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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (603)

Ich vergleiche das Leben gern mit dem Wetter. Mal lacht die Sonne, mal weint der Himmel, mal ist es schwül und heiss, mal feucht und kalt und im Herbst und Winter verschwindet das Sonnenlicht hinter den Nebelschwaden.

Manche Menschen sagen, das Wetter mache sie krank oder traurig. Sonnenschein dagegen macht sie unternehmungslustig und übermütig.

Doch wir können nicht jeden Tag Sonne haben, die Felder, Wiesen, Äcker und Wälder brauchen auch den Regen. Ein Gewitter nach schwülen Tagen reinigt wieder die Luft, erfrischt und belebt. Blitze am Himmel sind ein interessantes Naturschauspiel, und wer schaut nicht auf, wenn er einen Regenbogen in der Ferne sieht, der in den prächtigsten Farben einen riesigen Bogen spannt.

Ob im Sonnenlicht, im Regen oder im Nebel, immer haben wir einen anderen Eindruck von unserer Umgebung. Mal sehen wir sie scharf und klar, mal nur schemenhaft. Mal sind wir von der Sonne geblendet.

Zwischen dem Wetter und dem Leben gibt es viele Parallelen – so auch zwischen dem Wetter und der Ehe. In jedem Leben gibt es Phasen, in denen es einem wunderbar geht. Man könnte die Welt umarmen. Getrost kann man die Seele baumeln lassen. Man hat Musse, das Leben aus vollen Zügen zu geniessen. Die Stimmung ist sonnig und heiter.

Aber daneben gibt es auch den grauen Alltag, den es zu bewältigen gilt. Die Pflicht ruft, ob im Beruf oder zu Hause. Vieles muss getan werden, ob man will oder nicht. Manches läuft dabei nicht so glatt, wie man es gerne hätte. Die Stimmung leidet darunter.

In der Ehe soll es viele Sonnentage geben; Zeiten in denen Sie harmonisch Seite an Seite gehen und die Freizeit geniessen können; Zeiten in denen Sie endlose Gespräche führen und dabei den Partner ernst nehmen und verstehen; Sonnentage mit einer klaren Sicht, die Zukunft gemeinsam zu sehen und zu planen.

Doch manchmal gibt es auch Nebel in der Beziehung und es fällt nicht leicht, die richtige Entscheidung zu treffen. Der eine sieht das Problem so, der andere so. Dann heisst es, sich zusammenzusetzen und zu beraten, welche die beste Lösung ist. Manchmal hilft es, ein Problem zu vertagen, bis der Nebel verzogen ist und man das Problem klar sieht. Ein anderes Mal ist eine schnelle Entscheidung angesagt. Gegenseitiges Vertrauen ist dann besonders wichtig.

Ein Streit kann sein wie ein kalter Regenguss oder aber ein Gewitter mit Blitz und donner. Doch danach ist die Luft wieder klar und rein.

Eine Versöhnung ist wie ein Regenbogen am Himmel. Man ist wieder bereit, auf den anderen zuzugehen.

Es hilft nicht, über das Wetter zu jammern und zu klagen. Gegen Kälte schützt man sich mit warmer Kleidung. Bei Regen hilft uns ein Regenschirm. Ist es uns zu heiss, suchen wir am besten Schatten auf. Bei Nebel sollten wir auf den Strassen langsam fahren. Nie sind wir dem Wetter ganz ausgeliefert. Es kommt immer darauf an, was wir daraus machen.

So ist es im Leben und auch in der Ehe. Sonnen- und Schattenseiten werden sich im Leben immer abwechseln. Es kann wunderschöne, aber auch frostige Zeiten in einer Ehe geben. Doch Seite an Seite mit Mut, Optimismus und Entschlossenheit werden Sie gemeinsam jedem Lebenswetter trotzen und die vielen Sonnenstrahlen, die das Leben für Sie bereithält, aus vollen Zügen geniessen.

Ich wünsche Ihnen für Ihr gemeinsames Eheleben ein gutes „Ehewetter“. Mögen Ihnen viele Sonnentage beschieden sein, die Sie gemeinsam geniessen können. Für Regentage wünsche ich Ihnen einen grossen Schirm, unter dem Sie beide bequem Platz haben und in Ruhe auf trockeneres Wetter warten können. Und mag das „Lebenswetter“ auch mal rauh sein, nehmen Sie es mit Gelassenheit und der Zuversicht, dass sich das Wetter auch schnell wieder ändern kann.

 
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