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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (547)

ich begrüße Sie herzlich hier im Hülbener Standesamt. Ich begrüße auch Ihre Familien, die heute an Ihrer Trauung teilnehmen und später bezeugen können, dass Sie an diesem Tag den Grundstein für ein gemeinsames Leben als rechtmäßige Eheleute gelegt haben. Ich freue mich, dass ich Sie ein kurzes Stück aus Ihrem bisherigen Lebensweg hinaus in ein neues Leben als Eheleute begleiten darf.
Mir obliegt ein kleiner, aber ich denke nicht unwichtiger Mosaikstein an Ihrem heutigen Hochzeitstag. Deshalb würde ich gern ein wenig dazu beitragen, dass der heutige Tag für Sie ein unvergesslicher wird.

Mit einem kleinen, unbedeutsamen Wort unseres Sprachgebrauchs wollen Sie ab heute in ein neues gemeinsames Leben schreiten. Zwei Buchstaben, die in Ihrem Leben einiges verändern und neu gestalten werden.

Ich habe einige Gedanken zu Ihrem großen Schritt, den Sie beide gleich gemeinsam tun werden, zusammengetragen, an die Sie sich vielleicht später bewusst zurück erinnern. Es ist sicherlich mit Blick auf die Aufregung, die ein solcher Tag mit sich bringt, schwer, mir überhaupt intensiv zuzuhören. Aus diesem Grund habe ich mir was einfallen lassen, woran Sie sich vielleicht in ein paar Jahren noch erinnern können. Deshalb habe ich die Kinderharmonika hier aufgestellt. Mit dieser hat schon meine Frau gespielt. Die rote prägnante Harmonika soll Ihnen immer ein Symbol Ihrer Trauung sein. Und ich bin sicher, dass Sie dann auch noch in Jahren zumindest der Note nach noch wissen, um was es in Ihrer Traurede gegangen ist.

Sie dürfen sicher sein, dass ich Ihnen keine Standpauke voller guter Ratschläge mit auf den gemeinsamen Lebensweg gebe. Ich möchte mir auch nicht anmaßen, eventuelle Erfahrungen, die ich selbst noch nicht gemacht habe, als Grundlage zu nehmen, um Ihnen zu sagen, worauf es in einer guten Ehe ankommt.

Als ich mich auf Ihre heutige Eheschließung vorbereitet habe, habe ich mir überlegt, wie und was erzähle ich Ihnen über die Ehe. In vielen schlauen Büchern habe ich nachgelesen, was Ehe eigentlich bedeutet und wie Ehe umschrieben wird. Da geistern Sätze wie; Ehe - ein Symbol der besonderen Verbundenheit und der Treue oder: Ehe – ein Versprechen geben füreinander stets da zu sein, füreinander zu kämpfen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, um in schwierigen Situationen trotz allen Unwegsamkeiten weitergehen zu können; durch die Zeilen. Alles Klar?
Aber was bedeutet Ehe nun wirklich?
Frau Greiner, als Sie mich vor Monaten auf Ihre Eheschließung auf dem Dachboden des Harmonikaclubs angesprochen haben – keine Sorge Herr Buchmann – es war alles korrekt – stand für mich fest, dass Ihre Traurede Musik und Harmonika zum Inhalt haben muss.

Aber nicht nur wegen dem ungewöhnlichen Gespräch auf dem Dachboden, das mir sicher noch viele Jahre in Erinnerung bleiben wird, war klar, dass der Grundstock der Traurede die Musik sein muss.

Vielmehr habe ich Sie Familie , als eine äußerst harmonische und musikalische Familie kennengelernt.
Ich kann mich noch gut an mein erstes Harmonikakonzert erinnern, bei dem Sie, Frau Greiner, ganz vorne links – vom Betrachter aus gesehen – gesessen sind und mit einer Konzentration und Leidenschaft die Tasten Ihres Harmonikas gewissermaßen bearbeitet haben. Das hat mir damals schon großen Respekt abgerungen.
Daran hat sich nichts geändert. Bei allen Konzerten oder Auftritten des Harmonikaclubs bin ich fasziniert vom Harmonikaspiel. Wie kann man aus so einem Instrument überhaupt anständige Musik heraus bringen? Sie beweisen mir das immer wieder.
Liebes Brautpaar, Ehe und Musik haben vieles gemeinsam.
Vielleicht werden Sie jetzt fragen, was hat Ehe und Musik gemeinsam.
Das will ich Ihnen gerne verraten.
Der Takt, meine Damen und Herren, ordnet die Noten, er teilt die Melodie in Abschnitte, die Notenwerte geben das Tempo an.
Ebenso ordnet das taktvolle Umgehen miteinander das eheliche Zusammenleben. Auch die Ehe ist in verschiedene Abschnitte eingeteilt mit unterschiedlichem Tempo. Im Eheleben bestimmen Sie beide als Ehepartner gemeinsam den Takt und das Tempo, so dass hoffentlich keiner von Ihnen aus dem Takt gerät oder das Tempo verfehlt.
Durch das Auf und Ab in der Tonfolge schaffen Sie die Ehemelodie Ihres ehelichen Zusammenlebens selbst. Sie beide dirigieren gemeinsam Ihre Ehe.
Manche Noten werden länger angehalten, andere sind von kurzer Dauer. Das kennen Sie. Manche Momente entschwinden wie der Sand der durch die Hand rieselt. Andere wichtige Momente halten länger an und wirken lange nach.
Da jeder von Ihnen seine eigene Melodie spielt, verschiebt sich die Tonabfolge, ohne dass der Zusammenklang aufhört. Die Musik in einer Ehe ist polyfon.
Polyphonie kann die Selbstständigkeit zusammenklingender Stimmen bezeichnen. Dann versteht man Polyphonie als Gegensatz zur Homophonie (dem mehrstimmigen, aber bloß akkordischen Musizieren). – lassen wir das

