logout
TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (54)
Bevor ich zum eigentlichen und für Sie wichtigsten Teil der Trauung komme, möchte ich noch ein paar Worte an Sie persönlich richten. Sie wollen heute hier heiraten und es ist nicht immer ganz leicht, für Menschen, die man persönlich nicht näher kennt, die passenden Worte zu finden, so ist das auch für mich jedes Mal von neuem eine neue Herausforderung. Erwarten Sie bitte von mir keine Belehrungen über die Ehe oder wie man die Ehe zu führen hat. Sie haben sicherlich in letzter Zeit auch schon viele gute Ratschläge von allen Seiten mit auf den Weg bekommen.

Heute ist für Sie, aber auch für all Ihre Gäste, ein besonderer Tag, denn eine Eheschließung ist nichts Alltägliches, sondern auch ein Grund zum feiern.

Sie haben sich auch für Ihre Eheschließung eine besondere Zeit ausgesucht. Wir feiern am Wochenende den x-ten Advent und bald ist dann auch schon Weihnachten. Deshalb nehme ich an, dass Ihre Heirat heute für Sie schon so etwas wie ein vorweggenommenes Weihnachtsgeschenk ist.

In vielen Büchern, Liedern und Filmen steht die Beziehung zweier Menschen im Mittelpunkt und man bekommt von daher schon früh die Sehnsucht nach einer erfüllten und harmonischen Partnerschaft. Und dann irgendwann ist es soweit, dass der richtige Partner ins eigene Leben tritt, den man dann so gerne mag, dass man sich das Jawort gibt.

Auch Sie haben schon früher zueinander "ja" gesagt um einen gemeinsamen Lebensweg zu gehen. Und nun wird es heute offiziell. Sie gelten fortan nicht nur in Ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis als Paar, sondern dann auch offiziell vor der Gesellschaft als Ehepaar. Durch Ihr heutiges Jawort bekommen Sie eine neue Rechtsstellung, wie es so schön heißt. In vielen Gesetzen, z.B. im Bürgerlichen Gesetzbuch und im Steuerrecht gibt es etliche Bestimmungen dazu. Aber ich will heute auf all diese gesetzlichen Bestimmungen nicht weiter eingehen. Das würde sicher zu weit führen und dann auch langweilig werden.

Ich sagte es eben schon, wir befinden uns jetzt in einer besonderen Zeit. In dieser Vorweihnachtszeit und dem bevorstehenden Jahreswechsel, wird immer wieder vom Frieden auf Erden gesprochen; man kann es jeden Tag im Fernsehen und der Presse verfolgen. Gleichzeitig sieht man aber auch, dass überall auf der Welt dieser Friede nicht eingehalten wird; sei es im Großen aber auch im Kleinen. Und immer wieder wird vergessen darüber nachzudenken und zu sagen, woher der Friede auf Erden denn kommen soll.

Ich meine. es ist wohl so, dass der wahre Frieden nicht aus der Politik kommt. Wer sich den Frieden von der Politik erhofft, wird sich letztendlich betrogen fühlen und enttäuscht sein. Ich meine, der Frieden fängt schon bei Kleinigkeiten an. Sie fragen sich jetzt sicher, was hat der Frieden auf der Welt mit unserer Heirat zu tun?
Ich sagte eben, dass Frieden schon im Kleinen anfängt. Deshalb meine ich, dass hier schon ein Zusammenhang zu einer Ehe besteht. In der Ehe wollen Sie sich ganz einfach gesagt, vertragen. Aber es ist ja noch mehr. Sie wollen und sollen Ihren Ehepartner anerkennen und achten. Wenn es an dieser Anerkennung und Achtung des Partners fehlt, wird es zu Unfrieden kommen.

Ein Patentrezept für eine friedliche Ehe gibt es nicht,
aber wenn Sie versuchen,
nicht nur durch Ihre Augen zu sehen,
durch Ihre Ohren zu hören
und durch Ihre Seele zu fühlen,
sondern durch die Augen des Anderen zu sehen,
durch die Ohren des Anderen zu hören
und durch die Seele des Anderen zu fühlen,

werden Sie immer füreinander Verständnis haben und können so durch Ihr gemeinsames und miteinander friedliches Leben ein Beispiel geben und der Welt ein klein wenig vom Frieden zurückgeben, den uns die große Politik nicht bringen kann.

Der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus hat einmal gesagt: "Einen Menschen lieben, heißt einzuwilligen, mit ihm gemeinsam alt zu werden." Das ist keine leichte Aufgabe, sondern eine große Herausforderung, denn gemeinsam alt zu werden, bedeutet, dass Sie noch viele Jahre Partnerschaft vor sich haben werden. Darum sollte es Ihr Ziel sein, sich gegenseitig zu unterstützen, gemeinsam die Gegenwart zu gestalten und Ihre gemeinsame Zukunft zu planen.

Deshalb wünsche ich Ihnen, dass Sie stets Zeit füreinander finden, für gute Gespräche über Kleinigkeiten. Aber auch über die großen Dinge, die Sie bewegen.

 
zurück zur Übersicht