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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (636)
Liebes Brautpaar, werte Trauzeugen, sehr geehrte Hochzeitsgäste !
Ich darf Sie alle recht herzlich hier am Standesamt begrüßen!



Es freut mich immer ganz besonders, wenn ich eine standesamtliche Trauung vornehmen darf, wo ich die Braut und den Bräutigam gut kenne. Maria Du bist also mit Deinem Bräutigam Norbert hierher auf dieses Standesamt gekommen, um JA zu sagen. JA zu einer Liebe die schon lange begonnen hat, die ihr bereits mit 2 reizenden Kindern gekrönt habt und heute hier vor mir ihre Erfüllung finden soll. Das kleine Wörtchen JA, daß wir tagtäglich so sorglos und ohne groß darüber nachzudenken verwenden, hat für Euch beide heute eine ganz besondere Bedeutung. Ihr drückt mit diesem JA aus, daß Ihr in Zukunft Freud und Leid miteinander teilen wollt. aus einem ICH und einem DU wird für beide von Euch ab jetzt ein WIR. Gemeinsam sollt Ihr nun Euren weiteren Lebensweg fortsetzten und miteinander wollt Ihr durch dick und dünn gehen.

Ich habe mir für Euch Beide etwas ganz besonders einfallen lassen. Bei der Vorbereitung für Eure Trauung habe ich mir etwas überlegt, was besonders für Dich Maria interessant sein sollte, da Du ja aus einer Weinbaufamilie stammst.

Die Ehe und ein guter Wein haben vieles gemeinsam. Sie reifen in drei Stufen.
Am Anfang hat man den zuckersüßen Traubensaft, voll lieblichen Übermutes, der aber nicht lange haltbar ist.
Das sind die Flitterwochen und die Zeit des gegenseitigen Fressens wollen. Dann kommt die zweite Stufe.
Die Gärungszeit, der Sturm, die Aufwühlung.
Ein ganz betäubender wuchtiger und heikler Naturprozeß, bei dem immer die Gefahr besteht, dass ein falscher Pilz sich einschleicht und der edle Saft zu saurem Essig wird.
Wenn aber der Prozeß gut und natürlich abläuft, dann ist alles gewonnen, beim Wein und auch in der Ehe.
Es ist die Zeit der Ernüchterung.

Bekanntlich heiraten immer zwei Engel, erst in der Ehe, erst in der engsten Gemeinschaft lernt man sich richtig kennen und stellt fest wie unvollkommen und fehlerhaft der andere ist.

Hier zeigt sich die wahre Liebe, die in die dritte Reifestufe führt, in die Klärung.
Da setzt sich beim Wein alles, was ihn trüb macht, tief am Grunde des Fasses ab und der Wein wird kristallklar und haltbar für ewige Zeiten.
Man sagt ja, je älter der Wein umso besser und reiner ist er auch.
Den gleichen Prozess macht eine gute Ehe durch.
Alles künstliche, Gepantschtes verdirbt nach kurzer Zeit, im Weinkeller wie im Eheleben.

Und auch bei Dir Norbert kann man ähnliche Vergleiche ziehen – bist du doch ein Landwirt.
Will man einen guten Ertrag am Acker erzielen, muß man pflügen, eggen, sähen, man muß immer aufpassen, dass nicht zu viele Unkräuter sich ausbilden. Natürlich hängt eine gute Ertragslage auch von äußeren Einflüssen ab, ob der Winter lang oder kurz ist, ob es genug regnet, ob es genügend Sonnenstunden gibt usw. Und wenn alles passt kann man am Ende des Jahres im Herbst eine gute Ernte einfahren.

Auch dieses Gleichnis kann man voll auf eine glückliche und erfüllte Ehe übertragen. Auch in einer Ehe muß man immer daran arbeiten, dass die Partnerschaft blüht und gedeiht, man muß aufpassen dass sie nicht von Unkräutern - sprich Meinungsverschiedenheiten – überwachsen wird, man muß sie hegen und pflegen damit sie dauerhaft und stark wird, damit die Ernte umso reichlicher ausfallen kann.

