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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (568)

Kleiner Prinz

Textpassagen müssen vorgelesen werden, um das Verständnis für die Rede herstellen zu können.

Liebe ....... Lieber ..... !
Ich möchte Euch heute hier recht herzlich begrüßen. Gleichzeitig natürlich auch die Trauzeugen .
Die übrigen Anwesenden heiße ich natürlich auch recht herzlich willkommen.
Denen, die mich noch nicht kennen, möchte ich mich vorstellen:
Mein Name ist … und ich bin seit …. Jahren in der Gemeinde ….. als Standesbeamte tätig.
Doch nun möchte ich keine weiteren Vorreden halten, sondern zum offiziellen Teil übergehen.
Zunächst muß ich da noch einige Worte zu den Formvorschriften sagen, die mit einer Eheschließung verbunden sind.
Ihr beiden habt vor …. die Eheschließung bei mir angemeldet und dabei alle Papiere und Urkunden vorgelegt, die der Standesbeamte zur Prüfung der Ehefähigkeit und zur Ermittlung von evtl. Eheverboten benötigt.
Was darunter im Einzelnen zu verstehen ist, habe ich Euch sicher ausführlich genug bei der Anmeldung zur Eheschließung erläutert. Ich möchte darauf heute nicht mehr eingehen.
Es wurde in jedem Fall festgestellt, daß Eurer Eheschließung keinerlei rechtliche Bedenken entgegenstehen..
Wie kommt nun eine Ehe nach bürgerlichem Recht zustande?
Die Ehe ist ein Vertrag und nur dann rechtswirksam geschlossen, wenn die Verlobten in freier Willensäußerung evtl. in Gegenwart von Trauzeugen ihr JA-Wort abgeben.
Also nicht der Standesbeamte schließt die Ehe, sondern Ihr, die Verlobten.
Aufgabe des Standesbeamten ist es lediglich, Eure Erklärungen entgegenzunehmen, zu protokollieren und festzustellen, welche rechtlichen Wirkungen damit eingetreten sind.
Die Wichtigkeit, dieses kleinen Wortes JA , das aus zwei doch recht unbedeutenden Buchstaben besteht, wird Euch vielleicht noch deutlicher, wenn ich Euch sage, daß Ihr allein damit Eure Ehe schließt.
Die Urkunden, die Euch anschließend ausgehändigt werden, sind lediglich das äußere Zeichen für die Gültigkeit dieser Ehe.
Eine Ehe darf auch nicht unter einer Bedingung oder Zeitbestimmung geschlossen werden. Hiermit wird deutlich gemacht, daß Ihr mit aller Konsequenz für die gesamte weitere Zukunft JA zueinander sagen sollt.
Bevor wir nun jedoch zu dieser formalen, vom Gesetz vorgeschriebenen Handlung der eigentlichen Eheschließung kommen, die so nüchtern ist, wie es Gesetze nun einmal sind, möchte ich noch einige Worte an Euch richten:
Die Auffassungen über die Ehe, was sie ist und was sie sein kann, sind heute unterschiedlicher denn je.
Erwartet deshalb nicht von mir der Standesbeamten, gute Ratschläge für eine glückliche Zukunft zu erhalten. Dies kann und darf nicht Aufgabe der Standesbeamten sein.
Es ist auch immer wieder schwierig, die passenden Worte zu finden.
Als ich mich auf diese Eheschließung vorbereitet habe, habe ich nach passender Literatur gesucht. In sehr vielen Büchern, Liedern und Filmen steht wie man es heute so nennt, die Beziehungskiste im Mittelpunkt und man bekommt von daher schon früh die Sehnsucht nach der erfüllten, harmonischen Partnerschaft. Denn es ist sicher nicht falsch zu glauben, daß das Leben gemeinsam leichter zu meistern ist. Daß Probleme in der Familie, im Beruf, einfacher zu bewältigen sind, wenn immer ein Partner da ist, dem man sich mitteilen, auf den man sich verlassen kann.
Und dann plötzlich war es soweit und der bzw. die Richtige ist in Euer Leben getreten und Ihr mögt Euch so gerne, daß Ihr heute hierher gekommen seid, um Euch das JA-Wort zu geben. In Eurem Herzen habt Ihr wohl schon früher zueinander „JA“ gesagt, „JA“ gesagt, einen gemeinsamen Lebensweg zu gehen. Und nun wird es heute auch offiziell. Ihr geltet fortan nicht nur in ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis als Paar, sondern dann auch vor der Gesellschaft und dem Gesetz als Ehepaar.
Doch will ich heute ja nicht noch weiter auf die Gesetze eingehen. Ich möchte Euch ja erzählen, auf was ich bei meiner Suche nach der passenden Hochzeitsgeschichte gestoßen bin.
Vielleicht habt Ihr schon bemerkt, daß ich hier neben mir das Büchlein „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery liegen habe. Sicher habt Ihr davon schon gehört oder es auch bereits gelesen.
Ich möchte hieraus nun einige Zeilen zitieren:
.........

