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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (537)

Ich weiß nicht, ob Sie sich schon einmal Gedanken über einen Hausbau gemacht haben. Normalerweise sieht man nur das fertige Haus mit dem schönen Garten. Doch bevor es dazu kommt, sind jede Menge Planung und Arbeit zu leisten.

Zuerst muss ein Grundstück gefunden und der Grundriss entworfen werden. Nachdem die Genehmigung zum Bau erteilt wurde, werden das Fundament gemauert, der Rohbau mit Dachstuhl erstellt und die Versorgungsleitungen gelegt. Erst wenn dies alles erledigt ist, kann die Gestaltung bzw. Inneneinrichtung der einzelnen Räume in Angriff genommen werden.

Das Ziel ist es, sie warm und gemütlich aber trotzdem luftig und modern einzurichten.

Nun sollte keiner auf die Idee verfallen zu glauben, wenn alles zur Zufriedenheit hergerichtet ist, könnte man die Hände in den Schoß legen und bis an´s Ende seiner Tage sorgenfrei darin leben. Denn schon bald wird man merken, dass das Ganze mit viel Arbeit verbunden ist und auch lfd. Investitionen zur Werterhaltung getätigt werden müssen.

Ähnlich verhält es sich bei einer Ehe.
Sie haben Ihren Partner gefunden und mit Ihm Ihre gemeinsame Zukunft geplant. Die Eheschließung wurde vom Standesamt genehmigt und somit können Sie Ihren Traum heute verwirklichen.

Sicher haben Sie sich genau überlegt, wie Sie Ihre Ehe gestalten, was Sie tun oder lassen wollen, wie Arbeit und Haushalt für Sie beide zu vereinbaren sind und mit welchen Unternehmungen Sie Ihre Freizeit ausfüllen können.

Ein gutes Fundament ist sicherlich gegenseitige Achtung, Verständnis und die Bereitschaft, auch schwierige Situationen gemeinsam zu meistern. Als Versorgungsleitung ihrer Ehe dient Ihre Liebe zueinander. Sie soll Ihr „Haus“ zusammenhalten und helfen, es nach Ihren Wünschen zu gestalten.

Evtl. haben Sie den Wunsch,
eine Familie zu gründen,
vielleicht möchten Sie beruflich etwas erreichen od. gemeinsam Reisen bzw. mit Freunden etwas unternehmen.
Was auch immer es ist, belassen Sie es nicht nur beim Vorsatz.

Die einzelnen Zimmer können und sollen Sie mit Ihren schönen Erlebnissen füllen. Dorthin können Sie flüchten, wenn Ihnen der Alltag mal erdrückend erscheint und Ihnen der Weiterbau an Ihrem „Haus“ nicht mehr ganz so erstrebenswert erscheint wie zu Beginn des Vorhabens, in Ihnen evtl. sogar den Gedanken an eine vorzeitigen Aufgabe ihres Projekts wach werden lässt. Die Erinnerung an die gemeinsam verbrachten schönen Stunden und bewältigten Schwierigkeiten, der Blick auf das, was sie am anderen heute schätzen und lieben, wird Ihnen helfen, den Mut zum Weitermachen zu finden.

Die unerfreulichen Begebenheiten verstaut man am besten in der hintersten Ecke des Kellers und lässt sie dort ruhen, um sich nicht das gemeinsamen Leben mit ihnen zu vergiften.

Eine gute Ehe ist geprägt von dem Willen, einander nicht nur in guten Zeiten zur Seite zu stehen, den Wert des anderen nicht zu unterschätzen, und selbstverständlich auch die Bereitschaft täglich an ihrem Bestand zu arbeiten.

Liebe heißt, den Weg in die Zukunft gehen, andre, die auf dem Wege sind, an die Hand nehmen und sie in die gleiche Richtung führen – sie ermuntern, täglich neu den Aufbruch zu wagen.

Sich für die Ehe zu entscheiden, bedeutet auch den Willen zu akzeptieren, dass nicht immer alles nach Plan verläuft, man bereit sein muss ggfls. seine Wünsche zurückzustellen und sich bewusst zu sein, dass wir uns im Laufe des Lebens verändern.

Das ist mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen, aber wenn Sie beide das wollen, bin ich recht zuversichtlich, dass es Ihnen auch gelingt.



 
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