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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (456)

Sehr geehrtes Brautpaar

Herzlich willkommen in der Gemeinde .... zu Ihrer Ziviltrauung. Auch begrüsse ich die beiden Trauzeugen. Sie wurden von unserem Brautpaar ausgewählt, sie auf ihrem Weg zum Ehepaar zu begleiten. Dieses „Begleiten“ wird vom Gesetz als so wichtig empfunden, dass auch Ihre Namen in diesem Register vermerkt werden.

Liebes Brautpaar. Sie haben sich entschieden Ihr Leben zu teilen und gemeinsam als Ehepaar in Ihre Zukunft zu gehen. Aber was bedeutet es denn eigentlich, ein Ehepaar zu sein. Heisst es eine lange Zeit mit demselben Partner zu verbringen? Kontinuität? Oder ist es doch ein Prozess der Veränderung und die Gewissheit, dass man diese zusammen erleben möchte. Was ändert sich, mit dem Übergang von Partnern in Eheleute? Liebes Brautpaar, nach dem heutigen Tag werden Sie das gemeinsam herausfinden.

Was so eine Verbindung tatsächlich ist, darüber lässt sich bestimmt streiten. Für die Einen ist es der Inbegriff von Liebe, zusammenleben und zusammen alt werden. Und andere sind bereits etliche Jahre zusammen als Paar und möchten nun gemeinsam ihre Beziehung offiziell machen. Ich nehme an, Sie kennen sich bereits und haben auch schon eine Vorstellung davon, wie Ihre Ehe in Zukunft sein sollte.

Leben heisst Veränderung. Und wenn man zu zweit ein Leben teilt, spürt man diese Veränderungen sicher noch intensiver als alleine. Wichtig ist vor allem, seine Beziehung nicht als selbstverständlich zu nehmen und immer an sich und an dieser Bindung zu arbeiten. Und wenn Sie immer miteinander sprechen, bin ich sicher, dass Sie alle Fragen und Probleme gemeinsam beantworten und lösen können.

Aber wahrscheinlich haben Sie sich sicher schon die Frage gestellt, was denn eigentlich nötig ist um in dieser Zeit in einer Ehe bestehen?

- sich beizustehen
- den Partner immer wieder begeistern zu können
- fähig sein den Partner zu trösten
- miteinander streiten zu können
- einander zu vergeben
- Verständnis zu haben, dass der Partner auch mal sich selber sein möchte
- Konfliktfähigkeit

Man könnte noch viele weitere Punkte nennen. Wichtig ist einfach, dass man sich mit den Stärken und Schwächen des Partners arrangieren kann und einen Mittelweg in einer Gemeinschaft findet um zusammen ans Ziel zu kommen

In der heutigen Zeit ist die Ehe oder auch eine Beziehung eine richtige Herausforderung. Es geht vor allem darum, das ich und das wir zusammen unter einen Hut zu bringen. Einerseits ist man eine Gemeinschaft und andererseits ist man immer noch eine Person mit eigenständigen Bedürfnissen. Und genau diese Bedürfnisse sollten vom Partner respektiert und unterstützt werden. Die Zeit, welche man als Ehepaar verbringt ist weniger ein Weg sondern vielmehr ein Labyrinth mit einigen Sackgassen, das man nur gemeinsam durchqueren kann ohne sich zu verirren.


Es gibt jedoch noch einen anderen Aspekt der Ehe. Dieser wird meistens immer ein wenig aussen vor gelassen. Nämlich das die „Institution“ Ehe einige Pflichten sowie auch Rechte für die Ehegatten beinhaltet, welche gesetzlich geregelt sind. Sei es zum Beispiel die Wahl der gemeinsamen ehelichen Wohnung und den Auftrag, dass jeder Ehegatte nach besten Kräften für den gemeinsamen Unterhalt der Familie aufkommen muss. Auch haften nun jeder Ehegatte solidarisch für den anderen.

Zu diesen Rechten und Pflichten möchte ich Ihnen einen Artikel aus dem Zivilgesetzbuch vorlesen .

