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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (651)
Traurede

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Sehr geehrtes Brautpaar

als Standesbeamter der Stadt möchte ich Sie verehrtes Brautpaar, Ihre Verwandten, Freunde und Gäste im Standesamt der Stadt begrüßen,
mein besonderer Gruß gilt jedoch der Mutter von Frau sowie dem Vater von Herrn .
Ich hoffe, Sie hatten alle eine gute Anfahrt.
Zunächst möchte ich mich Ihnen kurz vorstellen:
Mein Name ist , eigentlich Büroleiter der Stadt und als Standesbeamter im Vertretungsfall tätig.
Im Februar d. Jahres erreichte uns eine Mail, in der Sie Herr anfragten, ob eine Trauung am heutigen Tag bei uns möglich sei.
Sie seien über das Internet auf ein Angebot des Hotels aufmerksam geworden wonach die Übernachtung der Gäste kostenlos ist, wenn man seine Familienfeiern dort durchführt.
Wir haben Ihrem Wunsch entsprochen.
Sie haben im Hotel die Feier organisiert und können heute hier in , am 3. Oktober 2008- dem Tag der deutschen Einheit- gemeinsam mit Ihrer Partnerin einen neuen Lebensabschnitt beginnen.
Es ist Ihre Absicht, Ihr weiteres Leben nunmehr gemeinsam zu verbringen und die Ehe eingehen zu wollen.
Meine Aufgabe als Standesbeamter ist es, dies öffentlich festzustellen und zu beurkunden.
Die Voraussetzungen für die heute vorgesehene Eheschließung sind gegeben.
Die Anmeldung ist ordnungsgemäß erfolgt, alle erforderlichen Unterlagen liegen mir vor.

Sehr geehrte Frau , sehr geehrter Herr

ich habe mir für diesen Tag einige Gedanken darüber gemacht, welche Worte ich Ihnen auf Ihrem gemeinsamen Lebensweg mitgeben könnte.
In den meisten meiner bisher durchgeführten Trauungen saßen hier junge Leute, die gerade die Ausbildung abgeschlossen haben und sicherlich noch Erfahrungen in ihrem weiteren Leben sammeln müssen.

Bei Ihnen beiden ist dies nicht mehr der Fall.
Sie beide sind im Alter gereift, haben eine oder mehrere Berufsabschnitte durchlaufen und in Ihrem Leben so wie Sie mir berichtet haben – manche schöne aber auch bittere Erfahrung gemacht.

Bei der Durchsicht der Unterlagen sind mir in Ihren Lebensläufen gewisse Parallelen aufgefallen, auf die ich kurz eingehen möchte.
Zu 1.
Es ist für Sie beide nicht Ihre erste Ehe.
Ihre beiden Vorehen haben Sie jeweils im Jahr 1979 geschlossen.
Die eine Ehe in , die andere in , der größten Stadt in Mecklenburg-Vorpommern.
Dazwischen liegen rd. 500 km Luftlinie und zum damaligen Zeitpunkt für beide Seiten die unüberwindbare innerdeutsche Grenze, die die beiden deutschen Staaten geteilt hat.

Zu 2.
Mit dem Einzug von Glasnost und Perestroika in der ehem. UdSSR, der Öffnung der Grenzen zwischen Ungarn und Österreich und den zahlreichen Protestbewegungen in der ehem. DDR begann ein Prozess, der letztendlich zur Auflösung fester Beziehungen der DDR zu Russland führte und nach Zustimmung der ehem. Besatzungsmächte eine Wiedervereinigung beider deutschen Staaten ermöglichte.
Auch Sie beide waren nach über 20 Jahren Ehe bestrebt, aus welchen Gründen auch immer, die bisherigen Verbindungen zu Ihren Lebenspartnern zu lösen.

Sicherlich hatten Sie – jeder für sich – in den bisherigen Beziehungen schon manch wichtige Stunde erlebt.
Wenn jeder von Ihnen auf sein bisheriges Leben zurück blickt, werden ihm einige Erlebnisse einfallen, die ihn geprägt haben, die ihm wichtig waren.
Da mögen schöne, aber auch schwierige Zeiten dabei gewesen sein.
Doch bei diesem Rückblick in die Vergangenheit müssen Sie feststellen, dass Sie nichts mehr daran ändern können.
Sie können nur die Ereignisse in Gedanken abschließen, die schönen in Gedächtnis bewahren und die schlechten aus Ihrer Erinnerung streichen oder sie als geschehen annehmen und akzeptieren.
Ihre Ehen wurden beide jeweils im August 2000 bzw. 2007 rechtskräftig geschieden.

