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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (621)

Liebe Frau..., lieber Herr.....,

ich freue mich, dass ich heute Ihre Eheschließung vornehmen darf und man sieht es Ihnen beiden an, dass Sie sich ebenfalls auf den heutigen Tag freuen.

Ihnen beiden gilt heute mein besonderer Gruß. Dieser Willkommensgruß gilt sowohl dem Brautpaar, als auch dem künftigen Ehepaar als bürgerlich wichtigen Teil unseres Gemeinlebens. Einschließen in den Gruß möchte ich natürlich, Ihre Eltern und die anwesenden Hochzeitsgäste hier.

Sie haben beschlossen, ab heute in der Gemeinschaft der Ehe Ihr Leben miteinander zu gestalten. Meine Aufgabe als Standesbeamter ist es, diesen ganz persönlichen Entschluss zweier Menschen öffentlich zur Kenntnis zu nehmen und zu beurkunden.

Das laut ausgesprochene Ja-Wort ist jedoch mehr, als es den äußeren Anschein hat. Erlauben Sie mir bitte deshalb auch einige persönliche Worte.

Liebe und Vertraut sein, das sind die tiefsten und stärksten Eigenschaften Ihres Bundes und Liebe und Vertraut sein werden wachsen und Sie dabei einander näher bringen.

Zur Liebe und zum Vertraut sein gehört auch die Achtung vor der Individualität, der Persönlichkeit, der Würde des anderen. Wenn es uns gelingt, in der engsten Verbindung, die es gibt, stets einen Freiraum für den einzelnen aufrecht zu erhalten und so die Eigenständigkeit des anderen zu schützen, ich glaube dann befinden wir uns auf einem gut gesicherten Boden menschlicher Beziehungen. Achtung voreinander als Bindemittel für die Liebe, für eine dauerhaft Zuneigung, die ich Ihnen von ganzem Herzen wünsche.

Mit dem heutigen Schritt erhält Ihre Beziehung eine andere, eine neue Qualität. Sie, die bislang nur privat miteinander verbunden waren, geben nun Ihrer Zweisamkeit einen offiziellen Charakter. Sie zeigen damit Ihrer Umwelt, dass Sie ab heute als Ehemann und Ehefrau zusammengehören.

Sie sind sich dieses Ernstes Ihrer Absichten bewusst und in diesem Bewusstsein wollen Sie heute vor mir, Ihr Ja-Wort geben.

Wenn ich jetzt so eindringlich vom Ernst der Eheschließung gesprochen habe könnte man daraus folgern, dass die Freuden des Lebens vorüber sind.
Die Älteren unter uns würden sagen „Nun beginnt der Ernst des Lebens“

Aber ein bekannter Dichter und Philosoph hat auf diese Situation passend etwas Schönes gesagt: „Die Menschen sollen einander bei den Händen fassen und nicht nur gut sein, sondern auch froh. Die Freude ist der Sommer, der die inneren Früchte färbt und schmilzt.“

Gut sein und froh sein, das kann man vielleicht auch als Einzelner. Aber so sagt der Dichter vorher: Wir wollen uns an den Händen fassen. Warum?

Ich denke eine besonders große Freude besteht darin, Freude zu machen und die größte Freunde ist vielleicht die, dem am meisten geliebten Menschen Freude zu bereiten.

Wir wollen uns nicht leichtfertig darüber hinweg täuschen, dass uns das Leben Schweres genug bringt, jedem von uns hier. Aber gerade weil das so ist, brauchen wir die Freude und das Lachen. Eigentlich lässt sich das Leben nur ertragen und bestehen, wenn wir die tägliche Freude und das tägliche Lachen genauso pflegen wie die Wahrheit und Ehrlichkeit, Mut und Aufrichtigkeit, Aufgeschlossen-heit und Verständnis.

Die heutige Eheschließung ist rein rechtlich betrachtet das Kern-stück Ihrer Ehe. Sie ist kein Happyend Eurer Zweisamkeit, sondern ein Anfang, von dem man gar nicht genau voraussagen kann, welchen Verlauf und welchen Ausgang er nimmt.

Sie werden eine enge, eine sehr enge Bindung eingehen. Wissen Sie genau mit wem? Natürlich, denn Sie haben sich einander kennen, schätzen und lieben gelernt.

Aber so richtig vertraut miteinander mit allen Stärken und Schwächen wird man meistens erst im täglichen, im alltäglichen Zusammen sein. Jeder von Ihnen wird dem anderen noch diese und jene Erfahrung machen und zugleich mit sich selbst. Denn die eigenen Reaktionen auf die Verhaltensweisen des anderen gehören auch dazu.

Sie werden heute den Bund der Ehe schließen. Es wäre falsch zu meinen nun müsse eigentlich alles so bleiben, wie es jetzt gerade ist.
Im Augenblick mag man sich das zwar wünschen, aber wäre es nicht genau gesehen auch ein bisschen langweilig. Wollen wir nicht alle, will nicht jeder von Ihnen beiden persönliche Weiterbildung. Und die ist nun einmal mit neuen Erfahrung, oft auch mit Schwierigkeiten verbunden. Sie miteinander zu erleben und zu meistern kann schön sein. Aber nur, wenn wir diese Aufgabe erkennen, annehmen und mit Geduld akzeptieren.