Art. 159 ZGB

1. Durch die Trauung werden die Ehegatten zur ehelichen Gemeinschaft verbunden.
2. Sie verpflichten sich gegenseitig, das Wohl der Gemeinschaft in einträchtigem Zusammenwirken zu wahren und für die Kinder gemeinsam zu sorgen
3. Sie schulden einander Treue und Beistand

In der Literatur ist dieses Empfinden jedoch poetischer und weit weniger nüchtern dargestellt. Aus diesem Grund habe ich Ihnen noch ein Gedicht als Gegenstück zu Gesetzesartikeln aus dem Zivilgesetzbuch.

Eine ehemalige Schweizer Bundesrätin Frau Ruth Metzler hat einmal geschrieben. Die Liebe ist eine Himmelsmacht, sie verbindet baut vertrauen und weckt den Wunsch das Leben gemeinsam zu entdecken. Ehen werden also zuerst im Himmel geschlossen und erst danach auf dem Zivilstandsamt.

Was wahrscheinlich so viel heisst, dass Sie hier her gekommen sind und eigentlich bereits verheiratet sind. Hier und jetzt geht es darum dieser Verbindung eine irdische Verfassung zu geben, sprich die Ehe rechtlich und gesetzlich zu schützen. Wenn die Ehe nun als Entdeckungsreise angesehen wird, soll das Gesetz nicht die Route vorgeben, sondern es soll vielmehr eine Landkarte darstellen, welche ein wenig bei der Orientierung helfen soll. Aber wie es mit Entdeckungsreisen ist, wenn man durchs Leben schreitet immer mit einer Landkarte in der Hand, wäre es keine Entdeckungsreise mehr und deshalb wünsche ich Ihnen von Herzen, dass Sie für Fragen und Probleme in Ihrer Beziehung diese Karte oder in unserem Fall das Zivilgesetzbuch nie oder nur selten benötigen werden.

Fakt ist auch eine Ehe zu führen und zu leben ist für jede Person irgendetwas anderes. Selbst die grössten Dichter zu jeder Zeit haben sich bereits die Köpfe darüber zerbrochen. Eine Ehe ist für jeden Menschen etwas Persönliches und ist kaum in Worte zu fassen.

(Gedicht)

Sie beide haben sich bewusst gemacht, dass Sie von nun ein Stück ihres Weges zusammen gehen möchten, von dem niemand zum voraus weiss, wie dieser Weg aussieht. Aber wenn Sie dann gleich, das kleine unscheinbare Wörtchen Ja aussprechen sind Sie sich sicher absolut bewusst, was für eine Bedeutung, dass in diesem Wort liegt. Sie sagen bewusst Ja zu ihrem Partner, das heisst, Sie erklären sich bereit ihn so anzunehmen wie er ist, mit seinen Fehlern und Schwächen aber auch mit Stärken und seinen Talenten. Sie werden von nun an die Höhen und Tiefen des Lebens gemeinsam meisten, Sie werden aber auch, was wahrscheinlich genau so anspruchsvoll ist, Ihren normalen Alltag miteinander verbringen. Bis jetzt waren Sie Partner, ein Team und jetzt also, durch dieses Kleine Wort ein Ehepaar.

Damit möchte ich zur eigentlichen Trauung kommen. Ich bitte das Brautpaar meine Frage klar und deutlich zu beantworten sowie die beiden Trauzeugen aufmerksam zuzuhören.

…. ich richte an Sie die Frage. Wollen Sie mit … die Ehe eingehen?
…. ich richte an Sie die Frage. Wollen Sie mit … die Ehe eingehen?

Da Sie beide meine Frage mit Ja beantwortet haben, ist Ihre Ehe durch Ihre gegenseitige Zustimmung geschlossen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre neue gemeinsame Zukunft. Was ich Ihnen jedoch für die Zukunft mitgeben möchte ist folgendes:

Liebe ist… das was man daraus macht.

Es ist weder das Ja vor dem Zivilstandsbeamten, noch das Sie jetzt verheiratet sind. Liebe ist genau das, was Sie aus Ihrer Beziehung kreieren. (Bild Liebe ist… zeigen)

 
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