logout
TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (541)

Ich begrüße Euch alle sehr herzlich zur standesamtlichen Eheschließung! Mein besonderer Gruß gilt natürlich dem Brautpaar. Daher heiße ich Dich, #######, und Dich, ########, sowie Eure Trauzeugen Frau ######## und Herrn ######## willkommen.

Ihr beide steht heute vor mir, dem Standesbeamten, um den Bund der Ehe zu schließen. Ich darf annehmen, dass Ihr Euch der Bedeutung dieses Tages und des Ernstes dieser Stunde bewusst seid.

Mit der Eheschließung geht Ihr neue Rechtsverhältnisse ein, die Vorteile bringen aber auch Pflichten auferlegen. Denkt zum Beispiel an mancherlei Vergünstigung im Steuerrecht, weil die Ehe und Familie als besonders förderungswert angesehen werden. Nicht zu übersehen sind allerdings auch jene Forderungen, die der Staat an Eheleute im Blick auf groß zu erziehende und auszubildende Kinder stellt.

Neben den gesetzlichen Regeln brauchen wir auch eigene, individuelle Regeln, die uns helfen unser gemeinsames Leben sinnvoll und dauerhaft zu gestalten. Hier meine ich jedoch nicht die tiefen Gefühle der Zuneigung und Liebe die Eheleute verbinden, denn diese Gefühle lassen sich zwar hegen und pflegen, aber bestimmt nicht steuern.

Heute seid Ihr erfüllt von Freude, Optimismus und Glücksgefühlen. Aber diese Hochgefühle können nicht andauern. Was jedoch den Alltag, den gewöhnlichen Alltag durchdringen kann, ist eine gleichbleibende Freundlichkeit im Umgang miteinander, gleichgültig ob man selbst gerade schlecht oder gut gelaunt ist.

Das Leben bekommt erst dann Sinn und Inhalt, wenn der Mensch eine Aufgabe hat, für die er lebt. Es gibt keine schönere Aufgabe, die für ihn so schön und beglückend ist, wie für einen lieben Menschen zu leben, für ihn zu sorgen oder einfach für ihn da zu sein.

Jeder Mensch muss im Ablauf seines Lebens hin und wieder neu beginnen. In keiner Ehe fehlen Kummer, Sorgen und Leid. Ihr beide habt einander für das gemeinsame Leben gefunden und die Stunde ist gekommen, die wie so wenige Eure Zukunft entscheidet.

Mit Eurem Ja-Wort vertraut Ihr einander Euer Lebensglück an und begründet die innigste Gemeinschaft, die zwischen zwei Menschen möglich ist. Ob Ihr glücklich werdet, hängt nicht so sehr von den Zeit- und Lebensverhältnissen, von Geld und Gut oder gar von den Mitmenschen ab, sondern vor allem davon, wie Ihr zueinander seid, wenn Eure Meinungen und Wünsche auseinandergehen oder Ärger und Verdruss die Stimmung trüben.

Ein, wie ich finde, passendes Zitat lautet: „Eine Hochzeit ist ein Ereignis, aber eine gelungene Ehe ist eine Leistung!“

Somit wende ich mich den gesetzlichen Bestimmungen zu. Ich stelle fest, dass Ihr alle Voraussetzungen für das Zustandekommen einer rechtsgültigen Ehe erfüllt habt und ersuche Euch, sich zur Abgabe Eurer Erklärungen von den Plätzen zu erheben. Ich frage Dich ########, willst Du aus eigenem und freiem Willen die Ehe mit ########## eingehen, dann antworte mit einem deutlichen JA.

Und nun frage ich auch Dich #########, willst Du aus eigenem und freiem Wille die Ehe mit ########## eingehen, dann antworte ebenfalls mit einem deutlichen JA.

Nachdem Ihr nun vor Zeugen erklärt habt, die Ehe miteinander einzugehen, spreche ich aus, dass Ihr von nun an rechtmäßig verbundene Eheleute seid.

Die Eheringe sind ein Symbol dafür, dass ihr auch als Ehepartner manchmal miteinander „ringen“ werden müsst. Das heißt: Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Auffassungen sollen in einem partnerorientierten Gespräch gelöst werden. Ich überreiche Euch nun die Ringe und bitte Euch, sie zum äußeren Zeichen Eurer Verbundenheit zu tauschen.

Euer Versprechen, nunmehr in einer Gemeinschaft leben zu wollen, ist in diesem Ehebuch eingetragen. Die Urkunde will ich nun vorlesen und bitte Euch, nach der Verlesung Eure Unterschriften darunter zu setzen.

Sehr geehrtes Ehepaar!

Der gesetzlichen Vorschrift ist genüge getan, Ihr seid Ehemann und Ehefrau geworden. Ihr habt Euer Ja-Wort dem anderen gegeben und dafür ein ganzes Leben erhalten. Ja, ein ganzes Leben für ein kleines, unscheinbares und kurzes Wort. Aber nicht dieses Wort ist das Entscheidende, sondern die Überzeugung und der Wille, mit dem es ausgesprochen wurde. Ja, es muss gefüllt werden mit Eurer gegenseitigen Liebe und Achtung, mit der Bereitschaft, immer und überall für den anderen da zu sein.