Dies ist nur eine Geschichte, aber die Aussage, die dahinter steckt, ist die: Die Zeit, die Ihr füreinander habt, die macht Euch einander so wichtig. Es ist ein langer Weg, wenn man sich dem anderen vertraut machen will. Er erfordert viel Zeit und noch mehr Geduld. Aber am Ende dieses Weges steht ein Ziel, das mit nichts anderem zu vergleichen ist: Ihr habt einen Menschen gefunden, der für Euch einzigartig ist. Keiner wird ihn je so sehen können wie Ihr es tut.
Ihr werdet erkennen, daß dieses Ziel oft nur mit Hindernissen zu erreichen ist, daß Ihr nicht nur übereinstimmende, sondern auch sehr gegensätzliche Meinungen vertretet. Wichtig ist es bei diesen Meinungsverschiedenheiten, daß Ihr versucht, Kompromisse zu finden und nicht beim ersten Streit gleich aufzugeben.
Das bedeutet aber nicht, daß der eine Partner versucht, alle unangenehmen Dinge auf den anderen abzuwälzen oder aber den Ehegatten in eine ihm angenehme Rolle zu zwängen.
Wenn Ihr im Dialog miteinander bleibt, und zwar redend oder auch schweigend, werdet Ihr Euch jeden Tag ein wenig mehr vertraut sein.
„Sich einander vertraut machen“ hört sich vielleicht so an, daß man den Ehegatten irgendwann so gut kennt, daß es langweilig mit ihm bzw. ihr werden könnte. Doch das wage ich zu bezweifeln. Es gibt jeden Tag neue Seiten bei ihm bzw. ihr zu entdecken. Ihr werdet viele positive Wesenszüge erkennen, aber auch Eigenschaften wahrnehmen, die man als Fehler oder Schwäche bezeichnen könnte. Es kommt hierbei nicht auf die Größe des Fehlers, auf die Art der Schwäche an, sondern auf das Maß des Unbehagens, das die Eigenart des anderen bei einem hervorruft. Beispiel: Zahnpastatube.
Damit will ich andeuten, daß es oft die Kleinigkeiten sind, die zu einem Streit in einer Partnerschaft führen, nicht die wirklich großen Sorgen und Probleme.
Spruch: Ehe Du Dich an einen Menschen bindest, frage Dich, ob Du seine Fehler ertragen wirst.
Wenn es auch in Eurem Leben einen festen Brauch gibt, der den einen Tag von dem anderen unterscheidet, die eine Stunde von der anderen, werdet Ihr erkennen, was Euch der andere bedeutet und wie teuer das Glück ist, das Euch damit geschenkt wurde.
Ein fester Brauch heißt in meinen Augen nichts anderes, als sich auf den Partner felsenfest verlassen zu können, egal in welcher Situation des Lebens.
Dieser Brauch kommt einer Verpflichtung gleich, die Ihr nicht morgen schon wieder abgeben könnt. Der Euch aber auch reicher macht als andere Menschen, die einander nicht gezähmt haben, die nicht einzigartig füreinander sind.
In einer Lebensgemeinschaft wie der Ehe zu leben bedeutet in erster Linie: Akzeptanz, Vertrauen und Toleranz bei dem Ehegatten zu finden.
Ihr solltet deshalb nie mehr von Eurem Ehegatten verlangen als Ihr selbst bereit seid zu geben.
Dann ist da noch das Geheimnis, das der Fuchs dem Prinzen anvertraut:
„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ Damit spricht er das an, was gerade in einer Verbindung wie der Ehe als das tragende Element angesehen werden kann: Die Liebe zu dem Partner. Diese Zuneigung zwischen Euch ist das unsichtbare Band, das Euch jetzt und in Zukunft zusammenhält.
Und da ist noch ein Gedanke, den der Fuchs dem Prinzen mitteilt. Er sagt:
„Die Zeit, die Du für Deine Rose verloren hast, sie macht Deine Rose so wichtig. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was Du Dir vertraut gemacht hast. Du bist für Deine Rose verantwortlich.“ Ihr habt Euch gegenseitig vertraut gemacht, der Partner ist einzig für Euch geworden, so wichtig, daß Ihr die Verantwortung für ihn ein ganzes Leben lang tragen und es mit dem JA-Wort bestätigen wollt.
Deshalb bitte ich jetzt Euch, Eure Trauzeugen und auch die anderen Anwesenden aufzustehen.
Wenn Ihr nun bereit seid, in freier Willensbestimmung (in Gegenwart Eurer Trauzeugen) die Erklärung abzugeben, die Ehe miteinander einzugehen, dann bitte ich Sie (die Trauzeugen sowie die übrigen Anwesenden) aufzustehen.....


 
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