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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (542)

Begrüßung, kurze Vorstellung...

Wir sind sicher alle ziemlich aufgeregt, mehr oder weniger, aber das gehört einfach dazu.
Schließlich ist heute ein ganz besonderer Tag für Sie. Sie treten nun gemeinsam in einen neuen Lebensabschnitt. Sicher gab es im Vorfeld viel zu planen und zu organisieren, damit der Tag so verläuft, wie sie es sich vorstellen. Aber nun können Sie sich entspannt zurücklehnen, Sie brauchen später nur im richtigen Augenblick „Ja“ zu sagen....

Das kleine unscheinbare Wörtchen \"Ja\" - heute ist es von großer Bedeutung.

Mit diesem \"Ja\" lässt sich gerade heute viel ausdrücken. Heute steht dieses Wörtchen für Zuneigung und Liebe. Sie sagen bewusst \"Ja\" zum Partner, das heißt, Sie erklären sich bereit, ihn beziehungsweise sie so anzunehmen, wie er beziehungsweise sie ist, mit allen seinen oder ihren Fehlern und Schwächen, aber auch seinen oder ihren Talenten und Stärken. Sie werden die Höhen und Tiefen im Leben gemeinsam erleben und durchstehen und auch den ganz normalen Alltag zusammen verbringen.

Ihr Wunsch und Streben wird sein, sich gegenseitig zu unterstützen, zusammen die Gegenwart zu gestalten und die Zukunft zu planen. Sie sind Partner, ein Team und nun ab heute ein Ehepaar. Dies geschieht allein durch das kleine Wörtchen \"Ja\". Nicht durch das Unterschreiben des Heiratseintrages entsteht die Ehe, sondern durch Ihr übereinstimmendes \"Ja\", das Sie beide gleich vor mir aussprechen werden.
Dieses Wörtchen \"Ja\" schließt aber noch mehr ein:
Albert Camus sagt: Einen Menschen lieben heißt einwilligen, mit ihm alt zu werden.
Keine leichte Aufgabe, eher eine große Herausforderung. Gemeinsam alt zu werden kann bedeuten, dass Sie 50 (60) oder mehr Jahre verheiratet sein können.

Dies ist eine lange Zeit, doch erschrecken Sie nicht, denn der Entschluss, den Lebensweg gemeinsam zu gehen, setzt voraus, dass Sie zueinander gefunden haben und gut miteinander auskommen. Sie sind offen zueinander, sie sind aufgeschlossen füreinander, sie haben den Schlüssel zueinander gefunden.
Diese Metapher kommt nicht von ungefähr. Denn Schlüssel spielen in unserem Leben eine wesentliche Rolle. Jeder, der schon einmal seine Schlüssel verlegt hat, weiß das. Schlüssel öffnen uns Wohnungen und Büros, Autos und Schließfächer; sie ermöglichen uns den Zugang zu unseren Zielen.
Doch nicht nur Türen sind aufgeschlossen oder verschlossen - auch Menschen sind es. Menschen ziehen sich vor anderen zurück, wenn sie frustriert oder unsicher sind, wenn man ihnen mit Kritik oder Misstrauen begegnet. Und sie öffnen sich, wenn sie sich wohl fühlen, wenn sie Sympathie empfinden und spüren.

Verschlossene Türen kann man notfalls mit Gewalt öffnen, doch der Zugang zu einem anderen Menschen lässt sich nicht erzwingen. Hier hilft nur, den richtigen Schlüssel zu finden. Und so ein Schlüssel besteht daraus, auf den anderen zuzugehen und sich in ihn einzufühlen, er besteht aus Achtung und Wertschätzung sowie aus Geduld und Hilfsbereitschaft.
Wenn zwei Menschen den Schlüssel zueinander gefunden haben, dann werden sie einander verstehen und vertrauen, dann können sie aufeinander eingehen und sich somit auch neue Kraft und neuen Lebensmut geben. Auch in vielen Jahren noch.

Wenn zwei Menschen sich ineinander verlieben oder füreinander interessieren, dann bekommen sie schnell den Schlüssel zum anderen in die Hand. Denn sie versuchen, dem anderen nah zu sein und viel über ihn zu erfahren. Beide öffnen sich dann gegenüber dem Partner beziehungsweise der Partnerin. Das ist allerdings kein einmaliger Vorgang mit einem endgültigen Ergebnis: dem Generalschlüssel für alle Lebenslagen. Vielmehr wird sich dieser Vorgang im Lauf ihrer Beziehung und ihrer Ehe immer mal wiederholen.
Denn es wird durchaus vorkommen, dass sich mal der eine und mal die andere wieder in sich selbst zurückzieht. Weil beide im Beruf Stress und Frustrationen erleben; weil sie mit einem Problem nicht zurechtkommen; weil sie sich über etwas Sorgen machen, mit dem sie den anderen nicht behelligen wollen. Oder auch weil beide eine Meinungsverschiedenheit haben, weil sie mal nicht miteinander klarkommen.
Dann wird es darum gehen, wieder aufeinander zuzugehen und den jetzt passenden Schlüssel zu entdecken....


... jetzt passenden Schlüssel zu entdecken

Doch weil sie sich lieben und gut kennen, weil sie schon viele Schlüssel füreinander gefunden haben, werden sie auch ein Gespür dafür haben, was für den anderen und die Beziehung jetzt am besten ist.

Manchmal braucht der andere vielleicht eine Auszeit, um erst mal mit sich selbst ins Reine zu kommen, und wird dann im gegebenen Moment von sich aus wieder aus sich herausgehen. Manchmal wartet er vielleicht darauf, auf sein Problem angesprochen oder aus Grübeleien herausgelockt zu werden. Manchmal genügen ein Blick oder eine Geste, um sich auszusprechen.

Welcher Schlüssel auch passen mag, er wird dazu dienen, das Verständnis füreinander und das Vertrauen zueinander zu vertiefen. Der Schlüssel zum anderen schafft die Basis dafür, das Leben miteinander teilen und zusammen das Beste daraus machen zu können.
Denn der gemeinsame Weg wird bestimmt auf einige Gipfel führen, aber auch einige Abgründe zu überwinden haben. Und dann tut es gut, sich gegenseitig zu unterstützen und aufzumuntern; dann tut es gut, Verständnis und Rückhalt zu finden; dann tut es gut zu wissen, dass keiner allein dasteht, sondern beiden jemand zur Seite steht. Dies zu erfahren gibt beiden neue Energien und neuen Lebensmut. Und damit lassen sich Hindernisse überwinden, um anschließend die nächste Höhe anzupeilen und zu erklimmen.

 
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