11.11.1111 eure Jubiläumsvorstellung als Goldene Hochzeit aufführen könnt.


 
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