Mit Eurem heutigen JA erklärt Ihr Euch also bereit, Euch gegenseitig anzunehmen so wie Ihr gerade seid, mit allen Euren Fehlern und Schwächen, aber auch mit allen Euren Talenten und Stärken. Ihr werdet die Höhen und Tiefen im Leben gemeinsam erleben, Euch gegenseitig unterstützen, zusammen die Gegenwart gestalten und die Zukunft planen. Schon jetzt könnt Ihr von Euch sagen, daß Ihr Weggefährten, Partner seid, ab heute seid Ihr aber dann ein Ehepaar.

Ihr beide kennt Euch ja bereits seit einiger Zeit, ihr habt schon zwei reizende Jungen miteinander und in dieser Zeit war es Euch sicher möglich Euch gegenseitig kennen zu lernen, sich mit den Gewohnheiten des Partners auseinander zu setzen und sich aneinander zu gewöhnen. Ein paar Kanten habt ihr Euch sicherlich schon abgeschliffen, und ihr werdet sehen mit der Zeit werdet Ihr zueinander passen wie zwei gut geölte Zahnräder.

Doch wenn man sich schon eine Weile kennt oder zusammen lebt, wird die Begegnung Normalität und das gewisse Kribbeln im Baum – die sogenannten Schmetterlinge – wird seltener. Es ist selbstverständlich sich zu sehen. Gewohnheiten schleichen sich ein, alles geht seinen geregelten Gang, es beginnt der Alltragstrott.
Laßt das nicht einreißen, laßt ab und zu die Funken sprühen und baut immer mal etwas Besonderes in Eurem Ehealltag ein, damit ihr füreinander interessant und attraktiv bleibt.

Mit diesen Worten schließe ich nun meine Ansprache und nun kommen wir zur eigentlichen Trauungszeremonie. Dazu möchte ich das Brautpaar ersuchen, sich von ihren Plätzen zu erheben, denn jetzt werde ich die Frage an Euch richten, mit deren Beantwortung Ihr den Bund Eurer Ehe eingehen:

Ich frage Dich also nun, Norbert, willst Du aus eigenem und freien Willen Deine Braut Maria, zur rechtmäßig angetrauten Ehefrau nehmen, dann antworten mir bitte mit JA.

Die gleiche Frage nun auch an Dich Maria, ist es auch Dein fester und freier Wille Norbert zum Ehemann zu nehmen, dann antworte mir bitte ebenfalls mit JA.

Nachdem Ihr beide meine Fragen in Anwesenheit Eurer Trauzeugen und Gäste übereinstimmend mit JA beantwortet habt, spreche ich aus, daß Sie nunmehr rechtmäßig verbundene Eheleute sind.


Norbert und Maria:

Ihr habt heute zwei glänzende Eheringe mitgebracht. Ihr wisst, der Ring ist ein altes Symbol für die Liebe und die Partnerschaft. Achtet darauf, daß der Glanz dieser Ringe und somit Euer Glück niemals verblaßt und verwendet gegebenenfalls ein Poliermittel um den Glanz wieder aufzufrischen. Den wie heißt es so schön: Zwei Ringe, zwei Herzen, zwei Meinungen, ergeben zusammengezählt eine Ehe:

Zum Zeichen Eurer ehelichen Verbundenheit nehmt nun bitte den Ringwechsel vor.

Aus Anlaß Eurer Hochzeit wurde im Ehebuch ein neuer Eintrag vorgenommen....

Sehr geehrtes Ehepaar Lechner!

Ihr seid nun eine Ehepaar und werdet gemeinsam Euren weiteren Lebensweg beschreiten. Es kann durchaus vorkommen, daß es im Laufe Eurer Partnerschaft zu kleineren oder größeren Meinungsverschiedenheiten kommen. Sollte das je der Fall sein, dann erinnert Euch bitte an den Anfang Eurer Beziehung. Damals hattet ihr die rosarote Brille auf und es gab nichts was Eure Beziehung trüben konnte. Wenn man sich das im Gedächtnis behält kann einem auch in weiterer Folge nichts auseinanderbringen.

Wir sind nun am Ende dieser Feier angelangt und mir bleibt nun nur noch übrig, Euch meine allerherzlichsten Glückwünsche auszu-sprechen. Noch etwas. Geht lachend durch Euer weiteres Leben, denn zum Lächeln benötigt man nur 4 Gesichtsmuskeln, für ein grießgrämiges Gesicht mehr als fünfzig. Warum soll man sich also übermäßig anstrengen. In diesem Sinne nochmals alles Gute.
 
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