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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (575)

Liebe Brautpaar,

Sie stehen heute an einem Neubeginn einer gemeinsamen Beziehung. Wir alle wissen oder kennen aus Erfahrung, wie wichtig der Mut zum Neubeginn ist und wie schwer wir uns trotz alledem damit tun.

So eine Ehe birgt ja immer etwas Ungewisses und auch ein Wagnis in sich. Das Gesetz verpflichtet zwar die Ehegatten zur Lebensgemeinschaft, aber das Gesetz gibt keine bleibende Grundlage für eine Ehe. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit muss schon aus dem Innersten des Menschen kommen. Liebe, Achtung und Vertrauen, das sind die wichtigsten Träger einer guten Ehe.

Dabei ist die Persönlichkeit des Partners zu respektieren und ihm seine Entfaltung zu ermöglichen. Man heiratet ja nicht, dass man sich hat, sondern man heiratet, dass man sich gibt. Ich will damit sagen, dass ihr Partner eine ganz neue Dimension in ihr Leben bringen kann – mit seinen Ideen, seinem Optimismus und seinem Humor. Sehen Sie es als echte Lebensbereicherung, zumal wir alle in gewissem Maße festgefahren sind und neue Impulse brauchen.

Im gegenseitigen Helfen und Nehmen, also mit einer festen Freundschaft, werden Sie auch kritische Zeiten bewältigen können. Freundschaft ist mehr als Liebe. Es gibt wohl Liebe auf den ersten Blick, doch nie eine sofortige Freundschaft. Die muss man sich erst erwerben und immer wieder aufs Neue bestätigen.

Man muss, so meine ich, in der Ehe einfach einander annehmen, mit allen guten und schlechten Eigenschaften – sich respektieren. Ein offener und vertrauensvoller Umgang miteinander ist die Basis für eine harmonische Ehe.

Sie haben die Chance, in Ihrer Ehe auch echte Partnerschaft zu praktizieren. Das Wort „Partnerschaft“ kommt aus dem lateinischen „pars“ gleich „Teil“. Das heißt, dass jeder seinen Teil zum Gelingen beitragen muss. Dafür ist gegenseitiges Vertrauen und gegenseitiges Verständnis unentbehrlich. Wie schnell ist ein hartes Wort gesprochen, es verletzt den Stolz, es reizt zur Widerrede. Da gilt es abwechselnd den ersten Schritt zur Versöhnung tun.

Sie werden auch, wie alle Eheleute, gute und weniger gute Tage erleben. Aber Sie werden immer die Chance haben, miteinander zu reden. Und dieses Miteinander-Reden ist an den weniger guten Tagen noch viel wichtiger als an den guten. Lieben ist ja leicht – Leben dagegen manchmal viel schwieriger.

Nur törichte Menschen suchen in der Ehe das ganz große Erlebnis. Eine glückliche Zweisamkeit besteht vielmehr aus täglichen netten Kleinigkeiten. Seien es Geschenke, nicht nur zum Hochzeitstag, oder kleine Aufmerksamkeiten. Es ist auch nicht notwendig, dass man sich täglich tief in die Augen sieht. Ich bin der Meinung, es genügt, wenn man in die gleiche Richtung blickt.

Versuchen Sie auch, diesen Moment in der feierlichen Atmosphäre, danach beim Festmahl, ganz bewusst zu erleben. Ich hoffe, Sie werden davon zehren, um später im Alltag den Weg zwischen dem Erhofften auf der einen Seite und der Wirklichkeit auf der anderen zu finden.

 
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