Und nun kommt „ die Einheit “ für Sie beide ins Spiel.
Wir begehen heute nicht nur den Tag der deutschen Einheit.
Nein, auch Sie beide wollen heute eine neue Einheit bilden.
Über das Internet haben Sie nicht nur ihr Hotel für heute gebucht; nein, das Internet war auch die Plattform, über die Sie sich vor 5 Jahren kennen und lieben gelernt haben.
Nach den ersten Kontakten wurde 2003 in eine gemeinsame Wohnung bezogen.
Seither leben Sie zusammen.

Für die Gestaltung des heutigen Tages haben Sie sich 3 Songs ausgewählt, die wir heute gehört haben bzw. noch hören werden.
Beim Einzug hörten wir einen Song von Luis Armstrong.
In seinem Lied„ What a wonderful World“ geht Armstrong auf die Schönheit der Welt und von den Glücksmomenten im alltäglichen Leben ein.
Das Lied besingt daher Natur, Sonne, Farben, Freundschaften und Kinderaugen und das bei all den kleinen und großen Problemen im Leben einem auch manchmal die Welt alles andere als „Wonderful“ erscheint. Man sollte dankbar dafür sein, dass wir viele schöne Dinge im Leben erleben dürfen und sie es sind, die uns die Energie geben, alles andere zu verkraften.
Später bei dem Ringetausch werden wir noch einen Song von Percy Sledge hören:
„When a man loves a woman“ haben Sie sich ausgesucht.
Ich glaube, zu diesem Song brauche ich nichts mehr zu sagen, bringt er doch ihrer beiden Glücksgefühle musikalisch zum Ausdruck.
Doch soweit ist es noch nicht.

Bevor ich nun zum eigentlichen Trauakt übergehe, wünsche ich Ihnen für Ihren weiteren gemeinsamen Lebensweg Kraft Gesundheit und Zuversicht. Mögen Sie beide ihre persönlichen Erfahrungen -ob positive oder negative- dazu anleiten, künftig eine glückliche Ehe zu führen.

Mit diesen Worten möchte ich nun meine Ansprache beenden und komme damit zum rechtlich wirksamen Teil Ihrer Eheschließung.

Sie haben anlässlich der Anmeldung der Eheschließung erklärt, dass es Ihre Absicht ist, den Geburtsnamen des Mannes als gemeinsamen Ehenamen zu führen.

Hat sich an dieser Entscheidung etwas geändert?

Nach § 1310 BGB wird die Ehe dadurch geschlossen, dass die Verlobten vor einem Standesbeamten persönlich und bei gleich-zeitiger Anwesenheit erklären, die Ehe miteinander eingehen zu wollen.
Die Erklärungen dürfen nicht unter einer Bedingung oder einer Zeitbestimmung abgegeben werden. Es war Ihr ausdrücklicher Wunsch, diese Erklärung auch in Gegenwart der beiden anwesen-den Trauzeugen abzugeben.

Wenn ich Sie also jetzt in Gegenwart der beiden Trauzeugen einzeln und nacheinander frage, ob Sie die Ehe miteinander eingehen wollen, und Sie diese Frage mit JA beantworten, dann sind Sie rechtmäßig verbundene Eheleute.

Ich darf Sie beide nun bitten, sich von den Plätzen zu erheben.

Herr , sind Sie gewillt, aus freiem, eigenen Entschluss mit der hier anwesenden die Ehe einzugehen, so antworten Sie mit „JA“.

Frau , sind auch Sie gewillt, aus freiem, eigenen Entschluss mit dem hier anwesenden die Ehe einzugehen, so antworten Sie mit „JA“.

Nachdem Sie beide vor mir, dem zuständigen Standesbeamten und vor Ihren Trauzeugen die an Sie gerichtete Frage mit JA beantwortet haben, sind Sie nunmehr Kraft Gesetzes rechtmäßig verbundene Eheleute.



Mit den Ringen, die Sie mitgebracht haben und jetzt anstecken, kommt Ihre Verbundenheit zum Ausdruck.
Denn die Ringe sind auch heute immer noch ein Symbol für die Ehe, weil ein Ring keinen Anfang und kein Ende hat, so wie Ihre gegenseitige Liebe auch kein Ende haben soll.

Herr , Sie dürfen die Braut jetzt küssen!

Liebe Frau , lieber Herr , ich gratuliere Ihnen ganz herzlich und bitte Sie, wieder Platz zu nehmen!

Wir kommen jetzt noch zu ein paar Formalitäten.

Ich verlese jetzt den Heiratseintrag. Bitte achten Sie ebenfalls darauf, ob alle Angaben stimmen und machen Sie mich auf evtl. Fehler aufmerksam.


Zum Abschluss Ihrer Trauung möchte ich Ihnen noch alles Gute und viel Glück für Ihre gemeinsame Zukunft wünschen und dass Ihnen Ihre Ehe viele sonnige Tage bringen möge, so wie heute.



 
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