Wir können die Ehe als eine Reise betrachten, auf der wir Tag für Tag Neues sehen und erleben, aber wenn möglich, immer gemeinsam. Es gibt auf dieser Fahrt reiche, fruchtbare und karge Landschaften, sonnige und regnerische Tage angenehme Windstille und aufrüttelnden Sturm.

Damit müssen wir leben. Gemeinsamt damit zu leben, ohne Wenn und Aber, daraus entwickeln wir innere Sicherheit, daraus gewinnen wir Kraft, daraus können wir Freude und Trost, Mut und Geduld schöpfen.



Nun weiß ich dass Sie beiden begeisterte Freunde des Mittelalters sind, auf manchen Festen gewandet seid. Also habe ich einen Vers aus dieser Zeit von dem großen Reformator Luther ausgewählt:

„Es ist kein lieblicher, freundlicher noch holdseliger Verwandtniß, Gemeinschaft und Gesellschaft denn eine gute Ehe, wenn Eheleut miteinander in Fried und Einigkeit leben“.

Ich meine, dieser treffenden Charakterisierung einer Ehe durch Martin Luther ist nichts hinzuzufügen, sie könnte uns Ansporn und Richtungsweisung zugleich sein.

Die Liebe als Gefühl gegenseitiger Anziehung und Zuneigung ist die Basis für Ihre Ehe. Sie ist nichts, das man besitzen und festhalten kann, sondern entsteht in dem Augenblick, in dem man an den anderen denkt, sich nach ihm sehnt, sich um ihn sorgt. etwas für ihn tut, aber sich auch gelegentlich mit dem Partner auseinandersetzt.

Versuchen Sie in Ihrer Ehe nicht durch die eigenen Augen zu sehen, durch die eigenen Ohren zu hören und durch die eigene Seele zu fühlen, sondern durch die Augen des anderen zu sehen, durch die Ohren des anderen zu hören und durch die Seele des anderen zu fühlen Eine solche Lebensweise wird für Sie selbst, könnte für alle Eheleute förderlich sein.

Und bedenken Sie, trotz regnerischer oder stürmischer Tage müssen Sie eines beherzigen. Sie heiraten heute Ihren besten Freund, beste Freundin, pflegen Sie diese Freundschaft in Liebe ein Leben lang.

Ich möchte nun zur eigentlichen Eheschließung überleiten und darf Sie nun bitten, sich kurz von den Plätzen zu erheben.
Sie beiden sollten sich folgendes stets vor Augen halten:

Trauung heißt trau Dich
trau Dich mit mir zu planen
trau Dich mit mir zu leben
trau Dich mit mir zu lachen
trau Dich einfach mit mir alt zur werden

Wie es seither Brauch ist, frage ich zunächst Sie Herr , ist es Ihr eigener und unbeirrter Wille mit der hier anwesenden , Ihrer Verlobten, die Ehe einzugehen, so antworten Sie mit „Ja.“

Wollen auch Sie, mit dem hier anwesenden, Ihrem Verlobten, die Ehe schließen, so antworten auch Sie mit „Ja.“

Nachdem Sie soeben vor mir, Ihren beiden Trauzeugen und den anwesenden Hochzeitsgästen meine Frage mit Ja beantwortet haben, erkläre ich Sie nunmehr kraft Gesetzes und kraft meines Amtes zu rechtmäßig verbundenen Eheleuten.

Als äußere Zeichen Ihrer Liebe und Zuneigung zueinander übergebe ich hier diese Ringe. Ich darf Sie bitten, sich diese gegenseitig anzustecken.




Es ist immer ein Glück, wenn sich zwei Menschen finden und einander so gut verstehen, dass sie zusammenbleiben wollen, denn das Glück geliebt zu werden, ist das höchste Glück auf Erden.

Diesen Vers von Johann Gottfried von Herder, den dürfen Sie jetzt mit einem Kuss besiegeln














Sie werden jetzt Seite an Seite durch das Leben gehen. Ich, wir alle hier wünschen Ihnen hierbei eine sichere Hand, vor allen Dingen viel Glück und Freude, dadurch wird Ihnen der heutige Tag hoffentlich stets in positiver Erinnerung bleiben.

Ich wünsche Ihnen für Ihr weiteres Leben alles Gute und verlieren

Sie nie das wunderbare Gefühl vertrauensvoll geliebt und geachtet

zu werden. Nur so werden Sie wunderbare harmonische Jahre vor

sich haben.

Mit folgenden Worten möchte ich die Eheschließung beenden und anschließend zu Ihnen noch einmal persönlich hinüber kommen:

Die Engel, die nennen es Himmelsfreud;
Die Teufel, die nennen es Höllenleid;
und die Menschen, nennen es – Liebe!

Eine Liebe die immer währt, dass wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.


 
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