Der Rhythmus belebt die Musik, manchmal ist er mitreißend, manchmal bedächtig, nachdenklich und langsam. Sie schwingen sich ein in Ihren gemeinsamen Eherhythmus, erleben den Wechsel erfrischend und belebend. Er bindet Sie aneinander; gemeinsam schwingen Sie abwechslungsreich durch Ihr eheliches Leben.

Die Musik erfreut durch den Klang, die Harmonie und die Melodie; sie ist kreativ und vielfältig. Die Musik Ihres ehelichen Zusammenlebens komponieren Sie beide. Sie sind die Haydn, Mozarts, Buchers, Erichs oder Gardens Ihrer Ehe.

Die Abfolge der Töne, die Meldodie wird teils angespannt spannend, teils harmonisch entspannt klingen. Sie werden verschiedene Melodien komponieren und spielen.

Da jeder von Ihnen verschiedene Neigungen und Interessen in die Ehe bringt, wird jeder polyfonisch seine eigene Stimme spielen und einbringen.
Im Hören aufeinander werden Sie beide trotz unterschiedlicher Stimmen oder gerade wegen verschiedener Stimmen charakteristisch und einmalig zusammenklingen. Keine Ehe gleicht der Anderen. So werden Sie eine einmalige Komposition gemeinsam erarbeiten.

Andere Stellen der ehelichen Musik klingen unisono und deshalb umso kräftiger. Hier gilt es, auch einmal Fehler und Eigenschaften des anderen Musikpartners zu verzeihen. Nur dann, wenn beide Partner lernen, Fehler des Anderen zu vergeben, kann eine Disharmonie auf Dauer verhindert werden.
Eine Beziehung zwischen zwei Menschen wird auf lange Sicht nur dann harmonisch verlaufen, wenn beide Partner nicht ständig auf ihren Standpunkten beharren, sondern dem Gegenüber entgegenkommen und ihm die Hand reichen.

Liebes Brautpaar,
Sie beide freuen und erfreuen sich an der von Ihnen geschaffenen Musik, die Sie miteinander und füreinander spielen. Da die Musik kreativ ist, fallen Ihnen hoffentlich immer wieder neue Melodien füreinander ein, traurige, nachdenkliche, heitere, lustige, langsame und schnelle. Im Wechsel liegen Spannung und Dynamik.

Im Zusammenklang erleben Sie gemeinsam Harmonie, Freude und Glück ein langes Eheleben lang.


Sie sehen, wir haben nunmehr eine ganze Ehearie komponiert.
Natürlich könnten viele andere Stücke noch entstehen oder anders komponiert werden. Das obliegt ihrer Fantasie und ihrem musikalischem Geschick. Entscheidend aber ist, dass die Ehemelodie nicht eintönig komponiert wird, damit die Partnerschaft nicht von vornherein auf Disharmonie ausgerichtet ist.

Komponieren Sie in der Zukunft Ihre eigene auf Ihr gemeinsames Leben ausgerichtete Melodie. Achten Sie aber darauf, dass Sie nur stimmige und harmonische Töne in Ihr Kunstwerk einbauen.
Denn, wenn ein oder mehrere Töne unserer Melodie, fehlerhaft komponiert wurden, passiert unweigerlich, dass Ihre Ehemusik eher einem großen Katzenjammer gleicht.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Ehemelodien viele Jahre harmonisch und wohlklingend ertönen und dass Sie auch noch in vielen Jahren, ja zu Ihrer Komposition sagen können.

Und so freue ich mich nun darauf, Sie jetzt um Ihr Eheversprechen bitten zu dürfen. Ich bitte die anwesenden Gäste, Ihnen eine besondere Ehre zu erweisen, indem sie sich von den Plätzen erheben.

 
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