Lieber #####, liebe #######!

Ein Grundsatz für Eure Ehe besteht möglicherweise darin, die persönliche Freiheit des Partners bzw. der Partnerin nicht einschränken zu wollen. Manche Menschen versuchen nämlich nach der Eheschließung, den anderen zu verändern und zu vereinnahmen.

Ihr seid mit mir aber sicher einer Meinung, wenn ich sage: „Die Ehepartner sollen so bleiben, wie sie sind!“ Gerade die daraus resultierende Verschiedenheit, die Gegensätzlichkeit, führt letztlich zur Einheit; einer Einheit, in der jeder von Euch genügend persönlichen Freiraum hat.
Diese Einstellung ist aber im Grund genommen nichts anderes als das, was ganz allgemein „Liebe“ genannt wird. Nämlich, wenn Ihr beide zueinander sagt: „Sei wie Du bist, dann ist alles gut!“

Eines möchte ich Euch noch mitgeben: Es gibt nur wenige Dinge im Leben, die eine gefestigte Partnerschaft so beeinflussen können, wie Kinder. Kinder, das ist klar, sind gewiss nicht der einzige Zweck einer Ehe, aber sie sind zweifellos ein sehr wesentlicher Bestandteil einer solchen Lebens-gemeinschaft.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, wie wunderbar das Erlebnis des Heranwachsens eigener Kinder ist. Und ich kann Euch auf der anderen Seite sagen, das Heranwachsen und die Erziehung der Kinder ist nur möglich, wenn die Eltern Geduld haben mit sich selbst und etwas von dieser Geduld auf ihre Kinder übertragen können.

Das Faszinierende bei Kindern ist ihre Natürlichkeit und Ehrlichkeit, sie verstellen sich nicht, kennen keine Falschheit. Ihre Spontanität überrascht uns immer wieder, und es ist erstaunlich, wie schnell sie sich auch für unwichtige Dinge begeistern können.

Ich glaube, wir Erwachsenen sollten einmal darüber nachdenken, wie unsere Gesellschaft aussehen würde, wenn wir uns etwa beim Umgang mit den Mitmenschen von der ungezwungenen, spontanen und natürlichen Art der Kinder stärker beeinflussen lassen würden.

Die beiden Trauzeugen möchte ich bitten: „Kümmert Euch ein wenig um das Brautpaar und sorgt dafür, dass die beiden das, was am heutigen Tag begonnen wurde, mit Freuden weiterführen!“


Sehr geehrtes Ehepaar!

Ihr beide habt nun die Ehe geschlossen. Ich persönlich finde den Begriff \"schließen\" im Zusammenhang mit der Ehe gar nicht passend. Das klingt nach \"abgeschlossen\", \"fertig\", \"da braucht man nichts mehr dazu beitragen!\" Ihr beide wisst es sicher besser, und vor allem all jene, die heute mitgekommen sind und selbst verheiratet sind, werden das bestätigen können:

Nämlich, es ist genau umgekehrt! Man muss ständig an der Partnerschaft arbeiten und immer etwas dazu beitragen!

Deshalb meine ich, dass Ihr heute Eure Ehe \"eröffnet\" habt! Ich wünsche Euch daher, dass Ihr auch in späteren Jahren Eure Ehe täglich von neuem, so wie heute, mit Liebe eröffnet.



Bevor ich zum Ende komme erzähle ich Euch ein Märchen aus Indien über den Tempel der tausend Spiegel:

Ein Hund hatte von einem ganz besonderen Tempel gehört - vom Tempel der tausend Spiegel. Er machte sich auf den Weg und fand nach langem Suchen den Tempel. Er öffnete das Tor und trat ein. Da sahen ihm aus tausend Spiegeln tausend Hunde entgegen und der Hund freute sich und bellte fröhlich. Da freuten sich in tausend Spiegeln tausend Hunde und sie bellten auch alle fröhlich und der Hund dachte sich: Die Welt ist voller glücklicher und zufriedener Hunde.

An diesem Nachmittag kam ein anderer Hund in den Tempel der tausend Spiegel. Auch er öffnete das Tor und trat ein. Da sahen ihm aus tausend Spiegeln tausend Hunde entgegen, aber der Hund bekam Angst und knurrte. Da knurrten in tausend Spiegeln tausend Hunde. Und der Hund dachte sich: Die Welt ist voller böser, unzufriedener Hunde.

Daraus lernen wir: Derjenige, der mit so einem Gesicht durch die Welt läuft, der wird wiederum Menschen mit solchen Gesichtern treffen. Derjenige aber, der mit offenen Augen und offenem Herzen durch die Welt geht, der wird frohe und freundliche Menschen treffen.

Zum Abschluss trage ich Dir lieber ###### noch einen Ausspruch von Alfred Hitchcock vor:

„Richtig verheiratet ist erst der Mann, der jedes Wort versteht, das seine Frau nicht gesagt hat!“

Lieber #####, liebe #######!

Ein freundliches und gütiges Geschick möge Euch beide zu glücklichen Menschen machen.

 
zurück zur Übersicht